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Vorschlag im Wahlkampf: Ostbahnhof in Paris aus der Stadt wegziehen

Pariser Ostbahnhof : Soll die Gare de l’Est einem Park weichen?

Bürgermeisterkandidat wollte den Ostbahnhof aus dem Zentrum der französischen Hauptstadt verbannen.

Eine echte „Schnapsidee“ – so kommentierte Alain Fontanel, Bürgermeisterkandidat in Straßburg, auf Twitter den Vorschlag seines Parteikollegen Benjamin Griveaux. Auch er bewarb sich für die Macron-Partei LREM um einen Chefsessel im Rathaus, aber in der französischen Hauptstadt. Unter anderem mit einem fragwürdigen Vorschlag: Um wieder mehr Platz für Natur innerhalb von Paris zu schaffen, sollte der Gare de l’ est, der Ostbahnhof, umziehen, raus aus der Kernstadt.

Aus dem Wahlkampf ist Griveaux am Freitag aber überraschenderweise zurückgetreten. Weil ein Aktionskünstler Schrift- und Sprachnachrichten sexuellen Inhalts veröffentlicht hat, die Familienvater Griveaux mit diversen Frauen ausgetauscht haben soll. Griveaux’ Vorhaben jedoch, eine rund 30 Hektar große Grünfläche „nach Central-Park-Vorbild“ im Pariser Zentrum zu errichten, polarisierte auch außerhalb der französischen Hauptstadt.

Nicht nur der Straßburger Bürgermeisterkandidat Fontanel kritisierte die Idee. Auch der Präsident der Region Grand Est, Jean Rottner, äußerte sich empört. Durch seinen Vorschlag würde der Kandidat „die Einwohner aus Ostfrankreich opfern“, um das Pariser Rathaus zu erobern. Griveaux lege diesen Menschen gegenüber eine „Gleichgültigkeit“ an den Tag, aber auch „ein völliges Unverständnis für den Alltag und die Organisation des Zugverkehrs“, so Rottner. In der Tat sind die schnellen Zugverbindungen nach Paris ein Argument, mit dem die Region Grand Est wirbt, etwa bei Konzernansiedlungen. In den vergangenen Jahren investierte die Region massiv, um die Reisezeiten zu verkürzen. Von Straßburg bis ins Herz der Hauptstadt in weniger als zwei Stunden: Vor allem bei Geschäftsleuten zieht das.

Ähnliches gilt für Metz-Paris (unter 1,5 Stunden) oder Frankfurt-Paris (unter vier Stunden). Zieht der Bahnhof um, wird die Reise umständlicher und die Strecke verliert an Attraktivität. Auch für Fahrtgäste aus Saarbrücken. Unterstützung bei ihrem Protest fanden die Elsässer auch außerhalb von Grand Est, nämlich im Pariser Umland. Zehntausende Pendler aus den Vororten fahren jeden Tag mit dem Regionalzug zur Arbeit nach Paris. „Dieses Projekt ist nicht nur unrealistisch in der Umsetzung, sondern auch weder nötig noch wünschenswert“, teilte Valérie Pécresse, Präsidentin der Region Ile-de-France mit.

Auch wenn umweltfreundliche Ziele löblich seien, gäbe es andere Ansätze als einen solchen Park. Etwa die Förderung des Zugverkehrs und eine Aufwertung der Bahnhöfe, damit sich noch mehr Leute für den ÖPNV und gegen das Auto entschieden.