| 20:43 Uhr

Wie hoch ist die Umweltbelastung?
Kerosin-Studie wird umfangreicher, bleibt aber ohne Messungen

Ein Flugzeug fliegt zwischen zwei Kondensstreifen hindurch.
Ein Flugzeug fliegt zwischen zwei Kondensstreifen hindurch. FOTO: dpa / Frank Rumpenhorst
Zweibrücken/Berlin. Das für Herbst erwartete Gutachten des Umweltbundesamts zum Kerosin-Ablass wird tiefergehender als bisher angekündigt. Von Eric Kolling

Insbesondere soll es vertiefende Untersuchungen hinsichtlich Zuständigkeiten und Meldepflichten beim Ablass von Flugbenzin geben. Das teilte Umweltbundesamts-Präsidentin Maria Krautzberger der rheinland-pfälzischen Bundestagsabgeordneten Angelika Glöckner (SPD) auf Anfrage mit.


Demnach soll „zusätzlich zu den umfassenden Modellberechnungen und Versuchen über Kerosinverteilung […] nun ein verstärkter Blick auf die juristischen Zuständigkeiten und damit auch auf die Möglichkeit einer Meldepflicht gelegt werden“. Man bemühe sich, das bereits laufende Gutachten „finanziell entsprechend aufzustocken und anzupassen“.

„Wir werden nun nicht nur mehr darüber erfahren, ob und wie von Flugzeugen abgelassenes Kerosin in der Luft, auf dem Boden und in Gewässern wirkt – sondern es wird ganz konkret begutachtet, wie die Frage der Zuständigkeiten und möglicher Meldeketten gestaltet werden kann und wo es hier Verbesserungspotenziale gibt“, erläutert die Abgeordnete. Nach Glöckners Lesart haben die jüngsten Fälle von Kerosinablass über der Region und „das Nachhaken durch SPD-Landes- und -Bundespolitiker“ die Behörde zu der Anpassung bewogen. Auch das gesellschaftliche Engagement etwa der regionalen Bürgerinitiative „Pro Pfälzerwald“ zahle sich aus. Deren an die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) gerichtete Online-Petition „Kerosinregen, nein Danke! Transparenz ja Bitte!“ war Ende Juli, nach den jüngsten Fuel-Dumping-Fällen, gestartet und zählte bis gestern über 69 000 Unterzeichner.



Ganz so gravierend, wie sich Glöckners Mitteilung verstehen lässt, sei die Entwicklung gar nicht, erklärt indes Lars Mönch, zuständiger Fachgebietsleiter im Bundesumweltamt, auf Anfrage. „Der juristische Teil war etwas unterausgestattet und mit dem bisherigen Budget nicht richtig abzudecken. Daher konnte er nicht entsprechend berücksichtigt werden.“ Das Thema sei bisher noch gar nicht juristisch aufbereitet worden. Bei einem Forschungsprojekt wie diesem sei es aber normal, dass es im laufenden Prozess neue Erkenntnisse gebe und es zu Aufstockungen komme.

Warum sind auch weiterhin keine Messungen, sondern nur eine Literaturstudie geplant? Vor allem der Zeitfaktor sei entscheidend, antwortet Mönch. Für das Gutachten habe man nicht ausreichend Zeit: „Wir kriegen das in einem Jahr nicht hin.“ Außerdem sei unklar, wie man überhaupt messen wolle. Der Experte skizziert zwei denkbare Ansätze und deren Schwierigkeiten. Szenario eins: Man misst in einer Region über einen gewissen Zeitraum die Belastung. „Man müsste ein Riesenareal dauerhaft mit Messtechnik ausstatten, weil man nicht weiß, wo so ein Ereignis stattfindet.“ Das sei personell schwierig und auch problematisch, weil die Geräte ständig in Bereitschaft sein müssten. Würde dann etwas gemessen, könne man sich nicht sicher sein, dass es von einem spezifischen Kerosinablass herrühre.

Szenario zwei: Die Behörde lässt Maschinen aufsteigen, die absichtlich Sprit ablassen. „Es ist unmöglich, zig Tonnen Kerosin mit Steuermitteln in der Luft auszukippen und gezielt die Umwelt zu verschmutzen. Man kann den Rohstoff nicht gezielt in die Umwelt geben!“ Das Ablassen einer Ersatzflüssigkeit komme auch nicht in Frage, weil diese sich etwa hinsichtlich der Verdunstungsrate anders verhalte als Kerosin. Es bleibe dabei: Zur Umweltministerkonferenz wird das Bundesumweltamt laut Mönch einen Bericht vorlegen. Diese findet voraussichtlich vom 7. bis 9. November in Bremen statt.