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Luxemburg trennt Religionsgemeinschaften vom Staat

Luxemburg trennt Religionsgemeinschaften vom Staat

Luxemburg hat das Verhältnis zwischen Staat und Religionsgemeinschaften neu definiert. Die Trennung von Kirche und Staat müsse nun eine tägliche Realität im Land werden, zitierte die Zeitung "Tageblatt" gestern aus der Deklaration von Premierminister Xavier Bettel vor dem Parlament.

Der Staat sei sich seiner Verantwortung für die Menschen bewusst. "Für die Menschen, die bislang über den Staat für ihre Arbeit für die katholische Kirche finanziert worden sind, werden Alternativen geschaffen", so der Regierungschef. Niemand werde seine Arbeit verlieren.

Laut dem Abkommen zwischen den Religionsgemeinschaften und dem Staat sollen die Verfassungsartikel 22 und 106, die das Miteinander zwischen Religionen und Staat bislang regeln, aus der Verfassung gestrichen werden. Damit gebe es auch keine Verpflichtung des Staates gegenüber den Glaubensgemeinschaften mehr, so Bettel. Das bisherige Schulfach Religionslehre soll dem sogenannten Werteunterricht mit neutraler Wissensvermittlung weichen. Zudem soll durch einen im Abkommen vereinbarten Fonds das bauliche Eigentum der katholischen Kirche verwaltet und kontrolliert werden. Bettel sagte, das Abkommen werde nicht von heute auf morgen umgesetzt.

Heute folgt im Parlament eine Debatte über das Abkommen mit den Glaubensgemeinschaften. Luxemburgs Erzbischof Jean-Claude Hollerich sprach von einem Kompromiss, mit dem die katholische Kirche leben könne, "auch wenn er wehtut". Der Vertreter der Shura, Sabahudin Selimovic, begrüßte das Abkommen als das "Ende der Diskriminierung der muslimischen Gemeinschaft".