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Wer wird „First Gentleman“?

Mainz. Erstmals gibt es in Deutschland ein Frauenduell bei einer Landtagswahl: Am 13. März tritt in Rheinland-Pfalz SPD-Regierungschefin Malu Dreyer (55) gegen CDU-Herausforderin Julia Klöckner (43) an. Beide sind oft in den Schlagzeilen. Nicht aber ihre Partner. Wer sind sie? Birgit Reichert,Jens Albes (dpa)

Klaus Jensen (64) hat kein Problem mit dem Titel "First Gentleman". "Es ist ja nichts Ehrenrühriges", sagt der Ehemann der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD ). Er begleite seine Frau auch gerne bei offiziellen Anlässen. "Aber es ist nicht so, dass ich jeden Tag mit meiner Frau zu Terminen unterwegs bin", sagt der ehemalige Oberbürgermeister von Trier (bis März vorigen Jahres).

Der Medienmanager Helmut Ortner (65) hält sich mehr im Hintergrund. Klöckners Partner ohne Parteibuch lässt sich nicht allzu oft bei CDU-Veranstaltungen blicken. Und wenn er die CDU-Bundesvize doch mal zu einem Termin begleitet - wie 2015 bei der Vorstellung ihres Interviewbuchs "Zutrauen!" in Mainz - postiert er sich gerne am Rande.

Jensen (SPD ) redet mit Regierungschefin Dreyer vor der spannenden Wahl viel über Politik, vor allem zu Hause im Trierer Schammatdorf, einem Wohnprojekt mit 300 Bewohnern. Vor seinem OB-Job war der gelernte Großhandelskaufmann und studierte Sozialplaner Jensen auch Sozialstaatssekretär in Mainz und Unternehmensberater.

Der vielfache Buchautor und Journalist Ortner gilt als intellektueller Freigeist. Klöckner nennt ihn ihren "unbestechlichsten" Kritiker: "Durch ihn werde ich immer wieder geerdet. Er sagt, wenn er etwas nicht gut findet."

Auch Dreyer schreibt in ihrem Buch "Die Zukunft ist meine Freundin" (2015): "Klaus ist im besten Sinne geerdet." Und ergänzt: "Er ist Freund und Zuhörer und Liebhaber . . .". Außerdem sei er auch ein "verrückter Vogel, im besten Sinne. Ich liebe ihn." Jensen betont: "Wir haben auch ein Privatleben jenseits der Politik." Zum Abspannen gehe es ins Kino, ins Theater oder in die Natur.

Die sonst redefreudige CDU-Bundesvize Klöckner wird bei Fragen zu ihrem 22 Jahre älteren Lebensgefährten Ortner wortkarg. Ihr Privatleben schirmt sie fast noch mehr ab als Kanzlerin Angela Merkel (CDU ). Klöckner und Ortner wohnen in Bad Kreuznach.

Dreyer und Jensen sind seit 14 Jahren zusammen, seit mehr als zehn Jahren verheiratet. "Nach all der Zeit ist es für mich immer noch unfassbar, wo diese Frau die Kraft her hat", sagt Jensen.

Auch Klöckner und Ortner sind schon seit rund 15 Jahren ein Paar. Eine interessante Kombination ohne Trauschein. Die ehemalige Deutsche Weinkönigin hat katholische Theologie studiert, war auch mal Religionslehrerin und gilt als junge wertkonservative Hoffnung der Bundes-CDU. Ortner hingegen war wie Jensen Kriegsdienstverweigerer , dann Bewährungshelfer und Autor beispielsweise eines Buches über den Hitler-Attentäter Georg Elser . Der Entwickler und Designer von mehr als 80 Printmedien ist Mitglied bei Amnesty International und beim globalisierungskritischen Netzwerk Attac. Außerdem war er auch schon mehrmals Radrenn-Hessenmeister. Auch Klöckner verriet einmal: "Beim Radfahren kommen mir die besten Ideen."

Und was schätzt Jensen an seiner Frau besonders? "Ihre Prinzipienfestigkeit." Das habe die Debatte um die AfD wieder gezeigt. Dreyer gebe ihre Überzeugungen nicht auf, "auch wenn sie das möglicherweise Stimmen kosten könnte".

Rechnet Dreyer, die 2013 ohne Landtagswahl ins Amt gekommen ist, damit, dass sie nach dem 13. März im Amt bleibt? "Wir sind da ganz optimistisch, auch wenn es noch ein hartes Stück Arbeit wird", sagt ihr Mann, der auch kein Problem damit hat, den Haushalt zu übernehmen. Ihre Herausforderin Klöckner setzt alles daran, dass die CDU im Stammland ihres Altkanzlers Helmut Kohl nach einem Vierteljahrhundert wieder die Staatskanzlei erobert. Ortner dürfte eifrig mitfiebern.


CDU-Herausforderin Julia Klöckner und Helmut Ortner sind seit rund 15 Jahren ein Paar. Fotos: Von Erichsen/dpa/M. C. Hurek
CDU-Herausforderin Julia Klöckner und Helmut Ortner sind seit rund 15 Jahren ein Paar. Fotos: Von Erichsen/dpa/M. C. Hurek