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Viele Senioren in Altenheimen der Region Grand Est sterben an Corona

Kostenpflichtiger Inhalt: Coronavirus im Altenheim : Pflegeheime als Corona-Gefahrenzone

In den Heimen der französischen Region Grand Est sind seit Beginn der Corona-Epidemie mehr als 500 Senioren gestorben. Über die Hälfte aller Einrichtungen verzeichnet Fälle.

Viel Bewegungsfreiheit haben die Franzosen in diesen Tagen wahrlich nicht. Eine Stunde täglich dürfen sie während der Ausgangssperre ihr Zuhause verlassen, zum Einkaufen oder mit dem Hund spazierengehen. Im grenznahen Freyming-Merlebach in Lothringen haben sich jetzt 40 Menschen gemeldet, die für zwei Wochen komplett darauf verzichten. Auch auf den Feierabend mit der Familie. Es sind Pfleger, Krankenschwestern und Haustechniker, die in zwei Seniorenheimen der Kommune arbeiten. Um kein Risiko einzugehen, durch Kontakte nach draußen das Coronavirus in das Heim einzuschleppen, haben sie sich dafür entscheiden, sich zwei Wochen lang Tag und Nacht mit den Bewohnern einzusperren. Wie die Tageszeitung Républicain Lorrain berichtet, werden die Freiwilligen jetzt getestet. Fällt der Test negativ aus, ziehen sie für zwei Wochen in die Heime. Anschließend werden sie für 14 weitere Tage von einem zweiten Team abgelöst.

Denn verbreitet sich das Virus erstmal in einem Pflegeheim, könnten viele Bewohner daran sterben. In den Einrichtungen leben betagte Menschen, die nicht selten an Vorerkrankungen leiden, was sie für einen schweren Verlauf der durch das Virus verursachten Krankheit anfälliger macht. In der Region Grand Est sind nach Angaben der Gesundheitsbehörde ARS seit Ausbruch der Corona-Epidemie bereits 570 Bewohner in den Heimen gestorben. Inwiefern diese Zahl ein zuverlässiges Abbild der tatsächlichen Situation ermöglicht, ist dennoch fraglich. Eingerechnet werden dabei Patienten, die bereits vor dem Tod positiv getestet wurden, aber auch Verdachtsfälle, die weder vor noch nach dem Sterben getestet wurden. Das heißt, Bewohner, die an Grippe erkrankt waren und Symptome wie Husten und hohes Fieber aufwiesen, könnten dazugezählt worden sein. Nichtsdestotrotz bleiben die Heime, wo viele Menschen unter einem Dach leben, wegen der rasanten Verbreitung des Virus besondere Gefahrenzonen. Dort bleibt ein Fall selten die Ausnahme. Das zeigt sich zum Beispiel in den Vogesen, wo mehr als die Hälfte der 46 Todesfälle in einer einzigen Einrichtung verzeichnet wurden.

Die meisten Todesfälle in den Heimen der Region Grand Est wurden im elsässischen Département Haut-Rhin (Colmar/Mulhouse) registriert, wo wegen des einwöchigen Treffens einer Freikirche mit tausenden Teilnehmern der erste Ansteckungsherd in Frankreich lag. Zuerst breitete sich das Virus innerhalb dieser Gemeinschaft aus, sprang schnell auf die übrige Bevölkerung über und erreichte schließlich auch die Pflegeheime. Dort wurden 314 Sterbefälle verzeichnet. Im Département Moselle, an der Grenze zum Saarland, gab es in den Senioreneinrichtungen bisher 53 Todesfälle, die im Zusammenhang mit Corona stehen. Doch die Zahlen könnten bald steigen, denn laut ARS sind 411 der insgesamt 620 Heime der Region vom Coronavirus betroffen. Das entspricht 66 Prozent der Einrichtungen.

Bereits am Anfang der Corona-Epidemie hatten die Pflegeheime in der Region strikte Regeln zum Schutz vor einer Verbreitung verhängt. Neben dem Besuchsverbot und erhöhten Hygienemaßnahmen fanden keine gemeinsamen Mahlzeiten mehr in den Speisesälen statt. Gibt es einen Verdachtsfall, wird die Person in ihrem Zimmer für mindestens 14 Tage isoliert. Um einer Verschlechterung der Lage vorzubeugen, hat die Region Grand Est, zusätzlich zu den Bestellungen des französischen Staates, eigene Masken in China geordert. Insgesamt kaufte die Region auf eigene Kosten fünf Millionen Masken. Die erste Ladung mit zwei Millionen Exemplaren wurde am Donnerstag in Altersheimen der Region verteilt. Außerdem werden Auszubildende in Pflegeberufen verstärkt dort eingesetzt.