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Sie öffnen wieder die Tür

Birkenfeld. Das Ofenmuseum in Reichenbach hat die Winterpause beendet und seine Türen wieder geöffnet. Nun kann das Museum in der ehemaligen Turnhalle jeden Sonntag und an Feiertagen, jeweils von 10 bis 17 Uhr, bis zum Reichenbacher Weihnachtsmarkt wieder besucht werden. Eintritt wird nicht erhoben. red

An der Ofen-Ausstellung im Ofenmuseum in Reichenbach (Kreis Birkenfeld), die etwa 40 antike Öfen aus drei Jahrhunderten und Industriegemälde umfasst, wurde nichts verändert. Auch die Ahnentafel der Hüttenfamilie Stumm sowie eine Porträtsammlung rund um den Räuberhauptmann Johannes Bückler, als Schinderhannes bekannt, mit seinem Julchen und dem kleinen Fränzchen, seine Bandenmitglieder und Richter Redmann zieren die Wände des Museums. Neu hingegen sind die Exponate aus der Steinzeit.

Nach der Gerichtsbarkeit im späten Mittelalter, die sich im vergangenen Jahr außerordentlich positiver Resonanz erfreuen konnte, ist die Steinzeit in diesem Jahr das Thema der Sonderausstellung. Wolfgang und Maria Lengler aus Gronig haben 30 Exponate aus der Steinzeit und zehn Exponate aus der Bronzezeit bis 1970 gesammelt. Alle Stücke sind originale Teile aus der Zeitepoche der Steinzeit. Die Lenglers hoffen mit der Sonderausstellung auch für Besucher, die die Ofenausstellung bereits besichtigt haben, einen Impuls zu setzen, um dem Museum auch wieder einen Besuch abzustatten. Bis auf eine etwa 7000 Jahre alte jungsteinzeitliche Axt, die auf der Gemarkung Reichenbach gefunden wurde, hat das Museumsehepaar alle übrigen Ausstellungsstücke auf bundesweiten Auktionen ersteigert. Diese Raritäten mit geschichtlichem Hintergrund entstammen privaten Sammlungen von Professoren und sind alle mit entsprechenden Expertisen ausgestattet.

Die 30 Exponate aus der Steinzeit sind in drei Vitrinen ausgestellt; eine Vitrine ist der Bronzezeit vorbehalten. Ausgestellt ist auch ein Spaltkeil, der 1000 bis 3000 vor Christus beim Hausbau verwendet wurde, sowie ein etwa 1000 Jahre altes Dechsel, auch Querbeil genannt. Dieses ganz seltene Exemplar aus Hämatit ist ein Mineral aus der Mineralklasse der Oxide. Die etwa 6000 Jahre alte Geweihaxt, die seltene Geräteform aus dem Neolithikum, wurde aus dem basalem Stangenanteil des Geweihs mit Rosenpartie gefertigt, da dort die Kompakta (die äußere Schicht der Rinde des Geweihs) besonders stark ist. Die facettierte Streitaxt aus Hornblendschiefer der schurkeramischen Einzelgrabkultur ist 4600 Jahre alt; die Erntesichel mit Sekundärschaft weist auch 4400 Jahre auf. Ebenso alt ist ein Steinbeil mit rekonstruiertem Holzschaft. An einer Wandtafel ist das mühsame Leben, das die Menschen in der Steinzeit führten, gut veranschaulicht. Außerdem sind alle Ausstellungsstücke mit erklärenden Beschriftungen versehen.

Aus der Bronzezeit ist ein rund 4000 Jahre alter Tränennapf; man nimmt an, dass die Schalensteine aus der Jungsteinzeit bis Bronzezeit stammen und einen religiösen Hintergrund haben.

Ebenfalls entstammt die riesige und dekorierte Urne der Bronzezeit, somit 3300 bis 3000 Jahre alt. Das wertvolle und extrem seltene Stück weist das für die Bronzezeit typische Tannenzweigmuster, Stichreihen und graphitisierte Oberfläche auf.