Von Mr. Bean und Miro Klose

Bekannt ist er als Moderator und Sport-Journalist. Reinhold Beckmann singt und komponiert aber auch und spielt Gitarre. Nach der Veröffentlichung des ersten Albums „bei allem sowieso vielleicht“ im Frühjahr steht jetzt die erste große Tournee an. Am Samstag, 15. November, 20 Uhr, gastiert die Band in der Glückauf-Halle in Spiesen-Elversberg und am Freitag, 21. November, 19.30 Uhr, in der Fritz-Wunderlich-Halle in Kusel. Vor den Konzerten unterhielt sich SZ-Redakteurin Melanie Mai mit Reinhold Beckmann.

Sie sind Werder-Fan und St. Pauli-Mitglied. Beide Teams haben am Wochenende verloren. Wie geht es Ihnen?

Reinhold Beckmann : Das 0:4 zu Hause gegen Karlsruhe hat mich doch schwer getroffen. Bei Werder hingegen ist es ein strukturelles Problem. Mir war klar, dass Bremen gegen Köln verliert. Bei mir persönlich ist aber noch alles ok. Ich bin ja schon gefühlte 100 Jahre Fußballfan. Da spürt man allmählich, dass die Leiden vor Jahren stärker ausgeprägt waren.

Verfolgen Sie auch das Fußball-Geschehen im Saarland? Und was sagen Sie dazu?

Beckmann: Ich bin ja ein Kind der Bundesliga. Und ich kann mich an die Zeiten erinnern, als der 1. FC Saarbrücken noch in der Bundesliga gespielt hat. Jetzt frage ich mich: Wo sind nur die saarländischen Vereine geblieben?

Apropos Saarland und Fußball. Als ich Freunde fragte, was sie schon immer einmal von Reinhold Beckmann wissen wollen, antworteten die meisten: Wann bringt er mal den "Tag der Legenden" ins Saarland? Die Frage gebe ich einfach weiter.

Beckmann: Wir haben tatsächlich einige Angebote erhalten, diese Veranstaltung auch in anderen Städten stattfinden zu lassen. Aber der "Tag der Legenden" ist nun mal eine Hamburger Geschichte. Als wir vor 15 Jahren unsere Jugendinitiative NestWerk e.V. gegründet haben, wollten wir mit betreuten Sportangeboten Jugendlichen in benachteiligten Hamburger Stadtteilen helfen. Die Idee war, Turnhallen zu öffnen, wenn sie nicht genutzt werden - vor allem abends und an Wochenenden. Also zu Zeiten, wo es in Problemvierteln kaum sinnvolle Freizeitmöglichkeiten für Jugendliche gibt. Nach und nach kamen weitere Angebote dazu, wie das Musikprojekt "jamliner" oder unsere Turnierserie "Straßenfußball für Toleranz", bei der Jungen und Mädchen gemeinsam in einem Team spielen. Seit einigen Jahren vermitteln wir in Kooperation mit Hamburger Unternehmen auch Lehrstellen für Jugendliche, die zuvor vielleicht eher weniger Perspektiven hatten. Weil unsere sozialen Projekte immer größer wurden, mussten wir überlegen, wie wir langfristig zumindest einen Teil unseres Jahresetats abdecken können. So entstand 2005 der "Tag der Legenden". Mittlerweile hat er Kult-Charakter. Sollten wir ihn tatsächlich nach Saarbrücken verpflanzen, dann müsste natürlich Felix Magath auflaufen (lacht).

Hätten Sie gedacht, dass sich diese Veranstaltung so etabliert - und dass Sie es immer wieder schaffen könnten, die ganz Großen auflaufen zu lassen?

Beckmann: Für uns war das damals eine neue Erfahrung, vor zehn Jahren gab es eigentlich kein Benefizspiel mit so vielen früheren Welt- und Europameistern. Die Fußballer und Zuschauer lieben diesen Tag. Und auch die anschließende "Nacht der Legenden" im "Schmidts Tivoli" auf dem Kiez, wo wir zu Gunsten von NestWerk ein wildes, schräges Kulturprogramm aus Comedy, Kabarett und Musik auf die Bühne bringen.

Es ist jetzt mehr als 20 Jahre her, und doch denken beim Namen Beckmann viele noch an "ran" und "ranissimo". Freuen Sie sich darüber - und würde so etwas wie "ranissimo" heute noch funktionieren?

