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Saarbrücken: Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen mutmaßlichen Kusel-Täter

Kusel-Prozess unterbrochen : Staatsanwaltschaft Saarbrücken erhebt Anklage gegen Andreas S. wegen Vorfall im Jahr 2017

Die Staatsanwaltschaft Saarbrücken hat Anklage gegen den mutmaßlichen Polizistenmörder Andreas S. erhoben. Dabei geht es um einen Vorfall aus dem Jahr 2017, bei dem ihn ein Zeuge bei der Jagdwilderei erwischt haben soll. Derweil musste der Kusel-Prozess heute unterbrochen werden.

Der Mordprozess um die tödlichen Schüsse auf zwei saarländische Polizisten bei Kusel sollte am Mittwoch fortgesetzt werden, fällt jetzt aber aus. Das bestätigte ein Sprecher des Landgerichts Kaiserslautern auf Anfrage der Saarbrücker Zeitung. Demnach müsse der Termin aufgrund einer Erkrankung des Hauptangeklagten Andreas S. entfallen. Eine Erkrankung mit dem Coronavirus, wie sie andere Medien berichten, bestätigte das Gericht nicht. Der Prozess soll jetzt am 14. Oktober fortgesetzt werden. Zeitgleich wurde am Mittwoch bekannt, dass auch die Staatsanwaltschaft Saarbrücken eine Anklage gegen S. erhoben hat.

Bei der Anklage geht es laut Mitteilung der Staatsanwaltschaft um den Verdacht der Jagdwilderei, gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr, versuchte gefährliche Körperverletzung und falsche Verdächtigung. Andreas S. wird vorgeworfen im September 2017 nahe Spiesen-Elversberg ein Reh ohne Jagdberechtigung geschossen zu haben. Dabei soll er von einem Zeugen beobachtet worden sein, der sich dem Auto von Andreas S. in der Folge auf einem Feldweg entgegenstellte.

Mutmaßlicher Kusel-Täter soll schwere Verletzung in Kauf genommen haben

Der Hauptangeklagte im Kusel-Prozess soll daraufhin auf den Zeugen zugefahren sein, „unter billigender Inkaufnahme erheblicher Verletzung“ im Falle einer Kollision, wie die Staatsanwaltschaft schreibt. Der Zeuge musste zur Seite springen und konnte dem Fahrzeug gerade so entgehen.

In einem wegen des Vorfalls gegen S. eingeleiteten Ermittlungsverfahren bot der Angeklagte laut Staatsanwaltschaft zwei Alibi-Zeugen auf, die ihn entlasteten. Das Ermittlungsverfahren wurde eingestellt und Andreas S. zeigte den Zeugen wegen Verleumdung an. Auch dieses Verfahren wurde letztlich eingestellt.

Weitere Ermittlungen gegen Andreas S. laufen

Nach dem Tötungsdelikt bei Kusel nahm die Staatsanwaltschaft Saarbrücken die Ermittlungen in dem Verfahren von 2017 erneut auf. Einer der beiden Alibi-Zeugen von Andreas S. nahm im Zuge dessen seine entlastenden Aussagen von damals zurück. Deshalb hat die Staatsanwaltschaft jetzt Anklage erhoben. Andreas S. soll sich zu den Vorwürfen noch nicht geäußert haben.

Die Staatsanwaltschaft Saarbrücken weist daraufhin, dass die Anklage sich nur auf den konkreten Vorfall von 2017 bezieht. In einem weiteren gesonderten Verfahren wird wegen weiterer möglicher Fälle von Jagdwilderei weiter ermittelt. Die Ermittlungen hierzu sind noch nicht abgeschlossen.