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Viele Städte in Grand Est desinfizieren Straßen, aber nicht im Saarland

Kostenpflichtiger Inhalt: Desinfizierung der Städte : Mit Wasserstoffperoxid gegen das Virus

Wie andere Kommunen in der Region Grand Est desinfiziert Straßburg jetzt seine Straßen. In saarländischen Städten sind solche Aktionen bisher nicht geplant.

Die Stadt Straßburg ist nun dazu übergegangen, stark frequentierte Orte im Zentrum gegen das Coronavirus zu desinfizieren. Sie folgt damit dem Beispiel der elsässischen Nachbarstadt Colmar, die bereits seit vergangener Woche stark besuchte Plätze und Straßen sowie das Umfeld vor Apotheken und einigen Einkaufszentren desinfiziert. Das Hauptaugenmerk der Aktion in Straßburg liegt auf Bänken, öffentlichen Toiletten, dem Umfeld von Kliniken und vor allem auf den Fahrkartenautomaten von stark benutzten Bus- und Straßenbahnstationen. Ein Test Anfang der Woche mit Desinfektionsmitteln im Freien an einer Straßenbahnhaltestelle sei vielversprechend verlaufen, heißt es in einer Mitteilung der im Elsass gelegenen Metropole Straßburg

Zwei Trupps der Stadtreinigung mit je drei Personen, die in ihren weißen und gelben Schutzanzügen wie Astronauten aussehen, versprühen an diesen Orten eine Mischung aus Wasserstoffperoxyd und Peressigsäure, die normalerweise dazu benutzt wird, um Bohrlöcher, Tanks oder Trinkwasserleitungen zu desinfizieren, sagte der erste Beigeordnete der Stadt, Alain Fontanel, in einem Twitter-Beitrag. Die versprühte Lösung sei weder giftig, noch umweltschädigend, krebserregend oder erbgutverändernd und verflüchtige sich nach 15 bis 20 Minuten. Fontanel wies darauf hin, dass es sich um eine punktuelle Aktion handele, die sehr früh am Morgen oder spätabends durchgeführt werde. Die grüne Beigeordnete Françoise Bey sagte der regionalen Internetzeitung actu.fr, dass die Wirksamkeit der Desinfektionen im Freien noch nicht bewiesen sei. „Wir warten darauf, was die Regionale Gesundheitsagentur empfiehlt, um zu wissen, ob die Stadt diese Behandlung aufrechterhält.“

Im Saarland sind bisher keine Desinfektionen im öffentlichen Raum geplant. „Nach Rücksprache mit dem zuständigen Kreis-Gesundheitsamt sieht die Stadt Saarlouis keine Veranlassung für Desinfektionsmaßnahmen im öffentlichen Verkehrsraum. Vom Gesundheitsamt wird die hohe Bedeutung der Handhygiene des Einzelnen hervorgehoben“, erklärt Sophia Bonnaire von der Stadt-Pressestelle. „Die Desinfektion von Einzelgegenständen ist gerade im öffentlichen Verkehrsraum wenig effektiv, da dann nach jeder Benutzung desinfiziert werden müsste, um einen dauerhaften Effekt zu erzielen“, sagt sie weiter.

Ähnlich verhält es sich in Homburg, Neunkirchen und Merzig. „Die Kreisstadt Merzig führt selbstverständlich alle notwendigen Maßnahmen durch, um die Verbreitung des Virus einzudämmen“, sagt Stadtsprecher Stephan Fandel. Inwiefern eine Desinfektion des gesamten öffentlichen Raumes erforderlich sei und erfolge, hänge insbesondere von den Entscheidungen und Empfehlungen der wissenschaftlichen Fachleute sowie der Gesundheitsbehörden ab. Darauf verweist auch Saarbrückens Pressesprecher Thomas Blug: „Die Landeshauptstadt Saarbrücken legt bei ihren Präventionsmaßnahmen gegen das Coronavirus den Fokus auf die Empfehlungen des Robert Koch-Instituts (RKI) und auf die wichtigsten Übertragungswege im Sinne einer wirkungsvollen und effizienten Bekämpfung“. Nach heutigem Kenntnisstand werde der Erreger SARS-CoV-2 hauptsächlich durch Tröpfcheninfektion übertragen. Laut RKI könne eine Infektion durch Kontakt mit kontaminierten Oberflächen zwar prinzipiell nicht ausgeschlossen werden. „Die allermeisten Infektionsketten sind jedoch am besten durch eine direkte Übertragung von Tröpfchen erklärbar“, sagt Blug weiter. „Zu jetzigen Zeitpunkt sehen wir von großflächigen Desinfektionen ab.“ Das sieht auch das zuständige Gesundheitsministerium so. „Die korrekte Umsetzung der Hygienemaßnahmen schützt in Verbindung mit den entsprechenden Ausgangsbeschränkungen am effektivsten vor der Ausbreitung des Coronavirus“, heißt es aus der Behörde. Deshalb seien Desinfektionsmaßnahmen im öffentlichen Raum im Saarland nicht geplant.