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| 20:41 Uhr

Rockerszene kommt auch in Rheinland-Pfalz in Bewegung

Allein in diesem Jahr haben sich in Kaiserslautern und Alzey je eine neue „Hells Angels“-Gruppe gegründet. Foto: dpa
Allein in diesem Jahr haben sich in Kaiserslautern und Alzey je eine neue „Hells Angels“-Gruppe gegründet. Foto: dpa FOTO: dpa
Mainz. Menschen-, Drogen- und Waffenhandel – wie verändert sich die Rockerszene in Rheinland-Pfalz? Neue Namen tauchen in den Nachbarländern auf. Die Szene wird unübersichtlich. Das macht es für die Polizei nicht leichter. dpa-Mitarbeiter Jens Albes

Neue Straßengangs machen die Rockerszene unübersichtlich: Das erwartet der Landeschef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Ernst Scharbach, mit Blick auf die jüngsten Zusammenstöße der kurdischen "Bahoz" und der türkisch-nationalistischen "Osmanen " mit Baseballschlägern, Schusswaffen und Handgranaten in Saarbrücken. Auch in Rheinland-Pfalz könnten sich ethnisch ausgerichtete Gruppen im Rockermilieu bilden, sagt Scharbach. "Man weiß gar nicht mehr genau, wer gegen wen kämpft." Das bereite der Polizei Sorge. Natürlich sei nicht jeder Motorradfahrer kriminell, doch Rocker werden oft mit Menschen-, Drogen- und Waffenhandel in Verbindung gebracht.

Das Landeskriminalamt (LKA) in Mainz teilt auf die Frage nach Rockergruppen mit Zuwanderern mit: "Die Gefahr ethnischer Konflikte sehen wir derzeit nicht. Wir können allerdings auch nicht ausschließen, dass Konflikte aus anderen Bundesländern in Rheinland-Pfalz ausgetragen werden." Bislang seien an Rhein und Mosel noch keine Gruppierungen der "Bahoz" und "Osmanen " bekannt geworden. Allerdings sind sie in mehreren Nachbarländern schon aufgetreten.

Die Zahl der Rocker ist indessen auch in Rheinland-Pfalz gestiegen: Etwa 400 polizeirelevante Rocker hat das Mainzer Innenministerium noch im März genannt - nun sind es laut LKA rund 450. In diesem Jahr habe sich in Kaiserslautern und Alzey je eine neue "Hells Angels "-Gruppe gegründet. Deutschlandweit zählt das Bundeskriminalamt (BKA) rund 9300 Rocker.

Laut dem GdP-Landeschef Scharbach haben auch rheinland-pfälzische Rockergruppen oft eine Doppelstrategie: "An ihrem Stammsitz machen sie Tage der offenen Tür, laden zum Grillfest ein und spenden die Erlöse für den Kindergarten." Ihr Operationsgebiet liege dagegen häufig weiter weg, auch etwa in Hessen.

Der Vizechef des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK), Ulf Küch, spricht von einer "Renaissance der Rockergruppen". Die Polizei habe nicht genug Kapazitäten - die Sicherheitsbehörden müssten viele andere Themen im Blick behalten, etwa den islamistischen Terrorismus.

Scharbach fordert die Einstellung von mehr Polizisten. Das LKA verweist dagegen auf ein Konzept zur Bekämpfung der Rockerkriminalität von 2010, das landesweit umgesetzt worden sei. "Unabhängig von den Gefahren des islamistischen Terrors und der Eigentumskriminalität sind Beamte beim Landeskriminalamt und den Polizeipräsidien eingesetzt, die sich mit der Thematik beschäftigen." GdP-Landeschef Scharbach betont, es sei schwierig, die kriminelle Rockerszene im Auge zu behalten, weil sie ihre Delikte lieber im Verborgenen verübe. "Wenn sie öffentlich auffällt, ist das schlecht zum Beispiel für ihre Drogengeschäfte." Eine eskalierende Fehde wie jüngst in Saarbrücken sei eher ein "Betriebsunfall".

Um leichter in der "Hells Angels "-Szene ermitteln zu können, haben Polizisten einst im nördlichen Rheinland-Pfalz selbst einen Rockerclub gegründet, mit dem sinnigen Namen "Schnelles Helles". BDK-Vizechef Küch hat das erst für einen Aprilscherz gehalten. Mit ihrem vielfach in der Szene präsentierten Logo hatten die falschen Rocker das Design der "Hells Angels " fast imitiert. Doch diese Provokation soll nur zu der harmlosen Bitte der "Höllenengel" geführt haben, Farbe und Schrifttyp zu ändern.

Eine wahre Anekdote - doch der Hintergrund ist ernst: Seit Januar stehen tatsächlich sieben "Hells Angels " wegen mutmaßlicher Beteiligung an einer kriminellen Vereinigung vor dem Landgericht Koblenz. Mit einem "Alleinvertretungsanspruch" in ihrem Gebiet hatten sie laut Anklage andere Rockergangs brutal drangsaliert. Innenminister Roger Lewentz (SPD ) hat ihren Motorclub nur drei Tage vor der Landtagswahl am 13. März verboten. Doch damit ist er nun nach einer Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts Rheinland-Pfalz in Koblenz aus formalen Gründen vorerst gescheitert.