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Soundtrack für den ersten Kuss

Die meisten verbinden Curtis Stigers mit seinem Megahit, und er wird ihn spielen.
Die meisten verbinden Curtis Stigers mit seinem Megahit, und er wird ihn spielen. FOTO: Kultopolis
Echternach. Mit der Pop-Ballade „I wonder why“ wurde Curtis Stigers Anfang der 1990er berühmt. Mittlerweile setzt der charismatische Sänger mit der Gänsehautstimme aus dem US-amerikanischen Idaho auf jazzigere Töne. Am Montag, 11. Juli, spielt er im Trifolion im luxemburgischen Echternach. SZ-Mitarbeiterin Jennifer Back sprach mit ihm über den Wendepunkt seiner Karriere, erste Male und die schwere Zeit nach seiner Scheidung. jeb



Die meisten Leute, die Ihren Namen kennen, verbinden Sie direkt mit dem Lied "I wonder why". Ist das okay für Sie oder denken Sie sich, dass Sie mehr sind als dieser eine Song?

Curtis Stigers: Ich kann mich sehr glücklich schätzen, einen Hit zu haben, über den die Leute sich an mich erinnern. Dazu kommt noch, dass ich das Lied selbst geschrieben habe. Ich verdanke ihm sehr viel - meine Karriere und die Möglichkeit, die Musik zu machen, die ich machen möchte. Es ist lange her, als das Lied raus kam, 25 Jahre. Damit Millionen Platten zu verkaufen, war eine glückliche Fügung in meinem Leben. Ich spiele "I wonder why" immer noch bei meinen Auftritten, wenn auch anders.

Wie anders?

Stigers: Ich toure mit einem Jazz-Quintett und da spielen wir es akustisch-jazzig. Es ist immer noch ein Lied, das die Leute hören wollen und das will ich ihnen natürlich nicht verwehren.

Mal ehrlich: Ist es nicht ein komisches Gefühl, zu wissen, dass viele Menschen ihren ersten Kuss oder noch mehr hatten, während im Hintergrund Ihre Musik lief?

Stigers: (lacht) Das ist großartig! Hoffentlich viel mehr als nur ein Kuss.

Was passierte eigentlich nach "I wonder why"?

Stigers: Sehr viel ist passiert, ein gefühltes Leben. Mein zweites Album kam zweieinhalb Jahre nach dem ersten, wobei ich da nicht einmal annähernd so viele Platten verkauft habe - aus unterschiedlichen Gründen. Ich hab dann sehr viel Zeit damit verbracht, die kreative Kontrolle über meine Musik zurückzubekommen, die mir meine damalige Plattenfirma verwehrt hat. Ende der 1990er Jahre habe ich dann gemerkt, dass ich die Richtung ändern will.

In Richtung Jazz ?

Stigers: Ja. Ich bin mit Jazz aufgewachsen, hatte Jazz in der Schule und war immer ein Jazz-Sänger . Ich habe eine tolle Plattenfirma in Kalifornien gefunden, die mit mir seither neun Jazz-Platten aufgenommen hat. Jazz schreckt die Leute manchmal ab. Aber der Jazz , den ich mache, basiert immer noch auf Liebesliedern oder Songs, die man summt, während man die Straße entlanggeht. Der Fokus liegt aber auf den Songs selbst und nicht auf dem überzogenen Pop-Pomp der frühen 1990er.

Sie schreiben also immer noch Liebeslieder .

Der Titel Ihres letzten Albums ist "Hurray for Love" - Hurra für die Liebe. Woher nehmen Sie denn die Inspiration für so viel Liebe?

Stigers: Das Album vor "Hurray for Love" war ein Ausdruck der dunklen Zeit, die ich während und nach meiner Scheidung nach 22-jähriger Ehe durchgemacht habe. Die Lieder für "Hurray for Love" habe ich geschrieben, nachdem ich mich wieder neu verliebt habe. Sie handeln dementsprechend von meinem Leben nach dem Kummer und wie ich den Weg zurück zur Liebe gefunden habe. Ich wollte einfach eine liebevolle CD machen, zu der die Leute nicht unbedingt ihren ersten, aber dafür ihren zweiten Kuss haben. (lacht)

Sie haben auch Lieder für Filme wie "Bodyguard" oder die Titelmusik der US-Serie "Sons of Anarchy" aufgenommen. Haben Sie überhaupt Zeit, sich Serien anzuschauen?

