Werkstatt fürs Selbstwertgefühl

In den Blieskasteler Werkstätten werden Waren verpackt, doch in erster Linie geht es um die Integration von Menschen, die unter psychischen Beeinträchtigungen leiden. Wie dies funktioniert, konnten Besucher am Wochenende beim Tag der offenen Tür erfahren.

Mit einem Tag der offenen Tür feierten die Blieskasteler Werkstätten die zehnjährige Trägerschaft durch das Ökumenische Gemeinschaftswerk Pfalz (siehe Info-Kasten). Groß war der Andrang schon am frühen Morgen, Nachbarn wie Geschäftspartner der Einrichtung konnten sich von der Leistungsfähigkeit der Werkstätten überzeugen. Mit einem Blick hinter die Kulissen der Werkstätten konnte man sich von der Vielfältigkeit der angebotenen Arbeits- und Dienstleistungen ein detailgenaues Bild machen. Die Blieskasteler Werkstätten bieten seit 1986 Arbeitsplätze für Menschen mit psychischer Beeinträchtigung. Gegründet wurden die Werkstätten seinerzeit im Rahmen der saarländischen Psychiatriereform als Pilotprojekt. Erster Träger war damals der Caritasverband der Diözese Speyer . Die Werkstätten wurden 2004 vom Ökumenischen Gemeinschaftswerk übernommen. Arbeiteten 2004 noch 60 Menschen in den Werkstätten, so hat sich die Zahl der Beschäftigten innerhalb der zehn Jahre auf 120 verdoppelt. Innerhalb dieser Zeit wurden auch umfangreiche Umbau- und Sanierungsarbeiten durchgeführt. Am Tag der offenen Tür präsentierten sich die Werkstätten als modernes produktions- und Dienstleistungsunternehmen mit einem vielfältigen Arbeitsplatzangebot: Scandienstleistung und Aktenvernichtung, Montage und Verpackung für unterschiedliche Branchen der Industrie. So werden zum Beispiel für die Firma Dennerle die unterschiedlichsten Produkte im Tierfutterbereich eingefüllt und bis zur Verkaufsreife mit Etikett fertig gestellt. Dies reicht von Kleinstverpackungen im Gramm-Bereich bis hin zu ganz schweren Gebinden. Die Dienstleistungs- und Produktionsbereiche der Blieskasteler Werkstätten sind TÜV-zertifiziert nach DIN 9001. Die Werkstätten sind eine anerkannte Einrichtung für Menschen mit seelischer Behinderung. Beim offenen Tag am Wochenende konnte man in eindrucksvollen Filmausschnitten von den dort beschäftigten Menschen erfahren, wie wichtig das Arbeiten in der Einrichtung nicht zuletzt auch für das Selbstwertgefühl der Betroffenen ist. Aber schon immer war es auch das Bestreben der Einrichtung, die Menschen so schnell wie möglich auch wieder für den ersten Arbeitsmarkt fit zu machen: "Hier sind stets Individuallösungen gefragt. Bei uns steht der Mensch im Mittelpunkt. Nicht umsonst heißt unser Slogan Arbeit nach Maß", stellt Werkstattleiterin Eva Paulus heraus.

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HintergrundDas Ökumenische Gemeinschaftswerk Pfalz wurde 1968 durch die Gesellschafter Caritasverband für die Diözese Speyer und die Evangelische Heimstiftung Pfalz gegründet. Das Gemeinschaftswerk bietet seitdem ambulante, teilstationäre und stationäre Hilfen in Einrichtungen und Diensten für Kleinkinder bis hin zu Erwachsenen und alten Menschen mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen oder für Menschen, die von Beeinträchtigungen bedroht sind. Das Gemeinschaftswerk unterhält mehrere Einrichtungen in der Westpfalz, unter anderem ist das Werk auch Träger der Mauritius-Schule in Zweibrücken-Wattweiler. Insgesamt beschäftigt das Gemeinschaftswerk rund 1000 Mitarbeiter. ers