Streit um Ex-Truppenübungsplatz Stegskopf

Naturschützer gegen neues Logistikzentrum : Streit um Ex-Truppenübungsplatz Stegskopf

Ein Streit um ein einstiges Militärgelände im Westerwald mit einer Tradition bis in die NS-Zeit könnte jetzt vor Gericht landen. Denkmal- und Naturschützer sehen im früheren Bundeswehrlager Stegskopf in Rheinland-Pfalz ein Kulturdenkmal mit überregionaler Bedeutung.

Ein Investor und eine Kommune drängen dagegen auf den Bau eines Logistikzentrums mit 1300 Jobs auf dem einstigen Truppenübungsplatz mit einer angesiedelten Wölfin. Naturschützer drohen mit einer Klage.

Laut der DBU Naturerbe GmbH reicht die militärische Nutzung des Stegskopfs bis 1914 zurück. Die Generaldirektion Kulturelles Erbe (GDKE) bewertet im April 2019 das alte Lager Stegskopf in einem Schreiben an die Kreisverwaltung Altenkirchen angesichts der „großzügigen, „städtebaulich“ wohl geordneten Verteilung“ der rund 60 Gebäude plus Freiflächen als „eine für Rheinland-Pfalz einzigartige Anlage“ mit einer „durchdachten räumlichen Konzeption“. Sie spricht von einem „hochrangigen Zeugnis für die Zeit des Nationalsozialismus wie auch die Nachkriegszeit“ mit Kaltem Krieg und Bundeswehr.

Bürgermeister Dücker warnt vor einer Betonung der NS-Zeit am Stegskopf. Die Erhaltung der hessischen Gedenkstätte Hadamar etwa, wo die Nazis Tausende Behinderte und psychisch Kranke getötet haben, habe als Mahnmal mehr Sinn: „Da ist baulich mehr zu sehen. Da ist übrigens auch meine Großtante vergast worden.“ Am Stegskopf dagegen seien alle Gebäude der dreißiger Jahre verschwunden. „Die ältesten Baracken könnten aus den vierziger Jahren sein, die meisten sind aber erst in den sechziger Jahren gebaut worden“, sagt Dücker.

Der Bundesvorsitzende des Vereins Naturschutzinitiative, Harry Neumann, freut sich über den Denkmalschutz für den Stegskopf. Er verweist auf Tiere wie Wildkatzen, Rotmilane und Schwarzstörche. Das Lager könne es problemlos in das umliegende Nationale Naturerbe Stegskopf eingegliedert werden. Einzelne Gebäude sollten als Info- und Naturerlebniszentrum für Bürger genutzt werden.

Kompromisse lehnt Neumann ab. Mit Blick auf das Wahrzeichen von Trier sagt er: „Es gibt auch keine halbe Porta Nigra.“ Der Investor und die Gemeinde Emmerzhausen müssten auf ein Logistikzentrum verzichten. „Wir würden sonst klagen“, droht der Vereinsvorsitzende. Dann hätten Investor und Kommune keine Rechtssicherheit mehr.

Der Kreis Altenkirchen stellt sich hinter die Gemeinde Emmerzhausen, sein scheidender Landrat Michael Lieber (CDU) schlägt sehr wohl einen Kompromiss vor. Demnach könnten ein oder mehrere Gebäude oder auch Teile der Lagerstraße erhalten bleiben – und die übrige Fläche für das Logistikzentrum genutzt werden. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur hat sich der Landrat hierbei mit der GDKE abgesprochen. Das Landesdenkmalschutzgesetz verhindert neue Nutzungen von Kulturdenkmälern nicht grundsätzlich – wenn die Änderungen von der zuständigen Unteren Denkmalschutzbehörde genehmigt werden.

Ein Soldat geht durch das Lager Stegskopf auf dem damaligen Truppenübungsplatz Daaden bei Emmerzhausen. Foto: dpa/Thomas Frey

Welches genaues Alter und welche Bedeutung haben die einzelnen Baracken? Laut GDKE soll nun ein Militärhistoriker diese Fragen für den Eintrag in der Denkmalliste klären. De facto steht das Lager Stegskopf bereits unter Denkmalschutz.

(dpa)
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