„Wir sind keine Adrenalin-Junkies“

Für zwei Paraglider endete der Flug tödlich. Die Ursachen der Abstürze sind nach wie vor unklar. Doch wie gefährlich ist das Gleitschirmfliegen? Ein Besuch beim Para-Ski-Club in Herbitzheim.

 Uwe Preukschat, Klaus Theis und Ditmar Schulze (v.l.) sind seit langem passionierte Paraglider. Foto: Becker&Bredel
Uwe Preukschat, Klaus Theis und Ditmar Schulze (v.l.) sind seit langem passionierte Paraglider. Foto: Becker&Bredel Foto: Becker&Bredel

Wenn Uwe Preukschat (50) an seinem Gleitschirm hängt, vergisst er seinen Alltag. Aber er vergisst nie, dass es gefährlich sein kann: "Man darf keinen Flug erzwingen, man darf sich widrige Bedingungen nicht schönreden und in seiner Sorgfalt nie nachlassen. Und dann muss man den Mut haben, einen Start auch noch in letzter Minute abzubrechen", sagt er nachdenklich. Gleitschirmfliegen ist die Leidenschaft des Herbitzheimers, der dem Para-Ski-Club vorsteht, einem der beiden großen Clubs für Gleitschirmflieger im Saarland. Nachdenklich ist er wegen der drei Unfälle im Saarland, bei dem zwei Sportkameraden ums Leben kamen (die SZ berichtete). Drei Unfälle in kurzer Zeit sind ein Desaster für seinen Sport. "Auf einmal wird man überall angesprochen", berichtet er.

In einem Fall hat ein Anfänger in Gersheim eine Baumlandung gemacht, das sehen die Flieger als gelungenes Notfallmanöver an. Aber die beiden tödlichen Unfälle, die beunruhigen die Sportler. "Man geht dann schon in sich", gibt Ditmar Schulze (53) aus Dudweiler zu. Der Rechtsanwalt fliegt seit 2006. Angst hat er keine. Und er betont: "Wir sind niemals Adrenalin-Junkies". Denn die Paraglider seien Genussflieger. Mit einer "No Risk, No Fun"-Mentalität müsse man sich andere Sportarten suchen. "Das liegt auch daran, weil wir Anfänger intensiv begleiten, auch dann noch, wenn sie den Flugschein schon haben", sagt Klaus Theis (55) aus Rubenheim. Mit 27 Jahren Erfahrung und der Tandem-Lizenz ist er der erfahrenste Flieger im Club. "Und trotzdem ist es gerade unser Klaus, der immer wieder Starts abbricht, weil ihm das Wetter nicht gefällt", sagt Schulze.

Über die beiden tödlichen Unfälle wissen die Sportler allerdings wenig. Der eine passierte in Frankreich, Untersuchungsergebnisse liegen bislang nicht vor. Der andere passierte an der Halde Reden. Die Flieger in Herbitzheim kennen die Toten nicht. Der deutsche Unfall werde aber vom Deutschen Hängegleiterverband im Auftrag des Luftfahrtbundesamtes untersucht. Die Ergebnisse aller Unfallberichte würden in einem Jahresbericht veröffentlicht. Daraus lernen die Piloten.

"Häufigste Fehler sind Übermut und Fehleinschätzungen", weiß Preukschat, dessen Verein seit 25 Jahren unfallfrei über 14 000 Starts in Herbitzheim und Obergailbach hatte. Eine Winde zieht dort die Flieger in die Luft. Anders in Reden: Dort springt man von der Halde in die Tiefe, was man Bergstart nennt. In den Gebirgen ist das Standard. "Und wenn man einen mühsamen Aufstieg hatte, braucht man umso mehr Mut, den Start nochmal abzubrechen", sagt Theis. Doch gerade das sei entscheidend. "Wenn man den Respekt vor der Fliegerei nicht verliert, ist unsere Art des Fliegens ein sicheres und wunderschönes Hobby", sagt Schulze. Was die Ehefrauen der drei dazu sagen? Die fliegen alle selbst.