Sexueller Missbrauch der katholischen Kirche beschäftigt Bischof in Trier

Trierer Bischof : „Missbrauchsthema lässt mich nicht mehr los“

Der Trierer Bischof ist seit zehn Jahren im Amt. Bundesweit hat er sich als Aufklärer im Missbrauchsskandal der katholischen Kirche einen Namen gemacht. Das Thema werde ihn immer begleiten, sagt er.

Die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals in der katholischen Kirche wird den Trierer Bischof Stephan Ackermann auch in den nächsten Jahren beschäftigen. „Das Thema lässt mich nicht mehr los“, sagte Ackermann, Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) für Fragen des sexuellen Missbrauchs, der Deutschen Presse-Agentur in Trier. Auch unabhängig von seinem Amt: Durch die Begegnung mit Betroffenen sei „eine Art innere Verpflichtung“ gewachsen. Die Missbrauchsthematik habe ihn in den ersten zehn Jahren als Bischof von Trier mit am stärksten beschäftigt, sagte Ackermann. Am 24. Mai 2009 wurde der gebürtige Eifeler in sein Amt eingeführt.

Ein gutes halbes Jahr später war Ackermann (56) dann der zentrale Ansprechpartner der Kirche für alle Fragen zum sexuellen Missbrauch. Seitdem sei das Thema „eine tägliche Realität meiner Arbeit.“ Dies habe ihn auch belastet: „Weil ich natürlich mit Dingen in Berührung kam, die ich mir vorher nie so vorgestellt hätte“, sagte er. Das Amt des Beauftragten, auch für Fragen des Kinder- und Jugendschutzes, wolle er in den nächsten Jahren weiter ausüben. „Ich gehe aber nicht davon aus, dass ich es bis zu meiner Emeritierung mache.“

Der Trierer Bischof Stephan Ackermann. Foto: dpa/Arne Dedert

Für das Bistum Trier sieht Bischof Ackermann die größte Herausforderung der nächsten Jahre darin: „Dass wir eine Erneuerung des kirchlichen Lebens und die Verlebendigung des Glaubens hinbekommen.“ Eine wesentliche Rolle spiele die Umsetzung der Synodenbeschlüsse von Ende April 2016. Derzeit befindet sich ein geplanter Neuzuschnitt der Pfarreien in 35 große Einheiten in der Anhörungsphase. Es gibt auch Widerstand. „Wir werden weiter ringen müssen um die konkreten Dinge“, sagte der Bischof.

Die Anhörung der amtierenden Gremien zeige: „Es gibt Zustimmung und es gibt kritische Rückmeldungen.“ Auch die konkrete Realisierung der „Pfarrei der Zukunft“ ab 2020 werde „noch einmal Unsicherheit und Diskussionen bringen“, sagte der Bischof. „Es geht ja um einen Mentalitätswandel für uns alle. Es geht auch darum, gewohnte Pfade zu verlassen.“ Der Umbau der Pfarreienlandschaft sieht auch Änderungen in der Arbeitsweise der Gremien und bei der Vermögensverwaltung vor.

Ackermann sagte anlässlich seiner zehn Jahre im Amt: „Ich versuche mit ganzer Hingabe, Bischof von Trier zu sein. Das Amt erfüllt mich und es fordert mich.“ Es sei aber auch Belastung: „Man muss aushalten können.“ Andere Ambitionen, als in Trier Bischof zu bleiben, habe er keine, sagte er. Seinen Zehn-Jahres-Tag werde er mit einer Messe im Dom und einem anschließenden kleinen Empfang feiern.

Als Jugendlicher wollte Ackermann Musiklehrer werden. „Das wäre für mich was gewesen“, sagte er. Er habe damals Gitarre, Altflöte und Klavier gespielt. „Aber dazu hätte ich mehr begabt sein müssen.“ Nach dem Abitur schlug er einen anderen Weg ein: Er studierte katholische Theologie und Philosophie - und empfing 1987 die Priesterweihe.

Das Highlight seiner Amtszeit als Bischof sei die Heilig-Rock-Wallfahrt im Jahr 2012 gewesen: Damals kamen rund 550 000 Pilger nach Trier, um die im Dom aufbewahrte Reliquie des Heiligen Rocks - der Überlieferung nach das Gewand Jesu Christi - zu sehen. „Es war ein großes Fest des Glaubens. Eine solche Wallfahrt in meiner Zeit als Bischof - das ist etwas Wunderbares.“ Das Bistum Trier zählt knapp 1,4 Millionen Katholiken in Rheinland-Pfalz und im Saarland.

(dpa)
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