Blücher und die „Blaschdaschisser“

Blücher und die „Blaschdaschisser“

Der Preuße kommt, hieß es gestern in Ottweiler. Zwar steckte hinter dem berühmten Feldmarschall Blücher der „So war noch nix“-Flaccus, doch der hatte bei seiner „historischen Rede“ ganz sicher mehr Lacher auf seiner Seite als der echte Haudegen vor 200 Jahren.

Mit viel Tamtam zog der Mann in preußischer Uniform, behangen mit militärischen Orden, in die Ottweiler Altstadt ein. Eine Musikkappelle marschierte voraus, Gardisten geleiteten ihn zu seinem Rednerpult. Das Volk applaudierte, wer zufällig vorbei kam, trat neugierig näher.

So ähnlich wie die Inszenierung des Karnevalsvereins "So war noch nix" am gestrigen Abend könnte auch vor 200 Jahren der echte Besuch von Generalfeldmarschall Blücher, der 1814 in Ottweiler eine Ansprache an die Bürgerschaft hielt, abgelaufen sein,. Doch spätestens als "Blücher", alias Ehrenpräsident Ernst Flaccus, das Wort ergriff, gewann der Humor der Karnevalisten gegenüber dem historischen Schauspiel die Oberhand. Der echte Gebhard Leberecht von Blücher, der 1815 zusammen mit dem britischen Feldmarschall Wellington in der Schlacht bei Waterloo Napoleon vernichtend schlug, hat in Ottweiler wahrscheinlich nicht derart viele Lacher geerntet, vor allem aber hat er seine Zuhörer wohl kaum fortwährend als "Blaschdaschisser" bezeichnet.

"Unsere Aufgabe als Karnevalsverein ist es, der Obrigkeit und dem Militarismus ein wenig Menschlichkeit zu verleihen.", sagte der Vizepräsident der "So war noch nix", Thomas Jahn. "Deshalb haben wir die Gelegenheit des 200-jährigen Jubiläums seit der Ansprache ergriffen." Musikalisch beteiligte sich der Musikverein Harmonie Niederlinxweiler.

Spätestens nach einigen Worten über die kulinarischen Vorzüge der Stadt hatte der Generalfeldmarschall das Volk im Griff. "Da ruf ich verzweifelt und setz mich zur Wehr!" "Grumbiere-Daatschelscher mit Äbbelschmier!" schallte es ihm aus der Menge entgegen. "Heut gibt's zum Mittag, dem Neuen zur Ehr!" "Grumbiere-Daatschelscher mit Äbbelschmier!"

Dann sagte Blücher der Stadt noch die Entwicklung der nächsten 200 Jahre voraus. Viel "Blaschder" und wenig "Zaschder" prophezeite er, außerdem dass die Kinder nicht mehr "die Fieß in die Blies" strecken, sondern in einem Schwimmbad planschen würden und dass die Jugend bei Konzerten mit "Beethoven, Bach und Händel" fliehen würde ins Flash nach St. Wendel. Dem Bürgermeister der "Blaschdaschisser", Holger Schäfer, ließ er Besen und Schippe da.

Das Publikum amüsierte sich köstlich. "So werden auch junge Leute auf die Geschichte der Stadt aufmerksam gemacht.", freute sich die 25-jährige Nadja Luuk. Karl-Heinz Nätzer gestand: "Wie nahe er dem echten Blücher kommt, kann ich nicht sagen. Ich war nicht dabei 1814."

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