Flugzeug-Treibstoff über Region abgelassen: Studie soll Kerosin-Gefahr klären

Flugzeug-Treibstoff über Region abgelassen : Studie soll Kerosin-Gefahr klären

Erneut wurde Flugzeug-Treibstoff über der Region abgelassen. Birgt das Gesundheitsrisiken?

Auf das Saarland und die Westpfalz ist dieser Tage offenbar wieder eine Ladung Flugbenzin niedergegangen. Beim dritten Vorfall dieser Art in diesem Jahr ließ Dienstag voriger Woche ein Airbus A380 der Lufthansa auf dem Weg von Frankfurt nach Houston/Texas laut Deutscher Flugsicherung (DFS) beinahe 80 Tonnen Kerosin ab. Der Flieger musste wegen Fahrwerkproblemen umdrehen und ließ den Sprit ab, um sicherer landen zu können. Die Maschine flog in einer Schleife über das Nordsaarland, den Bliesgau, Zweibrücken, drehte hinter Pirmasens bei Trippstadt eine Schleife und kehrte zum Flughafen Frankfurt zurück. Wo genau auf der Strecke er wie viel Kerosin ausschüttete, bleibt unklar.

Uwe Unnold, der zuständige Bürgermeister der möglicherweise betroffenen Verbandsgemeinde Kaiserslautern-Süd, forderte im SWR, dass das Land die Kommunen im Falle eines Kerosinablassens „schnellstmöglich“ informieren solle. Er sorge sich, dass Touristen abgeschreckt werden könnten.

Auch die SPD-Fraktion im rheinland-pfälzischen Landtag forderte eine „Meldekette“: Es sei „nicht hinnehmbar“, dass die Bevölkerung erst Tage nach den Vorfällen und nur dank Zeitungsberichten von solchen Vorfällen erführen. Es müsse endlich eine Meldekette eingerichtet werden, nach der binnen 24 Stunden die Öffentlichkeit über derartige Vorfälle informiert werde. Für jeden müsse öffentlich einsehbar sein, wann, wo und wie viel Treibstoff abgelassen wurde. Auf der Internetseite der DFS oder beim Bundesverkehrsministerium müssten „zeitnah“ entsprechende Informationen veröffentlicht werden.

Auf Antrag der SPD-Fraktion im Mainzer Landtag wird sich am 14. November der Ausschuss für Wirtschaft und Verkehr mit dem Kerosin-Ablass befassen. Zudem werde sich die „Fraktion im November bei einer auswärtigen Fraktionssitzung vor Ort mit Toxikologen, Vertretern der Deutschen Flugsicherung sowie Bürgerinitiativen über mögliche Gefährdungen, Informationswege und Regulierungsmöglichkeiten austauschen.“

Bis heute ist umstritten, ob überhaupt und wie gefährlich abgelassenes Kerosin für die Umwelt und Bevölkerung ist. Benzol als Bestandteil von Flugtreibstoff wurde vor fünf Jahren von der International Agency for Research on Cancer als hochgradig krebserregend eingestuft, wenn man es einatmet oder über die Haut aufnimmt. Wie krebserregend Flugtreibstoff, in dem noch andere Substanzen enthalten sind, insgesamt ist, lässt sich indes nicht sagen. Entsprechende Untersuchungen fehlen.

Damit sich das ändert, hatte sich Rheinland-Pfalz im Mai für eine neue Bewertung der Umweltauswirkungen von Treibstoffablassungen im Flugverkehr eingesetzt. Auf Antrag des Mainzer Umweltministeriums hatte die Umweltministerkonferenz den Bund dazu aufgefordert, eine aktuelle Bewertung zu Umfang und Auswirkungen von Treibstoffablassungen auf neuesten wissenschaftlichen Grundlagen vorzunehmen. Eben diese Studie wird nun erstellt, wie Lars Mönch, zuständiger Fachgebietsleiter im Bundesumweltamt, sagte. Man habe das Bundesumweltministerium um das Geld für ein wissenschaftliches Forschungsprojekt gebeten. Etwa ein Jahr werde es laut Mönch dauern, bis Ergebnisse vorlägen. Generell, so Mönch, werde heutzutage deutlich weniger Kerosin von Flugzeugen abgelassen als früher. Maschinen tankten weniger, um leichter zu sein und so Kosten zu sparen. Auch kämen Situationen für einen Treibstoffschnellablass viel seltener vor. Allerdings sei die Westpfalz überproportional stark betroffen.

Laut Bundesregierung waren alleine in der Zeit von 2010 bis Oktober 2016 bei sogenannten Kraftstoffschnellablassungen ziviler Maschinen insgesamt 992,7 Tonnen Sprit bei Flügen über Rheinland-Pfalz, dem Saarland sowie in weiteren angrenzenden Bundesländer in die Luft gelangt.

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