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Was wird aus der Jugendherberge?

Saarburg. Anlass für die vorläufige Schließung der Saarburger Jugendherberge waren Brandschutzauflagen. Doch macht sich das Jugendherbergswerk schon länger Gedanken, wie es mit dem Haus weitergehen soll. Fakt ist: In Saarburg fehlen auf einen Schlag mehr als 100 Betten. Marion Maier,Alexander Schumitz (SZ)

Ein Infoblatt an der Tür der Jugendherberge in Saarburg informiert die Ankommenden: "Die Jugendherberge musste wegen brandschutztechnischer Auflagen bis auf weiteres geschlossen werden." Kein gutes Zeichen kurz vor Beginn der Tourismussaison. Die 1959 erbaute Einrichtung am Rand der Innenstadt hätte nach Ende der Winterpause am vergangenen Sonntag öffnen sollen. Wo sonst Kinder toben und Gäste den einmaligen Blick auf Stadt und Burg genießen, herrscht zurzeit gespenstische Stille. Etwa 8000 Reservierungen in dem Haus mit 102 Betten mussten laut Jugendherbergsverband kurzfristig umgebucht werden, etwa auf die Jugendherbergen in Hermeskeil oder Trier.

"Aktueller Anlass für die Schließung waren die Brandschutzauflagen", sagt Jessica Braun, Marketingleiterin des Landesverbands Jugendherbergen Rheinland-Pfalz/Saarburg . Sie räumt ein: "Diese Investitionen in den vorhandenen Standort vorzunehmen, wäre nicht sinnvoll. Denn es sind schon länger Überlegungen im Gange, wie es mit der Jugendherberge weitergeht." Die einstige Betriebsleiterin von Saarburg übernehme ab sofort die Leitung der Jugendherberge Dahn.

Zu den Brandschutzauflagen sagt Thomas Müller , Pressesprecher der Kreisverwaltung Trier-Saarburg: "Bis zum Sommer hätten eine automatische Brandmeldeanlage und Brandschutztüren eingebaut werden müssen. Bei einer Kontrolle hatte unser Mitarbeiter vom Referat Brand- und Katastrophenschutz die Mängel im Januar festgestellt." Der Umbau der Einrichtung entsprechend den Vorgaben des Kreises hätte laut einem Insider kurzfristig bis zu 120 000 Euro gekostet. Dem Verband sei diese Summe zu hoch gewesen, "gerade auch mit Blick darauf, dass eine Komplettsanierung für 2017/2018 geplant war", sagt der Kenner des Hauses, der namentlich nicht genannt werden will.

Für Stefanie Koch von der Saar-Obermosel-Touristik ist die Schließung des Hauses eine Katastrophe, übernachten dort doch jede Saison mehr als 12 000 Gäste. Koch: "Das reißt eine große Lücke in unser touristisches Angebot, die dringend gefüllt werden muss." Gerade Gruppen, Jugendliche und Familien hätten die Jugendherberge gerne genutzt. Die Tourismuschefin hofft, dass bald klar ist, was der Jugendherbergsverband mit seiner Immobilie macht, zumal die Region auch indirekt von der Einrichtung profitiert habe. "Oft sind die Eltern mit ihren Kindern nochmal nach Saarburg gekommen, weil es denen hier etwa auf einer Klassenfahrt so gut gefallen hat."

Auch Jürgen Dixius befürchtet Nachteile. "Das Schwimmbad, der Einzelhandel und die Gastronomen werden deshalb sicherlich Umsatzeinbußen haben", sagt der Stadtbürgermeister. Er betont, dass er den Jugendherbergsverband bei einer Lösung des Problems unterstützen will. Aus diesem Grund würden noch diesen Monat Gespräche mit dem Vorstandsvorsitzenden des Landesverbands Rheinland-Pfalz/Saarland geführt. Marketingleiterin Braun sagt dazu: "Die Gespräche werden ohne Vorbehalte geführt. Zu Ergebnissen kann man zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Aussage machen."


Meinung:

Jugendherberge muss bleiben



Von SZ-MitarbeiterAlexander Schumitz

Keine Frage, Jugendherbergen sind wirtschaftliche Unternehmen. Sie müssen knallhart kalkulieren, was sich rechnet und was nicht. Da ist es nur zu gut verständlich, dass der Jugendherbergsverband Rheinland-Pfalz/Saarland eine sechsstellige Investition in ein Haus aus dem Jahr 1959 ablehnt, das in Kürze saniert werden sollte. Es bleibt zu hoffen, dass der Jugendherbergsverband am Standort Saarburg festhält. Gastronomen , Händler und etwa das Schwimmbad brauchen die Gäste aus der Jugendherberge, damit sie ihre Umsätze stabil halten können. Daher ist die Stadt gefordert, den Verband bei der Sanierung der Immobilie zu unterstützen. Für viele Gäste sind sie die einzig bezahlbaren Häuser , um ihren Jahresurlaub zu machen.

Zum Thema:

stichwort1909 kam der Lehrer Richard Schirrmann auf die Idee, preiswerte Unterkünfte anzubieten: Sie sollten besonders Schulkindern aus Industriestädten die Chance geben, die Natur zu entdecken. Heute bietet das Deutsche Jugendherbergswerk (DJH) Gästen aus aller Welt Möglichkeiten, einander zu begegnen. Damit Menschen und Völker sich gegenseitig verstehen und friedlich miteinander leben, heißt es auf der Homepage des Verbands. Mitglieder des Jugendherbergswerks sind berechtigt, weltweit Jugendherbergen des Vereins Hostelling International zu nutzen. itz