| 20:23 Uhr

Eindringlinge im Fliegerhorst
Wie sicher lagern die Atombomben?

Diese Luftaufnahme aus dem Jahr 2008 zeigt den Fliegerhorst Büchel. Auf einem angrenzenden Depotgelände lagern die USA 20 Atomsprengköpfe. Sie sollen in den nächsten Jahren modernisiert werden.
Diese Luftaufnahme aus dem Jahr 2008 zeigt den Fliegerhorst Büchel. Auf einem angrenzenden Depotgelände lagern die USA 20 Atomsprengköpfe. Sie sollen in den nächsten Jahren modernisiert werden. FOTO: Thomas Frey / picture alliance / dpa
Trier/Büchel/Berlin. Weil Friedensaktivisten unbehelligt in den Fliegerhorst Büchel in der Eifel eindringen konnten, gibt es Kritik am Sicherheitskonzept.

 Hinter wehrhaften Zäunen, die den Fliegerhorst Büchel von den Eifeler Wiesen trennen, sollen die letzten 20 US-Atombomben auf deutschem Boden liegen. In Flugzeug-Sheltern, unter mächtigen Abdeckplatten, verstaut in unterirdischen Magazinen. Und gut bewacht. Schließlich ist neben einer deutschen Sonderstaffel des Taktischen Luftwaffengeschwaders 33 auch noch eine 140 Mann starke US-Staffel für die Sicherheit des Standortes zuständig.



Aber ist der Zaun wirklich so wehrhaft? Ist der Standort wirklich so sicher? Ein Vorfall, der sich kürzlich bei einer Protestaktion gegen Nuklearwaffen ereignete, lässt Zweifel aufkommen: Fünf Aktivisten drangen in den Sicherheitsbereich ein. Sie durchtrennten Zäune und ließen sich auf einem erdbedeckten Bunker nieder. Eine Stunde verbrachten sie nach Auskunft von Gerd Büntzly aus Herford, dem einzigen deutschen Teilnehmer der Aktion, dort völlig unbehelligt. Erst nachdem einer der amerikanischen Pazifisten vom Bunker stieg, um das Wort „Disarm“ (abrüsten) in eine Tür zu ritzen, seien Wachleute erschienen. Laut Büntzly entdeckten sie die Eindringlinge jedoch erst, als diese mit Gesang auf sich aufmerksam machten.

Hans Kristensen, Direktor des Nuclear Information Projects in Washington, kritisiert, der Vorfall habe gezeigt, wie leicht es sei, in einen Atomwaffenstandort einzudringen. „Das ist ein schlechtes Signal an Terroristen“, sagt er. Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Tabea Rößner findet, wenn Friedensaktivisten dort einfach „reinspazieren“ könnten, sei das Sicherheitskonzept „mehr als stümperhaft“. Sie ergänzte: „Es ist erschreckend, dass in einer Zeit erheblich erhöhter Terrorgefahr die Sicherheitsmaßnahmen eines solchen Geländes unter das Niveau eines Freizeitparks fallen.“

Die Pressestelle der Luftwaffe teilt auf Anfrage mit, das Absicherungssystem werde „aufgrund des Vorfalls überprüft und nachjustiert“, was die Erneuerung von Zaunanlagen beinhalte. Die militärische Sicherheit sei jedoch durchgehend gegeben gewesen. Das könnte natürlich auch daran liegen, dass die Aktivisten überhaupt nicht den Plan hatten, die Sicherheit zu gefährden – und dass sie sich zudem, anders als sie vermuteten, womöglich nicht in jenem Flugplatzteil befanden, wo die Bomben lagern. Büntzly wurde wegen Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung angezeigt. Das stört ihn nicht, denn sein Ziel war es, auf den „Skandal dieses Fliegerhorstes“ aufmerksam zu machen, wo wohl noch viele Jahrzehnte lang Atombomben lagern werden. Anders als es 2009 die damalige schwarz-gelbe Bundesregierung in ihrem Koalitionsvertrag gefordert hatte, werden diese nicht abgezogen, sondern durch modernisierte Nuklearwaffen ersetzt.

Friedensforscher wie Kristensen und Otfried Nassauer, Direktor des Berliner Informationszentrums für Transatlantische Sicherheit, fürchten die Fähigkeiten der neuen Bombengeneration B 61-12. Denn statt „dumm“ – also frei fallend – werde diese Bombengeneration präziser lenkbar sein als die alten B 61-3 und die B 61-4. So sind die Bomben nicht nur besser für die Zerstörung einzelner Ziele geeignet. Sie richten auch weniger ungewollten Schaden an. „Damit könnte die Hemmschwelle sinken, sie zu verwenden“, fürchtet Nassauer. Laut Kristensen sollen die ersten Exemplare 2020 fertig werden. Ab dem Jahr 2022 könnte der Austausch beginnen. Um die Bomben im Kriegsfall einsetzen zu können, behält die Luftwaffe ihre in der Eifel stationierten Tornados nicht wie ursprünglich geplant bis 2020, sondern bis 2035.