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„Treue ist authentischer als viele Predigten“

„Treue ist authentischer als viele Predigten“

Etwa 250 Ehepaare sind am Tag der Ehejubilare ins Priesterseminar nach Trier gepilgert. Bischof Stephan Ackermann gratulierte allen Paaren und bedachte sie im Dom mit dem Segen für die nächsten glücklichen Ehejahre.

"So viele Jahre lang glücklich verheiratet zu sein, das ist nicht selbstverständlich. Und deshalb wollen wir von Herzen danke sagen." Gertrud und Hubert Kerwer sind aus Bietzen nach Trier gekommen, um am 20. April mit hunderten anderen Paaren den Tag der Ehejubilare bei den Heilig-Rock-Tagen zu feiern - und um von Bischof Stephan Ackermann beim Pontifikalamt im Dom den Segen für die nächsten Jahre zu empfangen.

Unzählige fröhliche Gesichter, ein munteres Durcheinander von Stimmen und das Klappern von Kaffeetassen - so sind die ersten Eindrücke beim Betreten des Zelts im Innenhof des Priesterseminars. Kurz vor 15 Uhr sind schon fast alle Plätze auf den Bierbänken besetzt, aber immer noch kommen Gäste durch das große Holztor.

Es sind lauter Paare, die an diesem sonnigen Nachmittag in den Hof kommen. Und sie sehen allesamt zufrieden und glücklich aus. "Das Bild ist richtig schön", sagt Helferin Margit Lenz begeistert und saust schon wieder los, um Neuankömmlinge zu einem der noch wenigen Sitzplätze zu begleiten. "Wir haben so viel Schönes und Gutes gemeinsam erlebt, für das wir danken wollen. Außerdem wollen wir aus Anlass unserer Goldenen Hochzeit den bischöflichen Segen für unseren weiteren Weg entgegennehmen", erklären Mechtild und Norbert Harig den Grund ihres Besuchs. Sie sind aus dem saarländischen Siersburg nach Trier gekommen. "Wir haben 60 Tische gestellt und eigentlich nicht gedacht, dass die voll werden", informiert Cheforganisator Wolfgang Meyer und schaut zufrieden in die Runde. Etwa 250 Ehepaare sitzen zu diesem Zeitpunkt im Zelt. Sie alle sind 25, 40, 50 oder gar 60 Jahre verheiratet. Kein Wunder, dass es da eine Menge zu erzählen gibt.

Plötzlich machen die Gespräche Platz für heftigen Beifall. Bischof Stephan Ackermann ist angekommen und wird freudig begrüßt. Er wolle keine große Ansprache halten, "die kommt später im Dom".

Jetzt sagt er allen Gästen ein herzliches Willkommen und beginnt seinen Rundgang zu den Tischen. Danach wollen alle schnell zum Dom.

In seiner Predigt zitiert der Bischof den Philosophen Robert Spaemann , nach dem "Versprechen und Verzeihen" das größte im Wesen des Menschen sei. Er gratuliert den Ehejubilaren, dass sie dies "unspektakulär im Alltag zu leben" versuchten. Das Zeugnis, das Eheleute mit jahrzehntelanger Treue gäben, wirke "stärker und authentischer als viele Predigten und lehrhafte Schreiben", betont Ackermann.

Diese Überzeugung hätten die deutschen Bischöfe auch in ihren Rückmeldungen für die kommende Bischofssynode zu Ehe und Familie in Rom zum Ausdruck gebracht. Das heiße nicht, "oberlehrerhaft" anderen zu sagen, wie sie ihre Ehe leben sollten.

Vielmehr sollten die Frauen und Männer vom Versprechen und Verzeihen reden, und auch von den Grenzen und Fehlern in einer Ehe.

Bischof Ackermann bittet die Ehejubilare, auch die Erfahrungen des Glaubens in der Ehe zu bezeugen und zu sagen: "Gott ist mit uns gewesen." Dann sei die kirchliche Ehe nicht nur ein Sakrament im Sinne einer individuellen Stärkung, sondern werde zu "einem Zeichen und Werkzeug für das Wirken Gottes in unserer Welt." Nach der Predigt spendet der Bischof den Eheleuten den Segen für ihren weiteren gemeinsamen Weg - und die Ehepaare halten sich wie bei ihrer Trauung dabei an den Händen.