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Schüler sehen Vielfalt als Gewinn

Regionalverband/Mainz. Zwei Schulen aus Rheinland-Pfalz und vier aus dem Saarland setzen beim Schulwettbewerb „Trialog der Kulturen“ der Herbert Quandt-Stiftung ein Zeichen für eine Gesellschaft der Vielfalt. Mit dabei: das TGBBZ II Saarbrücken und die Erweiterte Gemeinschaftsschule Hermann Neuberger aus Völklingen. Jetzt präsentierten sie ihre Projekte in Mainz. red

Wie interkulturell kompetent sind Betriebe im Hotel- und Gaststättengewerbe, fragen sich die Fachschüler des Technisch-Gewerblichen Berufsbildungszentrums (TGBBZ) II in Saarbrücken. Bei der Präsentation ihres Projektes im Rahmen des Schulwettbewerbs "Trialog der Kulturen" in Mainz starten sie dazu ein Gedankenexperiment: Hätten Kandidaten in einem Vorstellungsgespräch eine Chance, bei denen der Arbeitgeber Rücksicht auf religiöse Bedürfnisse nehmen müsste? Etwa, wenn der christliche Bewerber sonntags nicht im Hotel arbeiten kann, weil er den Gottesdienst besuchen möchte. Wenn eine jüdische Kandidatin kein Schweinefleisch zubereiten darf oder am Sabbat nicht arbeiten kann. Oder wenn eine Muslima ein Kopftuch tragen und die Gebetszeiten einhalten möchte. Die Ergebnisse in den kurzen Bühnensequenzen sind eindeutig: Wohl keiner der Bewerber hätte die Stelle bekommen. Das muss nicht sein, finden die Schüler , denn Kompromisse seien möglich. "Wer Zuckerfest feiern will, kann dafür ja an Weihnachten arbeiten", sagt Lehrerin Isolde Erbel. "Ein Kopftuch könne für den Arbeitgeber akzeptabel sein, wenn es zum Kostüm getragen werde", ist Erbel überzeugt. "Um wieder mehr Nachwuchs für das Hotel- und Gaststättengewerbe zu gewinnen, müssen alle aufeinander zugehen." Deshalb organisiert das Technisch-gewerbliche Berufsbildungszentrum im Juni einen Runden Tisch. Dort wollen die Schüler die Ergebnisse ihrer Arbeit Vertretern aus Betrieben und Gewerkschaften präsentieren und Lösungen diskutieren.

Vielfalt ist schon im Logo der Erweiterten Realschule/Gemeinschaftsschule Hermann Neuberger aus Völklingen zu finden: Es zeigt Hände in verschiedenen Farben, die einander berühren. Wie groß die Vielfalt an der Schule ist, haben die Schüler im Trialog-Projekt gemerkt. 18 Nationen haben sie gezählt, als sie über ihre eigene Herkunft und die ihrer Familien gesprochen haben. Dass sie Vielfalt als Bereicherung empfinden und alle zusammen ein großes Ganzes bilden, zeigen die Schüler mit der Metapher des Baumes. Der Baum soll alle Besucher der Schule im Eingang begrüßen. "Unsere Schule ist bunt!", singen die Schüler noch. Davon kann man sich beim großen Schulfest am 22. Juli überzeugen, dem Höhepunkt ihres Trialog-Jahres.


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HintergrundSeit 2005 schreibt die Herbert-Quandt-Stiftung jährlich den "Trialog der Kulturen"-Schulenwettbewerb aus. 22 Schulen aus Bremen, Hamburg, Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland setzen sich in diesem Schuljahr im Wettbewerb für eine Verständigung zwischen Religionen und Kulturen ein. Jede Schule erhielt zunächst ein Startgeld von 3500 Euro. Zum Ende des Schuljahres entscheiden die Juroren über die besten Beiträge und vergeben weitere Preisgelder in Höhe von insgesamt 60 000 Euro zur nachhaltigen Verankerung des Trialogs an den Schulen. red