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Verlegungen von Covid-Patienten aus Grand Est retten Leben

Kostenpflichtiger Inhalt: 109 französische Covid-Patienten in Deutschland : Wie Patienten-Verlegungen Schlimmeres verhindern

Andere Länder und Regionen nehmen Covid-Patienten aus Grand Est auf und machen dadurch überlebenswichtige Beatmungsplätze frei. Doch langsam sind auch andere Regionen von Covid stark betroffen.

Mit 1311 Todesfällen in den Kliniken und rund 570 in den Pflegeheimen hat die Grenzregion Grand Est bereits viele Menschen an den Folgen der Corona-Erkrankungen verloren. 4712 Patienten werden stationär behandelt, 971 von ihnen auf den Intensivstationen. Dass überhaupt so viele Menschen gleichzeitig auf den Stationen Platz haben und dort beatmet werden können, wäre vor zwei Monaten schwer vorstellbar gewesen.

Denn in Normalzeiten verfügt die Region Grand Est laut der regionalen Gesundheitsbehörde ARS über 465 Beatmungsplätze. Innerhalb eines Monates wurde diese Kapazität auf 1170 hochgefahren. Alle nicht lebenswichtigen Eingriffe wurden in den Kliniken abgesagt, alle mögliche Betten umgewandelt, die privaten Kliniken haben mitgemacht. Doch trotz allem stehen die Intensivstationen im Elsass und im lothringischen Département Moselle am Rand der Überlastung.

Um Schlimmeres zu verhindern und neu eingetroffene Covid-Kranke kein Bett auf der Intensivstation bekommen, weil alle belegt sind, blieb nur eine Lösung: Die Patienten dahin verlegen, wo noch genug Kapazitäten waren. Doch auch Verlegungen innerhalb der Region Grand Est reichten bei diesem Ansturm an Fällen nicht aus. Und so starteten die Evakuierungen Richtung Süden, Westen und ins Ausland. Laut ARS wurden bisher 98 Patienten aus Grand Est in weitere französische Regionen gebracht, die (noch) nicht so stark vom Coronavirus betroffen sind. Zum ersten Mal in der Geschichte des Landes wurden ein Militärflugzeug und ein Krankenhaus-Schnellzug genutzt, um Patienten innerhalb des Landes zu verlegen.

Doch die Solidarität geht auch über die Grenzen Frankreichs hinaus. Bis Freitag waren bereits 156 französische Beatmungspatienten nach Deutschland (109), Luxemburg, Österreich und in die Schweiz gebracht worden, um dort weiter behandelt zu werden. Auch in den nächsten Tagen sollen weiter Patienten verlegt werden. Denn in Grand Est ist der Höhepunkt der Epidemie nicht erreicht. Dieser werde zwischen dem 10. und spätestens zum 25. April erwartet, sagte der Leiter der ARS am Freitag bei einer Pressekonferenz. Bis dahin werden also weiterhin Beatmungsplätze außerhalb der Regionen gebraucht werden, um tödliche Engpässe zu vermeiden.

Einfacher werden diese Operationen nicht. Denn mittlerweile ist auch die Region Ile-de-France um Paris sehr stark betroffen. Dort sind mit 1791 Todesfälle die meisten Covid-Opfer in den Kliniken zu beklagen. Und auch dort haben die Einrichtungen angefangen, ihre Patienten in die Provinz zu verlegen, um genügend Betten freizuhalten.