Alte Dampfloks: Schrauben mit Nostalgie-Faktor

Alte Dampfloks : Schrauben mit Nostalgie-Faktor

Der Verein „Train 1900“ restauriert nahe Esch-sur-Alzette alte Dampfloks und bietet sogar Ausfahrten an.

Sie sind Eisenbahner mit Leib und Seele und huldigen der Ära der Dampflokomotiven. Im Industrie- und Eisenbahnpark von Fond-de-Gras im Südwesten des Großherzogtums Luxemburg geben sich sozusagen H.G. Wells und Jules Verne die Klinke in die Hand. Willkommen im mechanischen Industriezeitalter, als die Gesichter schwarz vor Ruß glänzten und die Lokomotiven pfeifend Dampf ausstießen.

Der Bahnhof von Fond-de-Gras unweit von Esch-sur-Alzette wurde 1875 errichtet. Personen fuhren in der damaligen Zeit allerdings nicht mit. Die mit Eisenerz beladenen Züge hatten die Aufgabe, das Material von Fond-de-Gras zum an das internationale Eisenbahnnetz angeschlossenen Bahnhof von Pétange (Dt.: Petingen) zu befördern. Es war eine reine Grubenlinie, die zwischen 1875 und 1963 viele Millionen Tonnen Eisenerz nach Pétange und von dort weiter zu den belgischen Hochöfen fuhr. Ab 1962 – nach dem Niedergang der Montanindustrie in der Region – wurde die Transportlinie eingestellt. 1987 fand schließlich die Konversion zum grenzüberschreitenden Industrie- und Eisenbahnpark Fond-de-Gras statt, der sich dem bedeutenden Stück Industriegeschichte widmet.

In der Werkstatthalle restaurieren die Mitglieder von „Train 1900“ akribisch die eisernen Ungetüme einer längst vergangenen Epoche. „Es steckt viel ehrenamtliches Engagement drin. Rund 150 Mitglieder sind hier aktiv. Es ist die Begeisterung für die Dampflok, die mechanische Kraft und das Zeitalter von Eisen und Stahl, die sie eint“, sagt Frédéric Humbel, der die Aktivitäten koordiniert. Es gibt nämlich gleich zwei Vereine: einmal die Fans der Grubenbahn und andererseits die Freunde von „Train 1900“.

Die Eisenbahnstrecke zwischen Pétange und Fond-de-Gras ist eine Normalspurstrecke mit einer Spurweite von 1435 mm. Der Verein verdankt seinen Namen der ersten Lok, der Nr. 8 Hanomag, die das erste Mal im Jahr 1900 befeuert wurde. Der Vereinssitz im Industrie- und Eisenbahnpark geht auf eine Initiative des Luxemburger Kulturministeriums und des Amts für Denkmalschutz zurück. An jedem Sonn- und Feiertag vom 1. Mai bis Ende September ist hier mächtig Betrieb. Den Ehrenamtlichen von „Train 1900“ geht es darum, die Historie zu pflegen und die Loks, Güterwagen und Signalanlagen zu restaurieren und in betriebsfähigem Zustand zu halten.

Einer dieser Idealisten ist der 20-Jährige Christoph. Zwar ist der Luxemburger noch jung an Jahren, doch bereits seit fast zehn Jahren frönt er seiner Leidenschaft. „Ich finde die Technik faszinierend. Früher konnte man noch schrauben und sich schmutzig machen. Heute funktioniert ja alles digital. Aber diese Maschinen haben noch echtes Leben in sich. Es ist imposant zu sehen, welche Kraft eine Dampflok entwickeln kann“, sagt der Student aus Rodange.

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Bei den Ausfahrten für Touristen betätigt sich der Jugendliche, der mit seinem Barett, Schal und Blaumann durchaus als Mechaniker aus Zeiten des fin de siècle durchgehen könnte, als Heizer. „Es ist zwar anstrengend, die Kohle in den Ofen zu schaufeln. Aber es macht riesig Spaß, vor allem zu sehen, wie begeistert die Kinder sind. Ich finde es beeindruckend, wie so ein eisernes Stahlross sich nur mit Wasserdampf und Kohle in Bewegung setzt.“ Momentan ist der junge Mann gerade mit der Restaurierung einer Lok aus Belgien beschäftigt. Sein Traumjob: klar – später als Ingenieur bei der Bahn arbeiten.

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