Etwas tun, nicht viel redenVon Venedig in die Wüste

Etwas tun, nicht viel redenVon Venedig in die Wüste

Saarbrücken. Es gibt Menschen, die können gerade durch ihre Abwesenheit noch an Sympathie gewinnen, so paradox das auch klingt. Helen Patton Plusczyk sei derzeit in Luxemburg mit einem Filmprojekt beschäftigt, erfährt man im Gespräch mit Andrew Wakeford ganz nebenbei

Saarbrücken. Es gibt Menschen, die können gerade durch ihre Abwesenheit noch an Sympathie gewinnen, so paradox das auch klingt. Helen Patton Plusczyk sei derzeit in Luxemburg mit einem Filmprojekt beschäftigt, erfährt man im Gespräch mit Andrew Wakeford ganz nebenbei. Helen betreue da als Produzentin die Dreharbeiten zu einem Film über zwei amerikanische GIs, die sich während der Befreiung in Wiltz als St. Nikolaus verkleiden, um den Kindern eine Freude zu machen. Die Geschichte beruhe auf einer wahren Begebenheit. Alle fünf Jahre werde sie seitdem von GIs in Luxemburg nachgespielt.Andere Stifter und Wohltäter würden so ein Filmprojekt an die große Glocke hängen. Doch die Kulturförderin Patton Plusczyk macht nicht viel Wirbel, sondern macht lieber. Und auch Wakeford, den sie kürzlich zum Direktor ihrer in Saarbrücken ansässigen Stiftung ernannt hat, weil sie selbst so viel unterwegs ist, mag die Bezeichnung "executive director" lieber. Denn es gehe nicht ums Chef sein, sondern ums Tun. Und um das Fördern von Aktivitäten anderer.

Zum Beispiel am zweiten Saarbrücker Standort der Stiftung in der Saargemünder Straße 70. Im schmucken, ersten Jugendstilhaus St. Arnuals aus dem Jahre 1910, in dem lange ein Lampengeschäft residierte, hat die Stiftung seit zwei Jahren auf 150 Quadratmetern fünf Räume, die sie für künstlerische Zwecke zur Verfügung stellt. Auch wenn man die Lokalität jetzt Café Néhou genannt habe. Eigentlich gehe es der Stiftung mehr um eine einen Raum für Künste. "Und mit Kaffeeduft lockt man die Leute hinein", so der Hintersinn. Néhou sei übrigens der Ort in der Normandie, wo Helen Pattons Großvater, der berühmte General, sich seine militärische Strategie überlegt habe, klärt Wakeford auf. Neben Ausstellungen wie die der Fotografen Gundelwein und Woeste, möchte man im Néhou auch Musikern und sonstigen Vertretern der "performing arts" eine Plattform bieten.

Wakeford kann sich hier gut "Come oh ye"-Abende vorstellen. "Das ist eine alte englische Folkmusic-Tradition, wie es sie in den 60ern in britischen Pubs gab", erzählt er. "Da kann jeder, der will ein Musikstück vorspielen". Auch Studenten der Hochschule für Musik könnten hier gut auftreten, denn die müssten ja fürs Studium eine bestimmte Anzahl von Konzerten nachweisen.

"Zunächst soll es aber auf lässige Art und Weise hier losgehen", sagt der Direktor. Man könne sich hier ausprobieren, mit Dichtung, mit Literatur. Samstags, wenn von 11 bis 19 Uhr geöffnet ist, sei hier Freiraum für spontane Events. "Und wer befürchtet, dass er hier allein stehen wird, der bringt einfach seine Leute mit".

www.patton-trust.org

Saarbrücken. "Ich liebe die Wüste und ich liebe Panoramen", sagt Harald Woeste. Zwei Vorlieben, die vorzüglich zusammenpassen, wie die Arbeiten des Bonner Fotografen beweisen.

Zusammen mit Venedig-Impressionen von Tom Gundelwein sind sie derzeit in den Räumen der Patton Stiftung in St. Arnual ausgestellt. Das extreme Format der Panoramabilder verstärkt den Eindruck von endloser Weite, der sich gemeinhin in den Riesen-Sandkisten dieser Welt einstellt. Woestes technisch brillante Bilder zeigen, wie vielfältig in ihren Sand- und Gesteins-Formationen diese vermeintlich eintönigen Landschaften sind. Und wie absurd die Verkehrsschilder, die der Mensch noch in den verlassensten Gegenden aufstellt. Wobei uns Woeste mit seinen Rundumaufnahmen lustvoll in die Irre führt. Ist dieser 360-Grad-Effekt bei den Wüsten kaum zu erkennen, treibt er den Betrachter der Treppenhaus-Bilder schier in Verzweiflung.

Auf ganz andere Art nutzt der Saarbrücker Fotograf Gundelwein Verfremdung, um im ausgereizten Venedig dem Klischee zu entkommen. Mit einer Billig-Uraltkamera und einem wie einen Negativ- entwickelten Diafilm, forciert er Farben und Kontraste seiner Momentaufnahmen - und gewinnt. Banale Skulpturen, Zeitungsleser, Gondoliere, alte Damen auf Brücken erscheinen auf einmal geheimnisumwittert. Als seien sie Szenen eines Spielfilms oder von einem Detektiv verfolgt. sbu

Helen Patton. Foto: Dietze.
Das erste Jugendstil-Gebäude in St. Arnual beherbergt heute das Café Néhou der Patton-Stiftung. Foto: Stiftung.
Helen Patton. Foto: Dietze.

Galerie und Café Néhou, Saargemünder Straße 70. Bis Ende Januar geöffnet Mi - Fr 10 bis 18 Uhr, Sa 11 bis 19 Uhr.