Den Alltag vor 100 Jahren begreifen

Vor 100 Jahren begann der Erste Weltkrieg. 130 Jugendliche aus Luxemburg, Frankreich und dem Saarland beschäftigten sich nun in der europäischen Akademie Otzenhausen mit den Schicksalen aus dieser Zeit.

Wie haben die Menschen früher gelebt? Ihren Alltag sowohl angreifen als auch begreifen zu können, darum ging es bei einer Veranstaltung in der Europäischen Akademie Otzenhausen . Das Adolf-Bender-Zentrum St. Wendel hatte zum Jugendkongress "Lebenswelten 1914 bis 2014" eingeladen. Wie es der Titel bereits nahelegt, ging es um Schicksale im Ersten Weltkrieg. Dessen Ausbruch jährt sich dieses Jahr zum 100. Mal.

"Das war eine imposante Veranstaltung", bilanzierte Willi Portz am Ende des Tages. Ein favorisiertes Projekt konnte der Geschäftsführer des Adolf-Bender-Zentrums nicht benennen. Zu sehr war er von der Ernsthaftigkeit angetan, mit denen die 130 Jugendlichen aus Luxemburg , Frankreich und dem Saarland die Projektarbeit umgesetzt hatten. Dabei waren jedoch nicht nur Schüler aus verschiedenen Klassen beteiligt, sondern auch unabhängige Jugendgruppen, wie Portz berichtete. So viele junge Menschen verschiedener Nationalitäten zusammenzubringen, "wäre vor 100 Jahren noch undenkbar gewesen". Die Projekte hatten zwar alle den Ersten Weltkrieg zum Thema, waren jedoch unterschiedlich umgesetzt. So präsentierte ein Ensemble des Warndt-Gymnasiums Völklingen Ausschnitte aus dem Musical "L'heure exquise - 1914 - Im Walzertakt".

Eine Projektgruppe des Lycée professionel Simon Lazard zeigte den Film "Cadre de vie - Lebenswelten 1914-2014", den die Jugendlichen mit dem Centre socio-culturel Saargemünd erarbeitet hatten. Eine Schülergruppe der Anne-Frank-Schule gab Infos zu ihrem "geteilten Zimmer". Schüler der Gemeinschaftsschule Schmelz führten ihren Film "Back in 1914" vor und die Schulband Blindears forderte musikalisch: "Sag mir, dass es keinen Krieg mehr gibt". Abgerundet wurden die "Lebenswelten " von Präsentationen des "grrrrr.de"-Workshops und Darstellungen durch die Jugendorganisation "Cristeel".

"Alle Darbietungen haben meine Erwartungen bei Weitem übertroffen", zeigte sich Stefanie Hennrich glücklich. Die Mitarbeiterin des Adolf-Bender-Zentrums war verantwortlich für das Projekt. Sie selbst hatte dabei die Gruppen der Saarlouiser Anne-Frank-Schule und der ERS Schmelz betreut. Auch an einer Dokumentation war sie beteiligt, die während des Jugendkongresses gedreht wurde. Eine Gruppe von Praktikanten und FSJlern zeigt dafür verantwortlich. "Der Film wird dann vermutlich Mitte Dezember auf unserem Youtube-Kanal zu sehen sein", so die Projektverantwortliche. Ein Aspekt, den die Veranstaltung noch mit sich bringen sollte, war es, Völkerschlachten in Zukunft gar nicht erst zum Ausbruch kommen zu lassen. "So etwas darf nie wieder geschehen", so Reinhold Strobel. Der Mitarbeiter des Adolf-Bender-Zentrums organisiert Vorträge mit Zeitzeugen des Zweiten Weltkrieges. So sah er die Veranstaltung als wichtigen Beitrag zur Deutsch-Französischen Freundschaft. Auf unteren Ebenen wie bei Sportvereinen, die bei Fußballturnieren antreten oder eben durch Veranstaltungen wie die "Lebenswelten ", funktioniere dies auch einwandfrei. Nur auf höherer Ebene wünsche er sich mehr Initiative.

adolfbender.de