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Nach Unfall mit getötetem Kind
Hoffnungen ruhen auf „Aktenzeichen XY...“

Ein 13 Jahre alter Junge, der als Beifahrer mit diesem Motorrad unterwegs war, ist am 1. Juli ums Leben gekommen, weil ein Auto aufgefahren ist. Die Polizei sucht den Unfallverursacher.
Ein 13 Jahre alter Junge, der als Beifahrer mit diesem Motorrad unterwegs war, ist am 1. Juli ums Leben gekommen, weil ein Auto aufgefahren ist. