Quotenfrau? Nein danke!

Koblenz · Alexandra Schütz-Knospe leitet das Heeresmusikkorps Koblenz, das auch im Saarland regelmäßig zu Gast ist. Sie ist die einzige Chefdirigentin der Bundeswehr, aber mit dem Wort „Quotenfrau“ kann man sie ärgern.

Über das Marschieren wacht sie streng, doch bei der Musik setzt sie auf Miteinander: Oberstleutnant Alexandra Schütz-Knospe ist die einzige Chefdirigentin in der Bundeswehr und seit Kurzem Leiterin des Heeresmusikkorps Koblenz . Mit ihren 65 Musikern reist sie auch ins Ausland, in der Heimat spielt sie unter anderem bei Gelöbnissen.

Ihre Musikkarriere startete sie schon früh: Mit fünf Jahren hatte Schütz-Knospe ihren ersten großen Auftritt am Klavier - im Kino Kosmos in Berlin. Zum Militär kam sie dagegen durch einen Zufall. Eigentlich war es ihr Mann, der sich über die Bundeswehr informieren wollte. "Ich habe dann einfach mal gefragt, was es für Frauen gibt", erinnert sich die 40-Jährige. 1997 war sie fast fertig mit ihrem Doppelstudium zur Pianistin und Musikpädagogin an der Berliner Musikhochschule "Hanns Eisler ". Da habe ihr Gesprächspartner aus der untersten Schublade ein vergilbtes Blatt herausgezogen - darauf stand, dass sie als Klavierspielerin auch Musikoffizier werden kann.

"Ich habe lange den heimlichen Wunsch gehegt, Dirigentin zu werden", erzählt sie. Als Frau sei das ein schwieriges Unterfangen in einer klassischen Männerdomäne. Aber weil in ihr viel Energie, Durchsetzungsfähigkeit und Humor steckt, schloss sie 2004 ihre Kapellmeisterausbildung an der Robert-Schumann-Hochschule in Düsseldorf ab. Von da an stieg sie die Karriereleiter bei der Bundeswehr hinauf. Seit 2010 ist Schütz-Knospe Chefdirigentin: Erst beim Heeresmusikkorps Neubrandenburg, jetzt in Koblenz . Dass sie bis heute die einzige Chefdirigentin ist, liegt laut Hauptmann Petra Böhm aus dem Bundesvorstand des Deutschen Bundeswehrverbands auch daran, dass diese Posten in der Bundeswehr rar sind. Schütz-Knospe sei aber nicht die einzige Frau in einer Führungsposition, so habe etwa die Sanitätsakademie der Bundeswehr in München auch eine Kommandeurin.

Rheinland-Pfalz ist Schütz-Knospe vertraut: Ihre Militärausbildung begann die Berlinerin 1998 in Rennerod im Westerwald. Jetzt ist sie froh über die Versetzung nach Koblenz . So ist sie näher bei ihrem Mann und den zwei Kindern nahe Düsseldorf. "Als Musiker ist man viel unterwegs. Man braucht einen Partner, der das mitträgt", sagt Schütz-Knospe - ein Satz, wie man ihn oft von Männern hört.

Gender-Debatten sind gar nicht ihr Ding. Ganz selbstverständlich geht Frau Oberstleutnant jeden Tag durch ihre Bürotür, an der "Chef" steht statt "Chefin". "Wer mich als Quotenfrau bezeichnet, würde mich beleidigen", sagt Schütz-Knospe. Unter ihren aktuell 65 Musikern sind sieben Frauen. Im Mittel beträgt der Frauenanteil in der deutschen Militärmusik nach Angaben der Bundeswehr knapp 20 Prozent. Damit liegt er laut Böhm vom Bundeswehrverband "deutlich über dem Durchschnitt der restlichen Bundeswehr mit Ausnahme des Sanitätsdienstes".

Eine Woche Zeit zum Proben hatte Schütz-Knospe nach ihrem Umzug nach Koblenz , dann stand schon das erste Konzert in Innsbruck an. Hauptsächlich sei ihr Orchester aber in Rheinland-Pfalz, dem Saarland und dem nördlichen Baden-Württemberg unter anderem für die musikalische Begleitung von Gelöbnissen, Zapfenstreichen und Kommandoübergaben im Einsatz.

Doch Mitglieder des Heeresmusikkorps greifen neben dem Instrument auch zur Waffe: Schieß-, Marsch- und Fitnessübungen gehören zur 46-Stunden-Woche. Wenn Schütz-Knospe ihre Musiker zum Marschieren auffordert, kann die kleine Frau laut werden: "Damit es auch der Letzte hört." Beim Dirigieren setzt sie auf ein Miteinander. "Ich bin dann eher Musiker als Chef."

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