Schlag gegen Schleuser bei Großrazzia

Großangelegte Fahndung : Schlag gegen Schleuser bei Großrazzia

In Bitburg wurden Mitglieder einer Bande festgenommen. Eine Wohnungsdurchsuchung gab es auch in Saarbrücken.

Der Einsatz begann am Donnerstagmorgen kurz nach sechs Uhr. Spezialkräfte der Sondereinheit GSG 9 der Bundespolizei stürmen einen Haus in Bitburg, in dem seit gut 15 Jahren eine libanesische Familie wohnt. Mehrere Mitglieder der Familie sollen seit Mai vergangenen Jahres mehrere Syrer vom Libanon aus nach Deutschland und in die Niederlande geschleust haben. Zwischen 4000 und 15 000 Euro mussten die Flüchtlinge bezahlen für ein gefälschtes Visum und einen Flug nach Frankfurt, München, Düsseldorf oder Amsterdam.

Bei der Razzia in Bitburg wurden das 54 Jahre alte Oberhaupt des fünf- bis zehnköpfigen Familienclans und mutmaßlich sein 24-jähriger Sohn festgenommen. Sie sitzen in Untersuchungshaft. Ihnen wird vorgeworfen, sich zu einer Bande zusammengeschlossen zu haben und gewerbsmäßig Schleusungen durchgeführt zu haben, wie der leitende Trierer Oberstaatsanwalt Peter Fritzen gestern in einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz mitteilte. Insgesamt richten sich die Ermittlungen gegen acht Verdächtige. Zwei von ihnen seien noch flüchtig, so Fritzen.

Seit Ende vergangenen Jahres hatten die Ermittler den Familienclan im Visier, nachdem bei Grenzkontrollen mehrmals Syrer mit gefälschten Visa aufgegriffen wurden. Davor seien einzelne Mitglieder der Familien wegen verschiedenen kleineren Delikten wie etwa Ladendiebstahl aufgefallen, sagte Oberstaatsanwalt Eric Samel.

Die Ermittler werfen dem Familienclan insgesamt 26 Schleuserfälle vor. In zehn Fällen seien Syrer bei der Ausreise am Beiruter Flughafen oder bei der Einreise in Deutschland oder den Niederlanden festgenommen und die Schleusungen so unterbunden worden, so Fritzen. Den Einsatz der GSG 9 begründete die Bundespolizei mit einer möglichen, besonderen Gefahr bei der Razzia. Die Ermittler stellten unter anderem ein Luftgewehr, eine Druckluftwaffe, eine Softairpistole und insgesamt 93 000 Euro an Bargeld sicher.

Neben Bitburg fanden zeitgleich auch Durchsuchungen in 28 Objekten in Trier, Saarbrücken, Berlin und an mehreren Orten in Nordrhein-Westfalen statt. Insgesamt waren 364 Bundespolizisten, 27 Beamte des Trierer Polizeipräsidiums und sechs Staatsanwälte aus Trier an der großangelegten Aktion beteiligt. Durchsucht wurden laut Fritzen überwiegend Wohnungen von Opfern der Schleuserbande.

Auch ein Behördenmitarbeiter und einem Polizist aus der Region Trier standen im Fokus der Durchsuchungen. Dem Behördenmitarbeiter wird vorgeworfen, gegen Geldzahlung Unterlagen zu Mitgliedern der libanesischen Familien illegal herausgegeben zu haben. Der Polizist soll auf Bitte eines Mitglieds der Familie Abfragen von Autohaltern im Polizeicomputer vorgenommen haben. Diese Vorwürfe stünden aber nicht im Zusammenhang mit der mutmaßlichen Schleuserkriminalität, betonte Fritzen. Er sprach von einem „sehr erfolgreichen Einsatz“ und einem „bedeutenden Schlag gegen die organisierte Clankriminalität“.

Mehr von Saarbrücker Zeitung