Umstrittenes Unkrautvernichtungsmittel : Luxemburg verbietet Glyphosat ab 2021

Es gilt als „Wunderwaffe“ der Landwirte und wird genutzt, um gegen hartnäckiges Unkraut vorzugehen: das Pflanzengift Glyphosat (Handelsname: „Round-up“). Doch Umweltorganisationen warnen schon länger vor den Auswirkungen des Wirkstoffes auf Insekten und auf den Menschen.

Glyphosat steht bei der Weltgesundheitsorganisation WHO im Verdacht, krebserregend zu sein. Nichtsdestotrotz wurde der Einsatz von diesem Herbizid 2017 von der EU erneut genehmigt. Auch Deutschland stimmte dafür. Doch die Kritik hält an. Im vergangenen September verabschiedete die Bundesregierung ein „Agrar-Paket“, um die Landwirtschaft in Deutschland umweltfreundlicher zu gestalten. Dieses sieht unter anderem ein Verbot des umstrittenen Unkrautgifts ab Ende 2023 vor.

Solange will Luxemburg nicht mehr abwarten, um das Pflanzengift von seinen Äckern zu verbannen. Nur noch bis zum Ende dieses Jahres darf Glyphosat im Großherzogtum versprüht werden. Das hat der luxemburgische Landwirtschaftsminister Romain Schneider (Arbeiterpartei LSAP) bekannt gegeben. Demnach wird das Verbot bei unseren Nachbarn schrittweise eingeführt. Bereits ab diesem Februar dürfen im Großherzogtum keine neuen Glyphosat-haltigen Produkte mehr in Umlauf gebracht werden. Die Händler haben noch bis Ende Juni Zeit, um ihre Restbestände zu verkaufen. Diese dürfen die Landwirte noch bis Jahresende verwenden. Ab dem 1. Januar 2021 ist dann Schluss damit.

Bevor die Regierung mit einem Verbot gegen das umstrittene Pflanzengift vorging, hatte sie bereits bei Landwirten dafür geworben, freiwillig auf Glyphosat zu verzichten. Dazu hatte Luxemburg ein Entschädigungsprogramm gestartet. Bauern, die sich verpflichtet hatten, schon 2019 das Produkt nicht mehr zu nutzen, erhielten vom Staat eine Entschädigung von 30 Euro pro Hektar. Laut Schneider hat mehr als die Hälfte der Landwirte von diesem Angebot Gebrauch gemacht.

Eine große Akzeptanz stellte das Ministerium bei den Winzern fest. Luxemburg zählt rund tausend Hektar Weinstöcke an der Mosel. Winzer, die freiwillig auf Glyphosat verzichteten, bekamen 50 Euro pro Hektar. Schneider berichtete: Alle Weinbauern hätten mitgemacht. „Die luxemburgischen Winzer sind die ersten in der EU, die freiwillig komplett auf den Einsatz von Glyphosat verzichtet haben“, begrüßte er den Schritt. Er hofft, dass das Verbot weitere EU-Länder ermutigen wird, dem Beispiel Luxemburgs zu folgen. Bisher hat nur Österreich ein Glyphosat-Verbot erlassen, das bisher noch nicht in Kraft getreten ist.

Das Saarland tritt im Umgang mit dem Unkrautgift im Rahmen seiner Möglichkeiten auf die Bremse. „Auf landeseigenen Flächen wird kein Glyphosat verwendet“, teilte das Saar-Umweltministerium auf SZ-Anfrage mit. Eine Möglichkeit wäre, landeseigene Flächen nur noch an Landwirte zu verpachten, die keine Herbizide nutzten. Ob das rechtlich gehe, werde geprüft. Klar sei aber auch: „Das Saarland kann als Bundesland Glyphosat nicht verbieten. Das könnte unter bestimmten Voraussetzungen nur der Bund“, sagte eine Ministeriumssprecherin.