Männer an Bord unerwünscht Wirbel um Schifffahrt mit Faeser und Rehlinger: So reagiert die Hessen-SPD

Frankfurt am Main · Eine Bundesministerin und drei Ministerpräsidentinnen planen eine Schiffstour gut eine Woche vor der Wahl in Hessen - mit vielen weiteren Frauen, aber eher ohne Männer. Das erhitzt einige Gemüter.

 Nancy Faeser (SPD), Spitzenkandidatin für die Landtagswahl und Bundesinnenministerin.

Nancy Faeser (SPD), Spitzenkandidatin für die Landtagswahl und Bundesinnenministerin.

Foto: dpa/Hannes P Albert

Eine geplante Wahlkampfveranstaltung in Hessen auf einem Schiff mit SPD-Spitzenpolitikerinnen und rund 200 weiteren Frauen sorgt für Wirbel, weil Männer möglichst nicht an Bord kommen sollen. Die hessische SPD schrieb in ihrer Einladung zu der Veranstaltung am Samstag (30.9.) mit Bundesinnenministerin Nancy Faeser und drei Ministerpräsidentinnen: „Mit Blick auf die ausschließlich weiblichen Gäste der Schifffahrt fänden wir es thematisch stimmig, wenn auch die Presseplätze mit Frauen besetzt würden.“

„Das ist nicht lustig, sondern ein Anschlag auf die Freiheit der Presse“

Männliche Pressevertreter würden aber nicht abgewiesen. Der Vorsitzende der hessischen Landespressekonferenz (LPK), Ewald Hetrodt, sagte daraufhin dem Evangelischen Pressedienst (epd): „Das ist nicht lustig, sondern ein Anschlag auf die Freiheit der Presse.“

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Foto: dpa/Michael Ukas

Der Sprecher der hessischen SPD, Christoph Gehring, teilte am Donnerstag und damit eineinhalb Wochen vor der Landtagswahl am 8. Oktober mit: „Bei Demos von Querdenkern, Rechtspopulisten und Rechtsradikalen werden mehr und mehr Journalisten, die einfach nur ihre Arbeit machen, von den Teilnehmern beschimpft, beleidigt, bedroht und körperlich angegriffen.“ Das seien „Anschläge auf die Freiheit der Presse. Unsere Medieneinladung zu der Schifffahrt am Samstag ist keiner.“

„Diskriminierung könnte durchaus thematisiert werden“

Zehn LPK-Mitglieder zeigten sich in einer Mitteilung vom Donnerstag „sehr irritiert“: „In unserem Namen spricht der Kollege Hetrodt nicht. Was immer man von der Einladung vor allem für Frauen halten mag, ein Anschlag auf die Pressefreiheit stellt sie aus unserer Sicht nicht dar.“ Weitere LPK-Mitglieder äußerten sich ähnlich. Ein LPK-Journalist argumentierte allerdings auch: „Natürlich ist es kein Anschlag, aber Diskriminierung könnte durchaus thematisiert werden.“

„Zustimmung und Lob von Kollegen aus der ganzen Republik“

Hetrodt teilte der Deutschen Presse-Agentur mit: „Als ich um meine Meinung gebeten wurde, habe ich es als meine Aufgabe angesehen, die Pressefreiheit zu verteidigen. Der Vorstand (der LPK) hat sich meine Position ausdrücklich zu eigen gemacht.“ Hetrodt ergänzte: „Es gibt ausdrückliche Zustimmung und Lob von Kollegen aus der ganzen Republik.“

LPK-Vorstandsmitglied Simone Behse widersprach der Aussage Hetrodts. „Ich habe mir die Position, es handle sich im fraglichen Fall um einen Anschlag auf die Freiheit der Presse, nicht zu eigen gemacht“, teilte sie am Abend mit.

An der einstündigen Schifffahrt am Samstag auf dem Main nehmen laut Planung neben Bundesinnenministerin Faeser, die in Hessen als SPD-Spitzenkandidatin antritt, auch die sozialdemokratischen Ministerpräsidentinnen Malu Dreyer (Rheinland-Pfalz), Anke Rehlinger (Saarland) und Manuela Schwesig (Mecklenburg-Vorpommern) teil.