Corona-Maßnahmen in Luxemburg : Bettel verhängt drei Wochen Teil-Lockdown

Es gehe darum, drei Wochen lang auf einige Freiheiten zu verzichten, um danach mehr Freiheiten zu genießen, so formulierte es Luxemburgs Premierminister Xavier Bettel (DP/Liberale) bei der Ankündigung der neuen Maßnahmen, um die Ausbreitung des Coronavirus im Land zu stoppen.

Demnach werden ab diesem Donnerstag und zunächst bis zum 15. Dezember Restaurants, Kneipen, Theater, Kinos, Indoorspielplätze und Fitnessstudios schließen. Zugleich betonte Bettel, dass Restaurants keine Hotspots für Corona-Infektionen seien. Überhaupt wisse man aktuell nicht, wo sich die Leute anstecken, ergänzte Gesundheitsministerin Paulette Lenert (LSAP, Sozialisten).

Doch „in den Restaurants finden die meisten sozialen Interaktionen ohne Masken statt“, begründete der Regierungschef die vorübergehende Schließung. „In den Gaststätten werden die Regeln respektiert, das Personal trägt die Maske, aber wenn bis zu vier Leute zusammen essen, ist das Risiko am Tisch selbst zu hoch“, so Bettel weiter. Von der Schließung ausgenommen sind die Schulkantinen, denn dort ließe sich organisatorisch einen Zwei-Meter-Abstand zwischen den Schülern durchsetzen, so Bettel.

Anders als zum Beispiel in Frankreich bleibt der Einzalhandel geöffnet und die Menschen dürfen tagsüber auch ohne triftigen Grund weiterhin ihre Wohnung verlassen. Die seit Wochen geltende Ausgangssperre zwischen 23 und 6 Uhr bleibt aber bestehen. Um die sozialen Kontakte im privaten Rahmen zu senken, wurde darüber hinaus die Zahl der Menschen, die man zu Hause empfangen darf, von vier auf zwei herabgesetzt.

Bereits in der vergangenen Woche hatte die luxemburgische Regierung einen Teil-Lockdown angekündigt, sollte es weiterhin täglich mehr als 500 Neuinfektionen geben. „Die Lage ist nicht katastrophal, aber das Niveau der Neuinfektionen bleibt zu hoch“, sagte Xavier Bettel und verwies auf die Lage in den Krankenhäusern. Dort seien bereits einige nicht lebenswichtige Eingriffe verschoben worden, doch es könne sich dabei nur um eine kurzfristige Lösung handeln. Außerdem gäbe es immer mehr Patienten, die auf der Intensivstation intubiert werden müssten. „Das deutet darauf hin, dass diese Intensivbetten auf längere Sicht belegt werden“, so Bettel. Auch die Analyse des Abwassers auf die Viruskonzentration, die in Luxemburg zum Warnsignal für die Pandemie genutzt wird, zeigt laut Gesundheitsministerin Lenert, dass „das Virus nach einem zwischenzeitlichen leichten Rückgang wieder stark verbreitet ist“.

Die Positivität der Tests über fünf Prozent sei auch ein Hinweis dafür, dass die Krankheit in Luxemburg weiter grassiere. Mit jedem neuen Erkrankten wachse auch das Risiko für neue Cluster. Auch für die Wirtschaft verursache die aktuelle Situation immer mehr Probleme. „Wir testen sehr viel und entdecken schnell die neuen Fälle, viele Menschen kommen in Quarantäne, viele müssen ihrem Arbeitsplatz fern bleiben“, sagte Lenert und erneuerte ihren Appell, sich bei jeder sozialen Interaktion nicht nur „Darf ich das?“ zu fragen, sondern „Muss es unbedingt sein?“.

Um einen „harten“ Lockdown wie in einigen Nachbarländern zu vermeiden, will Bettels Regierung nun „die Handbremse ziehen“. Er hoffe, dass diese Maßnahmen Wirkung zeigen werden, sodass ab dem 15. Dezember wieder Lockerungen möglich werden. Zugleich warnte der Regierungschef vor einem schweren Start ins neue Jahr. Allen sei klar, dass es über die Weihnachtstage zu mehr sozialen Kontakten in der Bevölkerung kommen werde. Es gebe ein großes Risiko, dass die Zahl der Infektionen im Januar nach den Weihnachtsferien wieder nach oben klettern würde.