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Trotz Hasstiraden weiter Demons in Kandel für Menschlichkeit

Kandel : Polizeischutz für „Oma gegen Rechts“

Inge Heimer ist eine mutige Oma. Nach dem Mord an der 15-jährigen Mia durch einen afghanischen Flüchtling vor zwei Jahren im südpfälzischen Kandel stellte sie sich gegen die aufbrandende Welle des Hasses und der Hetze von Rechtsextremisten.

„Ich will, dass meine Enkel in einer freien Gesellschaft aufwachsen können“, sagt die 58-Jährige aus Herxheim. Die SPD-Kommunalpolitikerin engagiert sich bei den „Kandler Omas gegen Rechts“. Bei den Aufmärschen rechter Gruppierungen in der Südpfalz stehen diese mit Gegenprotesten ein für Demokratie, Menschenrechte und friedliches Zusammenleben.

Wie zahlreiche andere Aktivisten, Politiker oder Journalisten ist auch Inge Heimer in das Visier aggressiver und gewaltbereiter Rechtsextremer geraten. Sie wurde in unflätiger Weise beschimpft. Fotos von ihr und ihres Hauses wurden auf Facebook gepostet, um sie einzuschüchtern. Alle Beleidigungen und Bedrohungen zeigt sie bei der Polizei an. Seit kurzem steht sie gar unter Polizeischutz – stündlich fahren Beamte nachts an ihrem Haus vorbei. „Die Justiz muss den Rechtsextremen endlich eine rote Linie zeigen“, fordert sie. Menschen, die sich gegen Rechtsextremismus engagierten, seien nur unzureichend geschützt. Staatsanwaltliche Ermittlungen gegen die größtenteils anonymen Absender von Schmähungen verliefen meist im Sande. Als Anfang November die Glocken der protestantischen Stiftskirche in Landau gegen eine Demonstration des rechtsextremen „Frauenbündnisses Kandel“ läuteten, war auch Inge Heimer mit ihren „Omas“ dabei. „Ich wurde angepöbelt, eine Gruppe von Nazis kreiste mich ein“, erinnert sie sich.

Als „hoch aggressiv“ bezeichnet Johnny Brambach von „Heidelberg gegen Rassismus“ die derzeitige rechtsextreme Szene, die auch vor politischem Mord wie an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke (CDU) nicht zurückschrecke. Die politischen Parteien müssten endlich eine klare Linie zeigen gegenüber der AfD, die „einen großen Anteil an der Verrohung der Sprache“ gehabt habe, kritisiert der Aktivist.

Erstmals mache die Kirche die Erfahrung, dass „eine Grenze überschritten“ sei und man manche hasserfüllte Menschen mit Argumenten nicht mehr erreiche, sagt der Landauer Dekan Volker Janke. Die Kirche müsse weiter deutlich Stellung für Menschenfreundlichkeit beziehen, auch wenn sie dafür etwa mit Kirchenaustritten rechnen müsse. Gegen den Landauer Dekan hat die Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen wegen der Glockenläutaktion eingestellt. Der Veranstalter der rechtsgerichteten Demonstration, der Aktivist Marco Kurz, hatte Strafanzeige gegen ihn wegen Störung der Kundgebung gestellt.