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Verkauf der Rennstrecke
Streit um Nürburgring vor EU-Gericht

2014 wurde der Nürburgring an das deutsche Unternehmen Capricorn verkauft. Die US-Firma Nexovation klagt deshalb gegen die EU-Kommission, die den Kauf genehmigt hatte.
2014 wurde der Nürburgring an das deutsche Unternehmen Capricorn verkauft. Die US-Firma Nexovation klagt deshalb gegen die EU-Kommission, die den Kauf genehmigt hatte. FOTO: Thomas Frey / dpa
Luxemburg. War beim Verkauf des Nürburgring alles rechtens? Ein US-Unternehmen bezweifelt das und hofft immer noch, die Rennstrecke kaufen zu können.

Das beim Verkauf des Nürburgrings 2014 unterlegene US-Unternehmen Nexovation ist nach wie vor an der Rennstrecke in der Eifel interessiert. Das machte der Rechtsanwalt des Unternehmens, Alexander von Bergwelt, am Dienstag vor dem EU-Gericht in Luxemburg klar. „Wenn es morgen eine Ausschreibung gäbe, dann würden wir ein Gebot machen.“ Nexovation habe nach wie vor einen „Masterplan“ für den Nürburgring. „Im Moment tut sich da ja nicht viel.“



Bei der Verhandlung ging es um eine Klage gegen die EU-Kommission. Nexovation (Tennessee/USA) ist der Ansicht, dass der Verkauf an das deutsche Unternehmen Capricorn im März 2014 nicht rechtmäßig war. „Wir sind überhaupt nicht der Auffassung, dass das Spiel bereits vorbei ist“, sagte von Bergwelt. Er reagierte damit auf eine Äußerung des Rechtsanwalts der EU-Kommission, Leo Flynn, wonach der Verkaufsprozess unwiderruflich beendet sei. Flynn bezeichnete die Genehmigung der Kommission als einwandfrei, die Klage von Nexovation als unzulässig. Das Unternehmen sei „keine interessierte Partei“. Es sei nicht auf dem Markt von Rennstrecken aktiv, die Firma könne daher nicht durch den Verkauf an Capricorn in ihrer Konkurrenzfähigkeit betroffen sein – deswegen habe sie kein Recht zur Klage. Nexovation-Anwalt von Bergwelt widersprach. Capricorn habe den Nürburgring nur dank eines fehlerhaften Verkaufsverfahrens erwerben können. Nach Ansicht des US-Unternehmens habe unbedingt ein deutsches Unternehmen den Zuschlag für den traditionsreichen Nürburgring erhalten sollen.

Der Ring war nach dem Scheitern eines Projekts für eine Art Freizeitpark 2014 für 77 Millionen Euro an Capricorn verkauft worden. Nexovation hat nach eigenen Angaben ein doppelt so hohes Gebot in Höhe von 150 Millionen Euro gemacht.

„Die Kommission hat den Verkauf nicht sorgfältig genug untersucht“, sagte Matthias Nordmann, ein anderer Nexovation-Anwalt. Bereits im Mai 2014 habe der damals zuständige EU-Kommissar Joaquín Almunia erklärt, der Verkauf sei ordnungsgemäß erfolgt. „Das war der Moment, als das eine politische Entscheidung wurde“, formulierte von Bergwelt. Nexovation habe nicht den gleichen Zugang zu Informationen gehabt wie Capricorn. Capricorn-Chef Robertino Wild ist inzwischen am Nürburgring nicht mehr beteiligt, seine Mehrheitsanteile hat eine Holding um den russischen Unternehmer Viktor Charitonin erworben.

Flynn wies alle Vorwürfe gegen die Kommission zurück. Nexovation habe für das höhere Angebot keine Finanzierung nachweisen können. „Es geht nicht darum, welches das höchste Angebot ist, sondern ein Angebot muss auch glaubwürdig sein.“

Die Kommission hatte im Oktober 2014 gerügt, dass Deutschland 456 Millionen Euro Beihilfen für die Aufrechterhaltung des Nürburg­ring-Freizeitparks gezahlt habe, von denen ein großer Teil zurückgezahlt werden müsse. Der Vertrag mit Capricorn sah jedoch ausdrücklich vor, dass der Käufer nicht für die Rückzahlung von Subventionen verantwortlich sei. Ein großer Teil der viereinhalbstündigen Verhandlung in Luxemburg wurde vom Streit um die Frage beherrscht, ob Nexovation überhaupt als betroffene Partei klagen dürfe. Flynn hatte das überraschend bestritten, weil der Kommission erst vor wenigen Tagen klar geworden sei, dass Nexovation überhaupt keine Rennstrecke besitze.

Ein Urteil des EU-Gerichts wird erst in einigen Monaten erwartet. Dagegen ist Berufung beim Europäischen Gerichtshof möglich.