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"Wir brauchen einen ländlichen Energiemix"

"Wir brauchen einen ländlichen Energiemix"

Fast 400 Studenten der Fachhochschule in Neubrücke kommen aus dem Landkreis St. Wendel. Welche Bedeutung messen Sie dem Umwelt-Campus zu? Udo Recktenwald: Eine große Bedeutung. Wir kümmern uns intensiv um Existenzgründer, um zusätzliche Arbeitsplätze zu schaffen. Die Arbeitsplatzdichte ist in den letzten Jahren besser geworden

Fast 400 Studenten der Fachhochschule in Neubrücke kommen aus dem Landkreis St. Wendel. Welche Bedeutung messen Sie dem Umwelt-Campus zu?

Udo Recktenwald: Eine große Bedeutung. Wir kümmern uns intensiv um Existenzgründer, um zusätzliche Arbeitsplätze zu schaffen. Die Arbeitsplatzdichte ist in den letzten Jahren besser geworden. Dennoch gibt es Nachholbedarf, insbesondere wegen der fehlenden Nähe zu den saarländischen Hochschulen und damit zu Wissenschaft und Innovation. Die Nähe zur Fachhochschule Birkenfeld mit vielen Studenten aus unserem Landkreis müssen wir uns zu Nutze machen. Deshalb führe ich intensive Gespräche sowohl mit dem künftigen Landrat von Birkenfeld als auch mit der Hochschule, die ja mehr ist als ein Umwelt-Campus, und dem dort angesiedelten Ifas-Institut.

Was steckt genau hinter der geplanten Zusammenarbeit?

Recktenwald: Gemeinsam mit Professor Heck vom Institut für angewandtes Stoffstrommanagement (IfaS) und der Kulturlandschaftsinitiative haben wir in der Wirtschaftsförderungsgesellschaft und damit auch gemeinsam mit den Bürgermeistern eine kreisweite Konzeption für den Einsatz erneuerbarer Energien vorgestellt und wollen diese umsetzen. Unter der ambitionierten Zielsetzung "CO2-freier Landkreis" wollen wir bewusst die Latte hoch legen. In einem ersten Workshop unter Leitung von Professor Heck werden wir am 10. Dezember die Ziele und Vorgehensweise für die Umsetzung des Projektes besprechen. Wir brauchen einen ländlichen Energiemix, der durch den verstärkten Einsatz erneuerbarer Energien und durch Energieeinsparung hilft, möglichst viel CO2 einzusparen. Wir sind der erste Landkreis im Saarland, der ein solches Gesamtkonzept anstrebt und dazu auch die in einzelnen Kommunen bereits vorhandenen Initiativen einbindet. Die Steinbeis-Stiftung wird dazu passend für uns ein kreisweites Solarkataster erstellen, zugänglich für alle Privatpersonen und Firmen und anbieterunabhängig. Außerdem setzen wir an unseren Schulen, wo dies möglich ist, Solarenergie um, moderne Heizungssysteme, beispielsweise Holzhackschnitzel am Wendalinum, und haben einen eigenen Mitarbeiter beim Bauamt eingestellt, der beständig mit dieser Thematik befasst ist, denn es besteht auch viel Energieeinsparpotenzial. Im übrigen arbeiten wir mit der Fachhochschule auch im Bereich studentischer Projekte zusammen, beispielsweise zur Erhebung von Stoffströmen im Gewerbegebiet Münzbachtal Otzenhausen mit dem Ziel effizienter Ressourcennutzung.

Ein CO2-freier Landkreis - denken Sie, so etwas ist überhaupt möglich?

Recktenwald: Bedenken sind immer mehrheitsfähig. Wir brauchen mehr Idealisten und weniger Bedenkenträger. Die entscheidende Frage ist nicht, ob dies vollständig möglich ist, sondern dass man sich ein ehrgeiziges Ziel setzt und auf den Weg macht. Vieles, was anfangs verrückt schien, wurde später Wirklichkeit. Es müssen dicke Bretter gebohrt werden und so etwas geht auch nicht von heute auf morgen. Ökonomie und Ökologie gehören zusammen. Der Umweltgedanke hat für mich eine zentrale politische Bedeutung, aber auch das wirtschaftliche Potenzial und die Wertschöpfung durch Erneuerbare Energien in der Region. Dazu gehören Einsparpotenziale und neue Techniken. Hinzu kommt die Einbringung kleiner lokaler und regionaler Kreisläufe auch in die Energieversorgung. Unser Projekt ist Umweltschutz, Wirtschaftsförderung und Regionalkultur.

In welchem Zeitrahmen planen Sie dieses Ziel?

Recktenwald: Es müssen dicke Bretter gebohrt werden, und so etwas geht auch nicht von heute auf morgen. Zeiträume zu benennen wäre unseriös. Durch kontinuierliche Arbeit wollen wir dies Stück für Stück umsetzen - ein permanentes Zukunftsprojekt für die nächsten Jahrzehnte. Entscheidend ist, dass man sich auf den Weg macht und nicht davor zurückschreckt, weil es illusorisch erscheint. Mir ist dies ökologisch wie ökonomisch ein zentrales politisches Anliegen und ich will, dass der Landkreis auch in diesem Feld Vorreiter ist.