Straßbourg verschärft Fahrverbotsregeln für die Innenstadt.

Fahrverbote in Straßbourg : Straßburg verbannt dreckige Lieferwagen aus der Innenstadt

Zu Fuß oder mit dem Fahrrad unter der Woche vormittags in der Straßburger Altstadt unterwegs zu sein, gleicht einem Hindernislauf. Weil überall in den engen Gassen Lkw und Kleintransporter zum Entladen stehen, bleibt Radfahren oft nichts anderes übrig, als sich im Slalom vorbeizuschlängeln.

Manche Cafés und Restaurants müssen wegen parkender Lieferfahrzeuge ihre Stühle und Tische im Freien umstellen oder können ihrer Terrassen nicht vor 11 Uhr öffnen.

Weil im Durchschnitt 3600 Lkws täglich die Geschäfte in der Innenstadt beliefern, beschloss der Straßburger Stadtrat bereits im Oktober 2017, bis 2021 die großen und dreckigen Dieselfahrzeuge komplett in mehreren Etappen von der Altstadtinsel zu verbannen, um den Verkehr zu beruhigen und die Schadstoffbelastung zu senken, wie Paul Meyer erklärt. Er ist als städtischer Beigeordnete für den Handel zuständig.

Anfang September 2018 erließ die Stadtverwaltung daher eine Beschränkung des Lieferverkehrs für die Innenstadt. Verbannt wurden Lkw mit mehr als 7,5 Tonnen – bis dahin waren bis zu 19 Tonnen erlaubt – und solche, die nicht die Umweltplakette Crit‘Air haben oder nur die Kategorie 5 (Die Crit‘Air-Vignette unterscheidet sechs verschiedene Stufen: E für Elektro- und Erdgasautos und von 1 bis 5 für Verbrennungsmotoren). Für die anderen Fahrzeuge wurden die Lieferzeiten verkürzt (6 bis 10.30 Uhr), Elektro- und Erdgasfahrzeuge dürfen bis 11.30 Uhr liefern. Für Lastenfahrräder und E-Bikes gibt es keine Beschränkungen.

Zudem weitete die Straßburger Stadtverwaltung das Dieselfahrverbot in der Innenstadt nun auch auf Fahrzeuge aus, die die Umweltplakette der Kategorie 4 an der Windschutzscheibe kleben haben.

„Das Ziel ist klipp und klar der Dieselbann“, betont Jean-Baptiste Gernet. Der für alternative Mobilität zuständige Beigeordnete plädiert besonders für Dreirad-Transporter mit Elektroantrieb, deren Nutzlast bis 300 kg beträgt. Damit könnte „das unaufhörliche Kommen und Gehen der Kleinlieferwagen, auch der mit Elektromotor, vermieden werden.“

Um die Auswirkungen der Fahrbeschränkungen für Diesellieferwagen zu bestimmen, hat die Stadt eine Umfrage bei 30 Speditionsfirmen und 20 Geschäftsleuten gemacht: Der Untersuchung zufolge hat jedes dritte Fahrzeug, das in der Innenstadt zum Entladen und Beladen hält, einen Elektro- oder Erdgasantrieb. 41 Prozent der Fahrzeuge haben eine Crit‘Air-Plakette der Kategorie 2, sieben Prozent der Kategorie 3. Lediglich zwei Prozent der Fahrzeuge haben eine Plakette der Kategorie 4 an der Windschutzscheibe kleben. Die Untersuchung zeigte auch, dass rund 19 Prozent der Lieferfahrzeuge überhaupt nicht mit einer Umweltplakette ausgestattet sind.

Mitte September hat die unterelsässische Präfektur auch die Fahrverbote für jede Art von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor bei Ozon- oder Feinstaubalarm für das gesamte Gebiet der Eurometropole verschärft. Ab dem 1.Oktober müssen bei mehrtägiger Überschreitung der Grenzwerte für die Luftverschmutzung auch diejenigen Autofahrer ihre Fahrzeuge stehenlassen, die eine Umweltplakette der Kategorie 3 haben. Das betrifft Benzin- und Dieselfahrzeuge, die zum ersten Mal vor dem 31. Dezember 2005 beziehungsweise vor dem 31. Dezember 2010 zugelassen wurden. In der Eurometropole fallen darunter rund 30 Prozent der Autos. Wer sich nicht an das Fahrverbot hält, riskiert ein Bußgeld von 68 Euro.

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