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Wie vermeintliche Ketzer Zuflucht in der Pfalz fanden

Zweibrücken. Eine neue Schau zeigt anhand von zahlreichen, bisher nicht öffentlich präsentierten Exponaten das Wirken der Mennoniten in Zweibrücken und der Region. Einst verfolgt, leben heute rund 30 000 Gläubige in Deutschland. epd

Eine Ausstellung über die protestantischen Glaubensgemeinschaften der Mennoniten und der Amischen in der Region Zweibrücken zeigt die Bibliotheca Bipontina in Zweibrücken . Die Ausstellung zeichne bis 23. April die Entwicklung der als Ketzer verunglimpften "Wiedertäufer" nach, teilte der Zweibrücker Standort des Landesbibliothekszentrums mit. Nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) waren die Glaubensflüchtlinge aus der Schweiz in das Herzogtum Pfalz-Zweibrücken geflohen.

Zu sehen sind zahlreiche, bisher nichtöffentlich präsentierte Exponate aus Privatbesitz, Bücher der mennonitischen Forschungsstelle aus Bolanden-Weierhof und der Bibliotheca Bipontina. Die Schau mit dem Titel ". . . und haben auch sonst einige Sonderheiten" ist ein Gemeinschaftsprojekt der Mennonitengemeinde Zweibrücken , des Mennonitischen Geschichtsvereins und der Bibliotheca Bipontina. Im Zentrum stehen ein altes Tauf- und Abendmahlsgeschirr sowie ein über 100 Jahre altes Brautkleid, das von Zweibrücken nach Amerika gekommen war.

Erst ab 1759 gab Herzog Christian VI. den Täufern in Pfalz-Zweibrücken die Bürgerrechte. Die landwirtschaftlich innovativen Flüchtlinge sollten helfen, die Landwirtschaft seines Herzogtums zu reformieren. Die radikal-reformatorischen Täufer wurden in vielen europäischen Staaten von katholischer und evangelischer Seite verfolgt. Gründe waren unter anderem, weil sie die Säuglingstaufe ablehnten, den Kriegsdienst verweigerten und die christliche Verkündigung durch Laien forderten.

Die Glaubenstaufe von Erwachsenen der "Wiedertäufer" war bereits von Luther und Melanchthon bekämpft und auf dem Speyerer Reichstag 1529 bei Todesstrafe verboten worden. Ein Mandat Herzog Wolfgangs, des streng lutherischen Landesherren von 1556, hatte für lange Zeit ihre Ansiedelung im Herzogtum Pfalz-Zweibrücken verhindert. In der Kurpfalz wurde ihnen bereits 1664 durch einen Erlass Zuflucht gewährt, auch weil sie für den Aufbau des kriegszerstörten Landes gebraucht wurden.

In Deutschland leben heute nach eigenen Angaben rund 30 000 Mennoniten , etwa die Hälfte davon sind Rückwanderer aus Russland.

In der Pfalz gibt es 16 Gemeinden mit rund 2500 Gemeindegliedern. Weltweit leben rund 1,5 Millionen Mennoniten , die meisten von ihnen im afrikanischen und asiatischen Raum.



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Hintergrund: Öffnungszeiten sind montags bis freitags von 8 bis 13 Uhr, montags, mittwochs und freitags von 14 bis 17 Uhr. Führungen sind nach Vereinbarung möglich bei der der Bbliotheca Bipontina, 66402 Zweibrücken , Bleicherstraße 3, Telefon: (0 63 32)164 03. Der Eintritt ist frei. epdbipontina.de