1. Saarland
  2. Blick zum Nachbarn

Straßburg hält trotz Corona am traditionellen Weihnachtsmarkt fest

Weihnachtsmarkt trotz Pandemie : Straßburg hält an seinem Weihnachtsmarkt fest

Trotz der sich wieder verschärfenden Corona-Krise plant die Elsass-Metropole ihren großen Weihnachtsmarkt. Mit einem speziellen Hygienekonzept soll das gehen.

Straßburg Keine Checkpoints mit individuellen Kontrollen für Fußgänger mehr beim Betreten der Innenstadt, Essen und Trinken nur im Sitzen in dafür eingerichteten Verzehrzonen, mehr Platz zwischen den Holzbuden, Entzerrung des Weihnachtsmarktes auf mehr Plätze als in den vergangenen Jahren – das sind die wichtigsten geplanten Änderungen im Vergleich zu 2019, mit denen die Straßburger Standverwaltung trotz der Corona-Pandemie an ihrem traditionellen Weihnachtsmarkt festhalten will.

Eines der Hauptanliegen und Wahlversprechen der neugewählten grünen Oberbürgermeisterin Jeanne Barseghian und ihrer Beigeordneten war, die „Einbunkerung“ der Innenstadt durch die wegen der Terrorgefahr errichteten Checkpoints abzuschaffen, die vor allem Abends zu langen Warteschlangen und viel Unmut bei den Innenstadtbewohnern führten. Seit 2015 glich die Innenstadt wegen der Personenkontrollen einem Sicherheitstrakt, die Bewohner mieden mehr und mehr den Weihnachtsmarkt und fühlten sich angesichts der Touristenmassen nicht mehr zu Hause.

Dies soll nun anders werden, die neue Stadtregierung will den Bewohnern ihren Weihnachtsmarkt wieder zurückgeben, wie Nadia Zourgui sagte. Sie ist als Beigeordnete für öffentliche Ruhe und die Stadtpolizei zuständig. Statt der systematischen Kontrollen der Passanten an den Zugangspunkten soll es mehr Patrouillen und stichprobenartige Kontrollen von Polizei und Sicherheitsdiensten in der Altstadt geben. Autos und Lieferwagen dagegen werden auch in diesem Jahr systematisch durchsucht, ebenso soll es ein Parkverbot auf allen Straßen und Gassen geben. Alle Brücken in die Innenstadt sowie alle Tramstationen auf der Altstadtinsel bleiben während des Weihnachtsmarktes offen.

Ein Hautproblem des Hygienekonzepts war, wie die Stadtverwaltung mit der in Straßburg im Freien vorgeschriebenen Maskenpflicht und den Imbissständen umgehen soll. Denn rund ein Drittel der für dieses Jahr vorgesehenen 313 Stände bieten Essen und Trinken an.

Glühwein trinken oder eine Wurst essen, ist auf Drängen der Gesundheitsbehörde für die Region Grand Est (ARS) in diesem Jahr nicht im Stehen oder beim Bummeln möglich. Die Besucher können sich stattdessen ihr Essen und Trinken an einem Stand ihrer Wahl kaufen, müssen sich zum Verzehr dann aber in extra für diesen Zweck eingerichtete Zonen begeben. Nur in diesen Bereichen darf gegessen und getrunken werden. Dort dürfen Besucher auch die Masken abnehmen. Maximal zehn Personen dürfen an einem Tisch sitzen. Die Abstandsregeln werden von Bediensteten überwacht, Tische und Bänke werden nach jedem Mal desinfiziert.

Drei bis vier dieser nicht überdachten „Esszonen“ soll es auf dem Weihnachtsmarkt geben, versprach Guillaume Libsig. Er ist als Beigeordneter für die Organisation des Weihnachtsmarktes zuständig. Jede dieser Zonen soll maximal 100 Meter von den Imbissständen entfernt sein. Anders als in Freiburg habe man aber nicht daran gedacht, Glühwein zu verbieten. Der Straßburger Weihnachtsmarkt sei ohne Glühwein nicht denkbar, sagte Libsig.

Aufatmen können Standbetreiber und Schausteller: Diese hatten kürzlich nach ersten Gesprächen mit der Stadtverwaltung Alarm geschlagen, dass es in diesem Jahr 40 Prozent weniger Holzbuden und Stände als im vergangenen Jahr geben solle. Dies sei für viele existenzbedrohend. Doch in diesem Jahr soll es mit 313 Ständen ähnlich viele wie im vergangenen Jahr geben, sagte Libsig. Kein Antrag sei abgelehnt worden. Ziel der Stadtverwaltung sei es gewesen, „dass die Gesamtheit der Händler, die gewöhnlich auf dem Weihnachtsmarkt präsent sind, einen Platz für die diesjährige Ausgabe 2020 haben“.

Um ein dichtes Gedränge zwischen den dicht an dicht stehenden Holzbuden wie im vergangenen Jahr zu verhindern, wird der Weihnachtsmarkt in diesem Jahr entzerrt: Zwischen den Buden ist ein Abstand von zwei Metern vorgesehen, die Durchgänge sollen deutlich auf neun Meter verbreitert werden. Die Buden werden über die Altstadtinsel hinaus auf drei Zonen verteilt und ausgeweitet: Eine erstreckt sich von der Place Kléber bis zur Place Broglie. Die zweite Zone geht vom Münster, Place du Château, Quai des Bateliers, Place du Corbeau bis zum Place d‘Austerlitz. Die dritte Zone wird von der Kirche St. Thomas bis ins Gerberviertel Petite France eingerichtet. Zwischen den Holzbuden

Wie lange der Weihnachtsmarkt letztendlich dauern wird, ob bis Weihnachten oder Silvester, ist bislang noch nicht bekannt. Das will die Stadtverwaltung erst Ende Oktober festlegen. Dann wird auch endgültig entschieden, ob aufgrund des Infektionsgeschehens und der Entwicklung der Corona-Pandemie in Straßburg und der Region der Weihnachtsmarkt überhaupt stattfinden kann.