Wenn aus Männern Vollpfosten werden

Das Casting für den nächsten Tatort hat in Memmingen stattgefunden – zumindest als Nummer auf der Bühne. Und das war nicht das einzige Highlight der Kappensitzung, die mit Kalauern und Nachwuchstalenten aufwartete.

"Schön ist das Leben", spielt die Band im Bürgerhaus Menningen . Es ist der Auftakt der Menninger Kappensitzung am Samstagabend. Dabei klatschen die Besucher in der vollbesetzten Halle im Rhythmus mit. Dann der Narrhalla-Marsch. Funkengarde und Sitzungspräsident marschieren in den Saal ein. Sitzungspräsident Karl-Heinz Jager begrüßt die Menschen aus Harlingen, Bietzen, Brotdorf und Mexiko. Es ist ein festes Ritual, mit dem die Kappensitzung Jahr für Jahr, eröffnet wird.

Wie der Einzug des Prinzenpaares. Prinz Mirko I. (Müller) und Prinzessin Juliane II. von hinter Meiers Gärten (Graf), verlesen ihre Proklamation und schließen mit dem Reim: "Ein Prost auf das Leben, jetzt lasst uns einen heben. Jetzt genug der Laberei, an Aschermittwoch ist alles vorbei."

Dann betrat das Urgestein der Menninger Fastnacht die Bühne, Ehrenpräsident Lothar Rauch. Er hatte sogleich ein Kompliment für die Prinzessin auf den Lippen. "Sollte es mit der Physiotherapie nicht klappen, soll sie als Modell gehen", ulkte der "alte" Schelm.

Es übernahm Sitzungspräsident Karl-Heinz Jager die Moderation und kündigte einen abwechslungsreichen und kurzweiligen Abend an. "Bei der Generalprobe am Donnerstag hat alles geklappt. Warum soll es heute nicht klappen?" Die Akteure hätten seit Monaten auf diesen Abend hingearbeitet, viel ehrenamtliche Arbeit damit verbracht, das Programm auf die Beine zu stellen. "Rot, rot, rot sind die Rosen" - mit diesem Lied von den Höhnern wurde die erste Schunkelrunde eingeläutet. Alle standen auf und brachten sich in Stimmung.

Der erste Gardetanz wurde von den Krümelchen getanzt. Die Jüngste hatte dabei noch ihren Schnuller im Mund. Früh übt sich, wer ein Menninger Fastnachter werden will. Dann wurde es ernst. Die Bütt wurde auf die Bühne geschoben. Harald Löhfelm, Leihgabe des Beckinger Karnevalsvereins "Graad ze leads", betrat die Bütt. Er ist der Mann für alle Fälle. Opfer des ersten Kalauers wurde der Sitzungspräsident. Der bewegte seinen Kopf nach den Bewegungen des Lohfelmschen Daumens. "Das ist die Fernsteuerung für einen Holzkopp."

Nach der Büttenrede tanzten sich die "Blauen Fünckchen" in die Herzen der Besucher, bevor eine weitere Ikone der Menninger Fastnacht in die Bütt stieg. Christel Horf verkörperte Frau Bachmann. Das Leben im Alter war ihr Thema. Ein echter Knaller. "Die Bütten werden auch jedes Jahr enger", wagte sie einen dezenten Hinweis auf ihre Figur. Sie erinnerte sich auch gerne an ihre Jugend zurück. "Wenn mir damals jemand ins Dekolleté gefallen ist, ist der niemals wieder aufgetaucht." So jagte ein Kalauer den nächsten. Das Publikum war begeistert und applaudierte frenetisch.

In diesem Jahr wird ein neuer Tatort gedreht. Den letzten Tatort aus dem Saarland fand Christine Henseleit alias Maja, nicht so toll. Deshalb beauftragte sie ihren Mann, Bernhardt Schmidt alias Klaus, die Vorbereitungen für ein Casting zu treffen. Der tat, was ihm befohlen wurde. Damit alles so authentisch wie möglich aussieht, mussten noch zwei Männer aus dem Publikum herhalten. Lothar Rauch und Patrick Huber wurden kurzerhand in die Kulisse mit eingebaut. Sie mussten als Pfosten herhalten, an denen das Absperrband für den Leichenfundort befestigt wurde. "Die beiden eignen sich wunderbar als Vollpfosten", bemerkte Klaus spitz.

Doch Maja war das alles nicht gut genug. "Wie immer." Klaus wurde mit Komplimenten nur so überschüttet. "Er ist heiß wie ein Vulkan und alle zwei Jahre kommt es dann vielleicht zu einer Eruption", plauderte Maja aus dem Nähkästchen.

Der Sitzungspräsident hatte beim Start in den närrischen Abend nicht zu viel versprochen. Die Menninger Kappensitzung war gelungen. Kurzweilig und abwechslungsreich.

Zum Thema:

Die MitwirkenenPrinzenpaar: Mirko I. (Müller) und Juliane II. (Graf); Sitzungspräsident: Karl-Heinz Jager; Krümelchen die tanzenden Ponys, Trainerinnen: Evi Kremer und Jenny Rieder ; Funkenmariechen, Trainerinnen: Selina Jager, Petra Klupsch und Tanja Pawlak; Maja und Klaus, Christine Henseleit und Bernhardt Schmidt; Pilgerfrauen: Christel Horf, Gertrud Weis; Funkenmariechen Maja Klupsch; Sparmaßnahmen im Altersheim, Leitung: Saskia Kiebel-Marx; Katzenbergschwälbchen, Trainerinnen: Evi Kremer, Jennifer Rieder und Nicole Geier; Büttenreden: Harald Löhfelm, Christel Horf, Lukas Schöneberger, Sandra Lessel und Sabrina Fandel, Rebecca Schmidt und Sebastian Schramm; Präsident Fastnachts- und Unterhaltungsverein Menningen : David Wusterhaus. mir