Wanderfische sollen ungehindert durch Mosel in den Rhein schwimmen können

Stauwehre sollen abgebaut werden : Fische sollen ungehindert durch Mosel in den Rhein schwimmen

Alte Stauwehre an der Mosel versperren Wanderfischen den Weg. Künftig sollen moderne Fischtreppen den Aufstieg ermöglichen.

37 Arten von Wanderfischen sind in der Mosel bei Koblenz wieder nachgewiesen. Manche galten, wie etwa Maifische, hier viele Jahrzehnte als ausgestorben, wie die Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) in der Rhein-Mosel-Stadt mitteilte. Nun würden sie wieder im Rhein angesiedelt.

Gezählt werden Moselfische bei dem in Rheinland-Pfalz einmaligen Besucher- und Informationszentrum Mosellum in Koblenz nahe der Mündung der Mosel in den Rhein. Hier schwimmen Wanderfische neben drei Besichtigungsfenstern eine Fischtreppe mit vielen Wasserbecken hinauf. Langfristig soll die gesamte deutsche Mosel für diese Tiere wieder durchgängig werden. Bislang stoppen zahlreiche Staustufen viele Wanderfische.

Offiziell angestrebt wird, die deutschlandweite Durchgängigkeit der Bundeswasserstraßen für aufsteigende Fische bis 2027 zu erreichen. Allerdings könnte dies laut BfG deutlich länger dauern. An der Mosel soll 2020 mit dem Bau einer zweiten modernen Fischtreppe an der Staustufe Lehmen begonnen werden. Insgesamt gibt es zehn Staustufen mit Kraftwerken an der deutschen Mosel. „Die haben alle schon Fischaufstiegsanlagen. Aber die sind 60 bis 70 Jahre alt, sehr steil mit zu kleinen Becken und schwer sauber zu halten“, sagt der BfG-Biologe Bernd Mockenhaupt. An allen Staustufen sollen daher moderne Fischtreppen entstehen. Die Kosten dieser Anlagen können jeweils in die Millionen gehen.

Laut dem BfG-Biologen Mockenhaupt passierten 2015 mehr als 230 000 Fische die Fenster des Mosellums. 2016 und 2017 waren es jeweils rund 80 000, für 2018 liegt noch keine Zahl vor. „Das sind natürliche Schwankungen. In manchen Jahren gibt es viele Jungfische, die dann die Fischtreppe hinaufwandern, in anderen nicht“, erklärte der Experte.

Manche Fischarten wandern nach seinen Worten nur wenige Dutzend Kilometer, beispielsweise Rotaugen. Andere wie Nasen, Lachse und Meerforellen bringen es auf Hunderte von Kilometern. „Im Mosellum ist eine präparierte Meerforelle ausgestellt, die von hier bis Norwegen geschwommen ist“, sagte Mockenhaupt. Ein winziges Plastikschildchen an der Rückenflosse habe das nachgewiesen.

Für das 2011 eröffnete Mosellum ist seit diesem Jahr der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) im Auftrag des rheinland-pfälzischen Umweltministeriums zuständig. Es gibt Führungen, Workshops, Vorträge und für Kinder Kreuzworträtsel. Der Eintritt ist frei.

Mehr von Saarbrücker Zeitung