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Menschenkette gegen Drohnen-Krieg vor US-Airbase Ramstein
Protest gegen Atomwaffen und Drohnen

Zahlreiche Menschen sind am Samstag nach Ramstein-Miesenbach gekommen, um gegen die Rolle des US-Militärflugplatzes Ramstein beim Einsatz von Kriegsdrohnen zu demonstrieren.
Zahlreiche Menschen sind am Samstag nach Ramstein-Miesenbach gekommen, um gegen die Rolle des US-Militärflugplatzes Ramstein beim Einsatz von Kriegsdrohnen zu demonstrieren. FOTO: Julian Weber / dpa
Ramstein-Miesenbach. Tausende haben am Samstag vor der US-Airbase im rheinland-pfälzischen Ramstein eine Menschenkette gebildet. Von Julian Weber (dpa) und Dietmar Klostermann (SZ)

Die dichten Wolken hängen tief über der Air Base in Ramstein. Die vielen Regenbogenfahnen der Friedensaktivisten setzen sich wie bunte Farbkleckse vom grauen Himmel ab. Hand in Hand stehen die Menschen auf der abgesperrten Straße, um gegen die Rolle des US-Militärflugplatzes beim Einsatz von Kriegsdrohnen zu protestieren.



Nur wenige Hundert Meter vom Eingang der Air Base entfernt hat sich Johannes Molitor aus Zweibrücken in die Menschenkette eingereiht. Der 49-jährige Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens ist gekommen, um für den Frieden einzutreten. „Ich kenne den Krieg nicht, nur aus Erzählungen und Empfindungen, die wiedergegeben wurden“, sagt Molitor. Wenn sich die Menschheit weiterenwickeln wolle, sei Frieden aber die absolute Voraussetzung.

Sima Kassaie erhofft sich mehr Aufmerksamkeit für das Thema und ein Umdenken in der Gesellschaft. Die Soziologin aus Frankfurt hält ein Banner mit der Aufschrift „Krieg und Militär lösen keine Probleme“ in der Hand. „Man fragt sich schon, warum man die Militärausgaben weiter steigern muss, obwohl so viele Menschen unter schlimmsten Bedingungen leben“, sagt die 59-Jährige.

Immer wieder donnern über die Menschenkette und die Kundgebungen dunkelgraue Militärflugzeuge hinweg, die von der Air Base abheben. Sekundenlang ist dann nur der ohrenbetäubende Lärm der Turbinen zu hören. Zu der Demo kamen nach Angaben des Veranstalters ungefähr 5000 Friedensaktivisten. Die Polizei sprach hingegen von bis zu 3000 Menschen. Zusammenfassend sei es sehr friedlich gewesen, sagte ein Polizeisprecher.

Auch Reiner Braun von der Kampagne „Stopp Air Base Ramstein“ ist zufrieden. „Wir haben es zum ersten Mal geschafft, die Menschenkette zu schließen. Mensch an Mensch, ganz eng“, sagt Braun. Die Demonstration richtete sich auch gegen Aufrüstung und die Modernisierung von Atomwaffen, die wegen der Auseinandersetzung zwischen den USA und Nordkorea wieder verstärkt im Gespräch sind. Beim Militärflugplatz Büchel in der Eifel sollen 20 US-Atombomben lagern. Auch dagegen protestierten die Menschen.

Im Dezember 2016 hatte das Auswärtige Amt im Bundestag berichtet, dass die US-Botschaft erstmals eingeräumt habe, Relaisstationen in Ramstein für die Weiterleitung von Signalen für Drohnenangriffe in Asien und Afrika zu verwenden. Eine Sprecherin der Air Base betonte, dass von Ramstein aus keine Drohnen eingesetzt werden.

Bei der Abschlusskundgebung forderte Saar-Linksfraktionschef Oskar Lafontaine die Schließung der Air Base und den Abzug aller Atomwaffen aus Deutschland. „Drohnenkriege sind völkerrechtswidrige Morde, und wir haben überhaupt kein Recht, für solche Morde deutsches Territorium zur Verfügung zu stellen“, sagte er. Er begrüßte die Demonstranten, die bereits Anfang der 1980er Jahre im Bonner Hofgarten und vor der US-Raketenbasis Mutlangen gegen die Stationierung von Pershing-II-Raketen dabei waren, wie auch die jüngeren Protestler, die „die Fackel weitertragen“, im Kampf für internationale Abrüstung. Die Friedensbewegung müsse sich die Frage stellen, warum sie nicht weiterkomme im Kampf gegen das Wettrüsten. Es gebe keinen US-Farmer, der mit Nordkorea Krieg führen wolle, und keinen Reisbauern in Nordkorea, der mit den USA Krieg führen wolle. Die Menschheit wolle keine Kriege, aber dennoch gebe es immer wieder welche. „Wir werden immer wieder Kriege, Leid und Zerstörung haben, solange wir eine Wirtschaftsordnung wie den Kapitalismus haben, der darauf angelegt ist, die Welt zu zerstören“, sagte Lafontaine. Er geißelte ein korruptes Machtnetzwerk aus Unternehmen und Politik, das die Aufrüstung befeuere. Deshalb müssten Parteispenden verboten werden, insbesondere Spenden von Rüstungswerken.

Die saarländisch-rheinland-pfälzische Friedensinitiative „Krieg beginnt hier“ hatte sich im Vorfeld der Demonstration von der Kampage „Stopp Ramstein“ distanziert, weil einige Organisatoren offen für die Teilnahme von rechten Verschwörungstheoretikern seien.

Nach der Menschenkette fand im Kaiserslauterer Kulturzentrum Kammgarn ein Friedensfestival statt. Dort musizierten auch der 1962 in Saarbrücken geborene Liedermacher Jan Degenhardt. Die Geigerin Anna Katharina Kränzlein, 36, die mit Prinz Chaos II (Florian Ernst Kirner) auftrat, studierte von 2001 bis 2003 an der Musikhochschule Saarbrücken.