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Schlappe für Gegner der Bistumsreform – Beschwerde zurückgewiesen

Katholische Kirche : Schlappe für Gegner der Bistumsreform – Beschwerde zurückgewiesen

Eine Beschwerde gegen die Trierer Bistumsreform ist aus formalen Gründen gescheitert. Doch die wichtigste Entscheidung steht noch aus.

Teilerfolg für den Trierer Bischof Stephan Ackermann: Die römische Kleruskongregation hat eine von der Priestergemeinschaft Unio Apostolica eingelegte Beschwerde gegen ein Gesetz zur Umsetzung der Strukturreform zurückgewiesen – aus formalen Gründen, wie es in einer Mitteilung des Bistums heißt. Für die Reform selbst hat diese Maßnahme aber zunächst keine Auswirkungen.

Die Überprüfung des Gesetzes durch den Vatikan sei noch nicht beendet, sagte Bischofssprecherin Judith Rupp unserer Zeitung. Sie verwies auf Aussagen des Präfekten der Glaubenskongregation, wonach vor einer Entscheidung noch über die Rolle des Pfarrers in den neuen Großpfarreien oder die Organe und Gremien in den neuen Pfarreien gesprochen werden müsse.

Die geplante Strukturreform des Bistums war im November nach mehreren Beschwerden von Rom auf Eis gelegt. Ursprünglich sollten zu Beginn des Jahres die ersten 15 von insgesamt 35 im Bistum geplanten Großpfarreien an den Start gehen. Die übrigen 20 XXL-Pfarreien sollten ein Jahr später folgen. Derzeit gibt es im Bistum Trier noch 887 Kirchengemeinden.

Gegen das Gesetz über die neuen Großpfarreien hatte neben der Priestergemeinschaft auch die bistumskritische Initiative Kirchengemeinde vor Ort Klage eingereicht. Die Priestergemeinschaft kritisiert unter anderem die geplante Leitungsstruktur und die Position der Priester in den geplanten Großpfarreien. Weil diese von einem Team aus einem Pfarrer und zwei Laien geleitet werden sollen, werde die kirchenrechtlich vorgesehene Leitungsvollmacht der Pfarrer eingeschränkt.

Der Trierer Bischof Stephan Ackermann hatte die Reform dagegen mehrfach verteidigt. Im März war der 57-Jährige zu einer Privataudienz bei Papst Franziskus; dass bei dem Treffen auch über die Bistumsreform gesprochen wurde, gilt als wahrscheinlich. In absehbarer Zeit wird Ackermann nach Angaben seiner Sprecherin nun erneut in den Vatikan reisen.

Der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller rechnet mit einer baldigen Entscheidung. Die Beschwerde der Priestergemeinschaft sei zwar aus formalen Gründen abgewiesen, aber zur Prüfung auch dem Päpstlichen Rat für Gesetze übertragen worden. Dort ist die Arbeit laut Schüller bereits weit fortgeschritten, da man zwei deutsche anerkannte Professoren des Kirchenrechts und einen italienischen Kirchenrechtler mit der Prüfung des Trierer Gesetzes betraut und beauftragt habe. „Es ist bald mit einer Entscheidung dieses päpstlichen Organs zu rechnen, wenn man die Gutachten der drei Kirchenrechtler ausgewertet haben wird“, sagte Schüller  unserer Zeitung.

Der Trierer Generalvikar Ulrich Graf von Plettenberg hatte schon im Februar betont, dass das Bistum im Anschluss an die Entscheidung aus dem Vatikan einen neuen Zeitplan ausarbeiten und vorlegen werde. Damit ist definitiv klar, dass es mit den neuen Großpfarreien in diesem Jahr nichts mehr wird.

Der Deutschland-Leiter der Priestergemeinschaft Unio Apostolica, Peter Leick, äußerte sich trotz der jüngsten Entscheidung des Vatikans optimistisch. Über die Hauptkritikpunkte und damit in der Sache sei ja noch gar nicht entschieden, sagte der ehemalige Saarburger Pastor. Er machte aber auch deutlich, dass man sich „auf jeden Fall“ dem Votum aus Rom beugen werde. „Und wir verweigern Bischof Ackermann auch nicht den Gehorsam.“

Der Kirchenrechtler Gero P. Weishaupt glaubt nicht, dass durch die jüngste Entwicklung eine Vorentscheidung in Sachen Bistumsreform gefallen ist. „Über die Entscheidung der Kleruskongregation können keine Schlussfolgerungen für den Ausgang der Überprüfung durch den Päpstlichen Rat für die Gesetzestexte gezogen werden“, sagte Weishaupt unserer Zeitung.

Ein Sprecher der bistumskritischen Initiative Kirchengemeinde vor Ort äußerte sich unlängst  zufrieden, dass die Reform noch nicht umgesetzt sei. Dies hätte die derzeitige Situation mit ausgesetzten Gottesdiensten und kirchlichen Angeboten noch weiter verschärft.