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Waldschäden
Borkenkäfer befällt 50 000 Fichten im Saarland

Der heiße Sommer 2018 kam auch beim Borkenkäfer gut an, der sich rasend vermehrte und die Fichten im saarländischen Wald befiel. Dann hilft nur noch, die betroffenen Bäume zu fällen.
Der heiße Sommer 2018 kam auch beim Borkenkäfer gut an, der sich rasend vermehrte und die Fichten im saarländischen Wald befiel. Dann hilft nur noch, die betroffenen Bäume zu fällen. FOTO: Lino Mirgeler/dpa / Lino Mirgeler
Saarbrücken. Der Klimawandel belastet auch den Saar-Wald stark. Borkenkäfer und Eichenprozessionsspinner haben sich stark vermehrt. Von Udo Lorenz

Luftverschmutzung und Klimawandel bedrohen zunehmend den saarländischen Wald. Laut dem am Donnerstag von Umweltminister Reinhold Jost (SPD) vorgelegten Waldzustandsbericht 2018 ist inzwischen annähernd jeder dritte Baum im Staatswald deutlich geschädigt. Und nur noch knapp jeder fünfte Baum hat keine sichtbaren Schadensmerkmale.


Das größte Problem war dieses Jahr der extrem trockene und heiße Sommer, der zu einem starken Borkenkäfer-Befall führte. Alleine 50 000 Fichten mussten deshalb gefällt werden. Ein anderer von der Hitze und Trockenheit begünstigter Schädling, der Eichenprozessionsspinner, könnte laut Waldexperten die nächsten fünf Jahre noch mehr Ärger machen und dazu führen, dass wegen der Allergie-Gefahren bei Berührung für den Menschen ganze Waldabschnitte mit vielen Eichen für Erholungssuchende gesperrt werden müssten – wie jetzt schon in einigen Gebieten Lothringens.

„Der diesjährige Sommer mit einer Durchschnittstemperatur von knapp unter 20 Grad – drei Grad mehr als im langjährigen Mittel und 810 statt der sonst üblichen 630 Sonnenstunden – war der zweitheißeste seit 1881“, bilanzierte Minister Jost die Ausgangssituation. „Dem Borkenkäfer boten sich leider beste Voraussetzungen für eine massenhafte Vermehrung.“ Ähnliches galt auch für den Eichenprozessionsspinner, der aber weniger den Bäumen als noch mehr allergisch reagierenden Menschen schaden kann.



Insgesamt jedoch war die Waldschadensentwicklung im Saarland nicht für alle Baumarten gleichermaßen belastend. So blieb etwa der Kronenzustand bei Buche und Kiefer gegenüber dem Vorjahr weitgehend unverändert. Bei Douglasien gab es sogar eine deutliche Verbesserung. Insgesamt steht der Saar-Wald aktuell auch spürbar besser da als der in vielen anderen Bundesländern. „Und das Saarland hat mit 30 Jahren naturnaher Waldwirtschaft vorbildlich gearbeitet“, lobten Hans Werner Schröck und Friedrich Engels von der Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft Rheinland-Pfalz in Trippstadt.

Mitarbeiter aus Trippstadt und des Saar-Forstes hatten im Juli/August an 98 verschiedenen Aufnahmepunkten im Saar-Wald 2304 Probebäume bewertet und so die Grundlage für die Waldschadensbilanz 2018 geliefert. Demnach stieg binnen Jahresfrist die Zahl aller deutlich geschädigten Waldbäume hierzulande von 26 auf 29 Prozent, während die der Bäume ohne sichtbare Schäden von 29 auf 21 Prozent sank. Bei Buchen, der meist verbreiteten Baumart im Saarland, sank sogar die Zahl der deutlichen Schäden etwas. Bei Eichen verschlechterten sich die Baumkronen dagegen erheblich und sorgten dafür, dass der Anteil deutlich geschädigter Bäume von 22 auf 41 Prozent nach oben schnellte. Bei den Fichten machte sich der starke Borkenkäfer-Befall meist erst nach Ende der Waldschadensbilanz im August bemerkbar, so dass hier nicht alle erhobenen Zahlen gegenüber dem Vorjahr vergleichbar sind.

Die zwangsweise Fällung tausender Fichten führte laut Minister Jost zu einem deutlichen Ausfall dieser auch für die Holzindustrie wichtigen Baumart. „Aktuell ist der Holzpreis deutlich um bis zu 50 Prozent gesunken“, betonten die Waldexperten.

Dennoch rechnet der Saar-Forst wieder mit rund zehn Millionen Euro im Jahr durch den Verkauf des Holzes aus dem Wald. Auf vier Millionen Euro Zusatzeinnahmen wird laut Jost zugunsten des ökologischen Waldbaus (keine Kahlschläge) verzichtet. „Es wächst ständig mehr Wald nach, als entnommen wird, und darauf können wir stolz sein, ohne uns zurückzulehnen“, betonte Minister Jost.