Saargemünd will Casino und Freizeitzentrum bauen

Kostenpflichtiger Inhalt: Für rund 40 Millionen Euro : Saargemünd plant Freizeitpark mit Casino

Die französische Grenzstadt plant ein Freizeitzentrum für rund 40 Millionen Euro. Ob dort auch wie geplant eine Spielbank eröffnet, wird allerdings in Paris entschieden.

Sie sorgen mit dafür, dass die Kassen in den saarländischen Spielbanken klingeln: Glücksspieler aus Frankreich. Doch mittelfristig könnte sie der Weg zum nächsten Spieltisch nicht mehr über die Grenze führen. Denn Saargemünd will ein eigenes Casino bauen. Da, wo früher Keramik hergestellt wurde, könnten demnächst Spielautomaten stehen. Das plant die Stadt auf einem 30 Hektar großen Areal am Ufer der Saar und in Zentrumsnähe. Seit drei Jahren arbeitet die Grenzstadt bereits an dem Projekt, das in fortgeschrittener Planung sei, wie es heißt. 14 Mal habe man sich bereits seit Juli 2016 mit Vertretern des Konzerns getroffen, der das Casino ausstatten soll, teilte die Stadtverwaltung mit. Den Namen dieses potenziellen Betreibers hält man noch geheim.

Um ein Casino anzusiedeln, braucht Saargemünd den Segen aus Paris. Der Umgang mit Spielstätten ist in Frankreich strenger reguliert als in Deutschland. Tatsächlich erlaubt der Gesetzgeber die Ansiedlung eines Casinos lediglich in Bade- oder Kurorten. Deshalb befindet sich die Mehrheit der knapp 200 französischen Casinos an den Altantik- und Mittelmeerküsten. Doch auch das Département Moselle hat eine Spielbank, nämlich im Kurort Amnéville.

In den vergangenen Jahren gab es in Frankreich jedoch Vorstöße für eine Lockerung des aus dem Jahr 1907 stammenden Gesetzes. Seit 1988 dürfen nun auch Städte mit mindestens 500 000 Einwohnern und touristischen Angeboten ebenso eine Spielbank ansiedeln.

Das „Eye Film Museum“ in Amsterdam, in dem auch ein Hotel untergebracht ist, soll als Inspiration für den geplanten Freizeit-Komplex in Saargemünd dienen. Über das endgültige Design wird aber erst nach der öffentlichen Ausschreibung entschieden. Foto: Ville de Sarreguemines

Zurzeit wird außerdem eine noch größere Ausweitung zugunsten kleinerer Kommunen im Innenministerium in Paris diskutiert. Sollte das Gesetz nicht dementsprechend geändert werden, hofft Saargemünd dennoch auf eine Sondergenehmigung. Die Stadt selbst ist kein Kurort, betont aber zugunsten einer Genehmigung die Nähe zu der Saarland-Therme im saarländischen Hanweiler. Außerdem soll sich die Grenzlage positiv auswirken. Denn ein gut funktionierendes Casino bringe schließlich auch dem französischen Staat beachtliche Einnahmen. Am Geschäft mit Glücksspielern aus der Grenzregion verdient zurzeit lediglich die saarländische Seite, wo die Spielbanken erlaubt sind.

Das Großprojekt in Saargemünd liegt dem noch amtierenden Bürgermeister Céleste Lett, der bei der nächsten Wahl im März nicht mehr antritt, am Herzen. Im vergangenen Februar hatte er bei einem Treffen in Paris direkt bei Präsident Macron dafür plädiert. Doch auch wenn das Innenministerium kein grünes Licht für das Casino geben sollte, hat die Stadt dennoch ehrgeizige Pläne. Denn die Spielbank soll Teil eines kompletten Freizeitzentrums werden. Geplant sind eine Konzerthalle mit 1200 Plätzen, ein 4-Sterne-Hotel und ein Restaurant. Außerdem soll das bereits bestehende Keramik-Museum auf das Gelände mit all’ den anderen geplanten Einrichtungen umziehen. Weitere Bauten sind auf dem Gelände nicht ausgeschlossen, heißt es. Außerdem soll der Yachthafen an der Saar ausgebaut werden. Bei der Umsetzung soll Nachhaltigkeit eine besondere Berücksichtigung finden, heißt es von der Stadtverwaltung. Immerhin befinde sich auf sechs der 30 Hektar, die man für die Pläne im Auge hat, ein Wald – und der soll auch erhalten bleiben. Radwege sollen auf dem Gelände gebaut werden, und der Energieverbrauch der Gebäude soll gering sein.

Finanziert werden soll das Freizeitzentrum von der öffentlichen Hand in Zusammenarbeit mit privaten Partnern. Die Gesamtfinanzierung wird auf einen Betrag zwischen 35 und 40 Millionen Euro beziffert. Bürgermeister Lett ist davon überzeugt, dass sich die hohe Investition lohnt. Zum einen könnten dadurch rund 70 Arbeitsstellen geschaffen werden, aber vor allem würde Saargemünd durch den Komplex für Touristen attraktiver werden. Wer im Casino sein Glück versucht, zu einem Konzert fährt oder im Hotel übernachtet, lässt auch Geld in den Restaurants und den Geschäften der Stadt, so die Erwartung. Bürgermeister Lett rechnet mit 100 000 Besuchern im Jahr und verspricht sich aus dem Freizeitkomplex rund 2,3 Millionen Euro Einnahmen für die Stadt.