Beckmann: Es ist schön, wenn man als Fernsehkerl etwas Prägendes hinbekommt. Das war schon ein großer Spaß, Fußball auf eine neue Art und Weise zu präsentieren. Damals war ein ganz anderes Publikum im Stadion als heute - kaum Frauen, kaum Jugendliche. Das kann man sich heute nicht mehr vorstellen. Der Fußball war zu dieser Zeit etwas altbacken. Es brauchte ein paar neue Ideen. Mit "ranissimo" haben wir ein etwas ungewöhnliches Format entwickelt, das Fußball überraschend und unterhaltsam präsentiert. Mit ungewöhnlichen Gästen: Mr. Bean war da, Eros Ramazzotti oder auch Rod Stewart . Und es wurde trotzdem über Fußball geredet. Es kann sein, dass etwas Ähnliches wie "ranissimo" auch heute noch eine Chance hätte. Allerdings nicht am Samstag. Ich könnte es mir eher in Verbindung mit den Sonntagsspielen vorstellen.

"ran", das waren Wontorra, Kerner und Beckmann. Jetzt mal ehrlich: Wie oft wurden Sie schon mit Johannes B. Kerner verwechselt?

Beckmann: Heute nicht mehr so oft wie früher. Es ist inzwischen allerhand passiert, aber vor 20 Jahren war das anders.

So, nun mal zur Musik, weshalb wir uns ja auch unterhalten. Was erwartet die Besucher Ihrer Konzerte?

Beckmann: Ich habe immer schon Musik gemacht. Aber die Idee zu dieser Band entstand erst vor sechs Jahren. Damals war ich Gast in der ersten Sendung von "Inas Nacht" und spielte mit ihr einen Bossa Nova mit einem etwas wunderlichen Text. Danach kam ihr damaliger Schlagzeuger Helge Zumdieck zu mir und sagte: "Mensch Reinhold, du bist doch eigentlich Musiker, setz dich hin und schreib' Texte und Musik. Ich stell' für uns eine Band zusammen." Mittlerweile haben wir rund 100 Konzerte hinter uns. Wir haben gespielt, gespielt, gespielt. Dadurch sind wir eine gute Live-Band geworden. Da ich meine eigene Sendung "Beckmann" nach 16 Jahren jetzt beendet habe, bietet sich uns die Möglichkeit, endlich mal auf eine richtige Tournee zu gehen. Für uns ein großes Abenteuer. Wir spielen so etwa 25 Stücke am Abend und zwischendrin erzähle ich noch ein paar Geschichten. Es macht auch deswegen Spaß, weil es bei den Besuchern gut ankommt. Unter vier Zugaben gehen wir nicht nach Hause.

Was war zuerst in Ihrem Leben - Musik oder Fußball?

Beckmann: Als kleiner Bengel habe ich natürlich Fußball gespielt. Bei uns auf dem Land war das so üblich, da haben immer die Straßenzüge gegeneinander gespielt, sonntags nach dem Hochamt. Erst später bin ich dann dem Dorfverein beigetreten. Als ich meine erste Gitarre bekommen habe, da war ich schon 13.

Hören Ihre Kinder auch Ihre Musik?

Beckmann: Ja, sie begleiten mich wohlwollend und kritisch. Mein Sohn studiert selbst Musik, und meine Tochter spielt auch nicht schlecht. Musik war immer wichtig bei uns in der Familie. Das fing in meiner Jugend mit meinen Brüdern an, und heute ist es mit meinen Kindern nicht viel anders.

Welche Musik hören Sie privat?

Beckmann: Ich bin ein Kind der 70er Jahre; bin mit Woodstock groß geworden. Und ich fand schon immer Künstler gut, die sich getraut haben, deutsche Texte zu singen, wie Reinhard Mey oder Udo Lindenberg . Mittlerweile hat sich viel verändert. Heute gibt es eine ganze Reihe von Künstlern, die sehr gute deutsche Texte schreiben. Das verfolge ich sehr aufmerksam und mit großem Vergnügen.

Sie kommen unter anderem nach Kusel . Waren Sie schon einmal dort - und was verbinden Sie mit der Region?

Beckmann: Ich kenne Saarbrücken. Aber Kusel ? Da müssen Sie mir schon weiterhelfen.

Ich sage nur ein Stichwort: Blaubach-Diedelkopf.

Beckmann: Ach, der berühmte Verein. Ich werde Miro Klose eine SMS schicken. Vielleicht kommt er ja dann zum Konzert.

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