Mehr Schwung für die Festungsstädte

Homburg und Saarlouis sind mit zehn französischen und luxemburgischen Orten Teil der „Kulturstraße des Europa-Rates“. Diese Anerkennung kann die touristische Vermarktung und die Kulturförderung ankurbeln.

Einst bitter umkämpfte Bollwerke, heute greifbare Zeugnisse der Geschichte: In vielen Städten der Großregion gibt es Festungen . Vor fast zehn Jahren, im Zuge der "Großregion als europäische Kulturhauptstadt 2007", hatten sich zwölf Festungsstädte in einem Netzwerk zusammengeschlossen. Dieses hat nun die Zertifizierung "Kulturstraße des Europarates" erhalten.

Titel an Auflagen gebunden

"Diese Anerkennung ist für uns sehr wichtig und macht unsere Standorte bekannter. Aber sie bringt auch Auflagen mit sich, das ist ein positiver Handlungsdruck", erklärt Sascha Schmidt, Sprecher der Stadt Saarlouis. Saarlouis ist neben Homburg der zweite saarländische Partner im Bunde.

Eine Voraussetzung sei, dass ein Kulturroutenmanager das Projekt lenkt. Dieses Amt hat im Herbst der Luxemburger Hans Fellner übernommen. Er erhofft sich durch die Europa-Zertifizierung eine Wiederbelebung der Netzwerkarbeit. Im Zuge der Gründung wurden mehrere Großveranstaltungen zum Thema Festung gemeinsam organisiert, wie etwa die große Feuershow der Compagnie Carabosse um mehrere Burgen oder die "Festung-Picknicks", bei denen die Besucher eingeladen waren, die historischen Orte zu beleben und als "Esszimmer" mit ganz anderen Augen zu sehen.

Heute dreht sich an jedem Standort noch einiges um die Festungen , wie etwa beim Festungsforum, das alle zwei Jahre in Saarlouis stattfindet. "Doch die gemeinsame Netzwerkarbeit ist im Laufe der Jahre eingeschlafen", stellt Fellner fest. Umso mehr freut sich der 60-jährige Kunsthistoriker, neue Impulse zu setzen. "Das Potenzial ist viel größer als bisher ausgenutzt." Einiges ist schon in der Vorbereitung. "Wir werden in Kürze unseren Internetauftritt neu aufrollen und eine neue Auflage unserer touristischen Landkarte herausbringen, die vergriffen ist", sagt Sascha Schmidt.

Dafür braucht das Netzwerk mehr Geld als die reinen Mitgliedsbeiträge. Die Zertifizierung des Europa-Rates ist an sich mit keiner Förderung verbunden, erhöht aber die Chancen, Geld aus EU-Töpfen zu bekommen. Damit rechnet auch Homburgs Oberbürgermeister Rüdiger Schneidewind (SPD ): "Diese Zertifizierung ist nicht nur von großer Bedeutung für die touristische Vermarktung unserer Grenzregion, sondern bietet auch vielfältige Möglichkeiten für die Kulturförderung in den beteiligten Städten über europäische Programme wie Interreg oder Erasmus plus."

Darum kümmert sich jetzt Hans Fellner. Der Kunsthistoriker kennt sich aus und hat bereits verschiedenen luxemburgischen Kulturinstitutionen bei ihren Förderanträgen geholfen. Eine Kunst an sich, denn die Formulare sind nicht nur mehrsprachig auszufüllen, sondern auch mit genau zu beziffernden Prognosen. "Man braucht einen guten Blick für Zahlen und zugleich die historische Sensibilität, um das Projekt bei potenziellen Förderern dementsprechend rüberzubringen", so Fellner. Mittelfristig würde er gerne das Netzwerk nach Belgien erweitern. Das Land sei auch Teil der Großregion.

Freundschaft statt Krieg

"Die Festungen sind ein bildhaftes Medium für die Verbindungen der Teilregionen. Die Großregion konnte lange als das Schlachtfeld Europas bezeichnet werden. Jetzt sind auf den Festungsmauern Freundschaften entstanden", sagt der Kulturroutenmanager.

Dieses Verständnis gelte es vor allem, an die jüngeren Generationen weiterzutragen. Nicht belehrend, sondern offen. "2018 wird das Europäische Kulturerbe-Jahr. Eine Gelegenheit, den Nachwuchs zu fragen: ‚Wir haben die ganzen Jahre diese Denkmäler aufrechterhalten und gepflegt - was wollt ihr damit machen?'".

Zum Thema:

Auf einen Blick Dem Netzwerk gehören die folgenden Städte in der Großregion an: Bitche, Longwy, Simserhof, Rodemack, Sierck-les-Bains, Marsal, Montmédy, Thionville, Toul, Homburg und Saarlouis sowie Luxemburg-Stadt. hem