Vier Länder nutzen kurzen Dienstweg

Im Gemeinsamen Zoll- und Polizeizentrum in Luxemburg arbeiten Beamte aus der Großregion eng zusammen.

Um vier Minuten nach acht klingelt zum ersten Mal das Telefon von Michaela Eikoff. Am anderen Ende der Leitung spricht ein Polizist aus Flensburg. Dort gab es einen Brandanschlag auf Dienstfahrzeuge. Bei der Auswertung der Funkzellen ist die Polizei auf eine belgische Nummer gestoßen und möchte wissen, ob die belgischen Kollegen den Handybesitzer kennen. Eikoff nimmt die Anfrage auf. Ein paar Minuten später landet diese auf dem Schreibtisch gegenüber, bei Eikoffs belgischem Kollegen. Die beiden haben, zusammen mit einem französischen und einem luxemburgischen Polizisten, heute Dienst im Lagezentrum des Gemeinsamen Zoll- und Polizeizentrums (GZPZ) in Luxemburg.

Im schlicht eingerichteten Raum - Dreh- und Angelpunkt des Zentrums - sitzen täglich vier Beamte, jeweils einer aus jedem Land. Zwei bis drei Tage in der Woche arbeitet Eikoff am "deutschen" Platz, den Rest der Zeit in einem Einzelbüro. "Ich arbeite sehr gerne mit Kollegen aus anderen Ländern. Dass man jeden Tag mehrere Sprachen spricht, macht den Reiz dieser Dienststelle aus", sagt sie. Seit 2013 ist die Zollbeamtin im Einsatz im GZPZ nahe des Luxemburger Flughafens Findel. Früher arbeitete sie in Hamburg. "Ich wollte aber meine Französischkenntnisse unbedingt wieder aktivieren", erklärt sie.

Bewerber für das GZPZ müssen gute Sprachkenntnisse vorweisen, auch in Englisch. Denn immer wieder kommen auch Anrufe aus anderen EU-Ländern, und nicht jeder Beamte in Rumänien oder Portugal spricht Deutsch oder Französisch. Auf Eikoffs Schreibtisch stehen zwei Bildschirme. Jeder Mitarbeiter arbeitet gleichzeitig in zwei Systemen: Eines für sein Land, das andere ist ein gemeinsames, extra für das GZPZ entwickeltes System, zu dem die Vertreter aller vier Länder Zugang haben. "Jedes Land stellt seine Anfragen an seinen eigenen Mitarbeiter. Dieser leitet sie an den betroffenen Kollegen des anderen Landes weiter. Er antwortet in seiner Muttersprache, und diese Antwort wird von unserem Mitarbeiter für unsere Behörde rückübersetzt", erklärt sie die Abläufe. Der Gründungsvertrag des Zentrums sichert den vollständigen Datenaustausch zwischen den vier Ländern zu.

39 Menschen arbeiten hier. Nicht alle stammen aus so weit entfernten Orten wie Michaela Eikoff. Die meisten sind Grenzgänger. Das hat nicht nur mit den Mietpreisen in Luxemburg zu tun, sondern auch damit, dass französische Gendarmen eine Residenzpflicht haben. Jedes Land stellt auch einen sogenannten Koordinator. Bei den Deutschen hat zur Zeit Thomas Kiefer den Hut auf.

Der Saarländer aus dem Kreis Merzig war bis 2015 Dienstgruppenleiter bei der Bundespolizei in Bexbach. Dank guter Sprachkenntnisse und eines einjährigen Einsatzes im Libanon war Kiefer für den Posten hier prädestiniert. Im Flur auf dem Weg zu seinem Büro hängen vier Porträts - die Staatsoberhäupter aus Deutschland, Frankreich, Luxemburg und Belgien. "Bald wird es wieder einige Veränderungen an dieser Wand geben", scherzt Kiefer.

Er selbst wird noch ein bisschen bleiben. Während die Stammbelegschaft fest ist, wechseln die Teamleiter alle fünf Jahre. Wer auf den Außendienst schwört, wird hier nicht glücklich. Im gemeinsamen Zentrum geht es nicht um operative Tätigkeiten. "Dennoch können die Aufgaben nicht von x-beliebigen Verwaltungsangestellten erledigt werden. Wir brauchen Polizei- und Zollbeamte, die Informationen einschätzen und die Fälle zusammenführen können", erklärt Kiefer. Das Personal für das GZPZ wird von den jeweiligen Ländern nach Luxemburg entsendet - und weiterhin bezahlt. Das luxemburgische Gehalt ist also nicht der Grund, warum sich die Menschen hier bewerben. "Die Stimmung ist sehr gut, kein Tag gleicht dem anderen. Es wird nie langweilig und die Arbeit in einem interkulturellen Team macht viel Spaß", so Kiefer.

Der kurze Weg über den Nachbarschreibtisch ermöglicht es, Fälle äußerst schnell zu klären. "Wenn jemand am Münchner Flughafen mit einem belgischen Aufenthaltstitel einreist, den die Beamten auf Echtheit prüfen wollen, können sie den Mann nicht tagelang dort festsetzen. Ein Anruf bei uns reicht, der belgische Kollege prüft die Informationen in seiner Datenbank und die Sache ist erledigt", beschreibt Kiefer die Vorteile des Zentrums. "90 Prozent der Anfragen werden innerhalb von maximal vier Stunden beantwortet."

2016 wurden 17 000 Anfragen gestellt, die meisten direkt aus der Großregion. Diebstähle, Einbrüche und Verkehrsdelikte bilden die Schwerpunkte. "Die vielen Grenzen auf kleinstem Raum nutzen Kriminelle bewusst aus", so Kiefer. Man merke auch, dass sich die Sicherheitslage allgemein verschärft habe. 2016 kamen rund zehn Prozent mehr Anfragen als im Jahr zuvor. "Noch geht's, doch irgendwann wird es mit dieser Personalstärke und den aktuellen Arbeitszeiten nicht mehr reichen", befürchtet er. Im Zentrum wird montags bis freitags von 8 bis 17 Uhr gearbeitet. "Wir wünschen uns mittelfristig eine Erweiterung der Zeiten, das ist aber eine politische Entscheidung. Dafür müssen sich vier Länder einigen. Das ist nicht immer einfach", meint Kiefer. Bis es aber soweit ist, gilt nach wie vor: "Wenn hier um 17 Uhr das Telefon klingelt und eine dringende Anfrage ansteht, lässt keiner den Stift einfach fallen."

Zum Thema:

In der EU gibt es 62 aktive gemeinsame Zentren, in denen Polizei- und Zollbeamte mehrerer Länder zusammenarbeiten. Deutschland ist an elf davon beteiligt. Das GZPZ in Luxemburg ist das einzige, in dem vier Länder auf einer vertraglichen Grundlage arbeiten.