Priester kritisieren geplante Strukturreform des Bistums Trier

Bistum Trier : Geplante Strukturreform des Bistums stößt auf Kritik

Am Zuschnitt und dem Zeitplan für die neuen Großpfarreien im Bistum Trier – zu dem auch ein großer Teil der Saar-Katholiken zählt – wird sich nichts Wesentliches mehr ändern.

Demnach sollen die ersten 15 sogenannten „Pfarreien der Zukunft“ am 1. Januar nächsten Jahres an den Start gehen.

Die übrigen 20 XXL-Pfarreien sollen bis spätestens 2022 eingerichtet werden. Das sagte Generalvikar Ulrich Graf von Plettenberg bei der Präsentation der Anhörungsergebnisse am Samstag in Trier. Noch gibt es 887 Pfarreien, die in 172 Pfarreiengemeinschaften organisiert sind.

Knapp 1800 kirchliche Gremien und auch Einzelpersonen hatten sich in den zurückliegenden Monaten zu den Reformplänen des Bistums geäußert. Damit seien die Erwartungen weit übertroffen worden, sagte von Plettenberg, der als Generalvikar Verwaltungschef des Bistums ist.

Über ein Drittel der Rückmeldungen (37 Prozent) waren negativ; 32 Prozent äußerten sich eher positiv zu den Reformplänen. Auffallend: Auf überdurchschnittlich große Abneigung stoßen die Umstrukturierungspläne bei den Priestern. Grund dafür sei die Verunsicherung vieler Pfarrer, sagte der Sprecher des Priesterrats, Dechant Thomas Darscheid. Viele Geistliche wüssten nicht, wo sie künftig eingesetzt würden, wer ihre Mitarbeiter seien oder welche Aufgaben sie genau hätten.

Generalvikar von Plettenberg hatte zuvor angekündigt, dass es kleinere Veränderungen an den ursprünglichen Plänen geben werde. Man habe Spielraum. Doch am Grundgerüst der Reform wird sich auch nach der Anhörung mit einer Beteiligung von weit über 90 Prozent nichts ändern.

Die bistumskritische Bewegung „Kirchengemeinde vor Ort“ forderte nach der Anhörung erneut den Stopp der Reform. Die Auswertung der Anhörung belege die massive Ablehnung des Vorhabens, sagte Initiativensprecher Harald Cronauer. Der saarländische Jurist aus Quierschied erneuerte am Samstag seine Ankündigung, gegen die Reform auf jeden Fall Klage in Rom einzureichen. Durch die Beauftragung des angeblich kirchennahen Pragma-Instituts habe man „den Bock zum Gärtner gemacht“, meint Cronauer.

Hätten die Skeptiker recht, wäre die Sache ziemlich schiefgegangen. Denn die am Wochenende vom wissenschaftlichen Leiter des Reutlinger Instituts, Martin Messingschlager, vorgestellten Ergebnisse zeigen ziemlich deutlich, welche Befürchtungen und Kritikpunkte die diversen kirchlichen Räte, aber auch die Priester an der vom Trierer Bischof Stephan Ackermann angestoßenen Strukturreform haben. Und eines ist nach der Lektüre auch klar: Die meisten Befragten stehen der Reform eher negativ gegenüber.

Dabei sind die Punkte, die von Mitgliedern der Pfarrgemeinderäte, Verwaltungsräte oder von Priestern kritisiert werden, nicht weiter überraschend. So hatte etwa der Katholikenrat, das höchste Laiengremium im Bistum, das geplante Einkammersystem im Rat der Pfarreien kritisiert, weil dadurch die Stellung der Ehrenamtlichen geschwächt würde. Nun soll es ein sogenanntes Zweikammersystem geben, wobei die Stellung des Priesters noch nicht feststeht.

Auch gab es Bedenken um die Größe der künftigen XXL-Pfarreien, dem drohenden Verlust an Identität oder der Überforderung von Ehrenamtlichen. Alles Dinge, die auch in der Vergangenheit von Kritikern immer wieder angesprochen wurden.

Etliche Rückmeldungen gab es auch bei Vermögensfragen. Was passiert mit den Grundstücken oder Immobilien der jetzigen kleineren Pfarreien, wenn diese künftig in einer Großpfarrei aufgehen?

Der Generalvikar sagt, dass in einigen Punkten nicht ausreichend informiert worden sei und kündigte an, dass die Kommunikation über Details der Reform noch verbessert werde müsse. Aber wahr sei eben auch, dass eine grundlegende Veränderungen geplant sei. „Das ist Aufbruch und Abbruch zugleich“, sagte von Plettenberg. Glaubt man den Kritikern, beinhaltet die Strukturreform des Bistums deutlich mehr Abbruch als Aufbruch.

Anfang September wird Bischof Stephan Ackermann die für die Umsetzung der Reform notwendigen kirchlichen Gesetze den Landesregierungen von Rheinland-Pfalz und dem Saarland vorlegen.

Spätestens Mitte Oktober sollen die sogenannten Errichtungsdekrete für die ersten 15 Großpfarreien veröffentlicht werden. Dann sollen auch die Leitungsteams feststehen.