Zug zwischen Frankreich und Luxemburg: Streit um Sicherheitssystem

Pendlerverkehr : Im Streit um die Zugsicherheit droht Chaos

Luxemburg will ab Januar französische Regionalbahnen an der Grenze stoppen. Leidtragende dürften tausende Pendler sein.

() Der Konflikt um die Pendlerzuglinien zwischen Luxemburg und der Region Grand Est hat sich verschärft. Demnach droht den Grenzgängern ab kommendem Januar ein echtes Chaos. Der Grund: Das Großherzogtum verlangt, dass alle Züge, die auf seinem Gebiet fahren, mit dem einheitlichen europäischen Steuerungssystem ERTMS/ETCS ausgestattet werden.

Ab kommendem Januar ist für alle Bahnen ohne dieses System an der Grenze Endstation. Bis dahin werden aber erst zwölf der 25 französischen Regionalzüge, die täglich über 10 000 Pendler nach Luxemburg fahren,über das entsprechende System verfügen. Um ein völliges Chaos auf der bereits von Überfüllung betroffenen Strecke zu vermeiden, bemühte sich die Region Grand Est in den vergangenen Monaten um einen Aufschub bis Juni 2020. Dem hat die luxemburgische Regierung jetzt eine klare Absage erteilt. Für die Grenzgänger bedeutet die Entscheidung, in Thionville in einen luxemburgischen Zug umzusteigen, doch ob die Kapazitäten dann ausreichen, ist ungewiss. Verspätungen sind unter diesen Bedingungen vor allem in Spitzenzeiten programmiert. Verärgert sind nicht nur die Pendler, sondern auch der Grand-Est-Präsident Jean Rottner. Aus seiner Sicht sei die luxemburgische Entscheidung umso unverständlicher, da ein Aufschub für Güterzüge gewährt wurde.

Während die Einführung des einheitlichen Steuerungssystems in Luxemburg bereits Anfang der 2000er Jahre startete, wurde sie auf der französischen Seite immer wieder verzögert. Unter anderem weil die ehemalige Region Lothringen der Meinung war, der Staat und nicht sie müsste die Kosten dafür tragen. Zwar nahm sich dann die neu gegründete Region Grand Est der Angelegenheit an, doch in der Zwischenzeit machte das Großherzogtum Tempo bei der Nachrüstung. Anlass dafür war der tödliche Unfall 2017, als ein Güterzug bei Düdelingen mit einer – glücklicherweise fast leeren –  Regionalbahn frontal kollidierte, bei dem ein Lokführer ums Leben kam. Mittlerweile wird auf nationaler Ebene um einen Aufschub verhandelt. Die Akte liegt auf dem Tisch der Verkehrsministerin – in Paris.

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