Stigers: "Sons of Anarchy" hab ich tatsächlich gesehen, eine großartige Serie, wenn auch sehr gewalttätig. Manchmal musste ich wegschalten. (lacht) Wenn ich mal Zeit fürs Fernsehgucken finde, mache ich das mit meiner 16-jährigen Tochter. Wir lieben die Serien "Sherlock" oder "Luther". Aber es ist schwer, dafür Zeit zu finden, wenn so viel um einen herum passiert. Ich hab nicht mal einen Fernseher, sondern schaue übers Internet. Alles in allem verbringe ich meine Zeit lieber mit Musikmachen.

Es gibt Kritiker , die Musiker ja gerne mal so richtig hart beurteilen. Lesen Sie, was die Medien über Sie schreiben?

Stigers: Ich habe früh gelernt, dass wenn ich den guten Berichten über mich Glauben schenke, ich auch die schlechten glauben muss. Deshalb tue ich mein Bestes, das Ganze zu ignorieren. Ich muss aber zugeben, dass ich seit dem Beginn meiner Jazz-Karriere, bei der ich weit weniger Platten verkaufe als vorher, weit bessere Kritiken bekomme. Es scheint mir fast, als würden die Kritiker mich mehr mögen, wenn ich weniger erfolgreich bin. (lacht) Aber das ist schon gut so. Ich habe zu Beginn der 2000er die bewusste Entscheidung getroffen, mir keine Sorgen mehr um Charts-Platzierungen zu machen und mich mehr darauf zu besinnen, ein Künstler zu sein und die Musik zu machen, die ich liebe. Der ganze Popstar-Kram war wie eine Ablenkung von dem, was ich wirklich tun will. Glücklicherweise haben mich meine Fans auf diesem Weg immer begleitet.

Umgekehrt gefragt: Wie beurteilt der Musiker seine Fans ?

Stigers: Nun, die sind wundervoll. Viele von ihnen begleiten mich wie gesagt schon seit dem Beginn meiner Karriere und haben meine Pop-Platten geliebt. Und dann gibt es da noch die neuen Fans , die mittlerweile den größten Teil des Publikums ausmachen. Also die Fans , die mich nur als Jazz-Sänger erlebt haben.

Sie haben lange Zeit in New York gewohnt. Wo leben Sie denn zurzeit?

Stigers: Nach 16 Jahren New York hat es mich zurück in meine Heimat Idaho gezogen. Das ist ein weit besser geeigneter Platz, um ein Kind großzuziehen als in einer Millionenmetropole. Idaho ist so viel stiller mit seinen Bergen, Flüssen und Wäldern. . . ein gutes Leben. Ich toure ein Drittel des Jahres durch große und kleinere Städte der Welt. Dann komme ich heim, und es ist jedes Mal, als würde ich in Urlaub fahren.

Waren Sie schon mal in Luxemburg?

Stigers: Ich war vor ein paar Jahren in Echternach, wo ich ein sehr schönes Konzert hatte. Und ich freu mich schon auf den Auftritt dort. Luxemburg ist ein sehr schöner Teil der Welt.

Curtis Stigers tritt am Montag, 11. Juli, um 20 Uhr im Trifolion Echternach in Luxemburg auf. Beginn des Konzerts: 20 Uhr. Karten gibt es bei Ticket Regional und kosten je nach Kategorie zwischen 40 und 65 Euro.

Zum Thema:

Zur Person Der US-Sänger und Saxophonist Curtis Stigers ist 1965 geboren und lebt mit seiner Partnerin und seiner 16-jährigen Tochter im US-Bundesstaat Idaho. Mit dem Hit "I wonder why" wurde er 1991 berühmt. Seit Anfang der 2000er tourt er mit seiner Band rund um den Globus. jeb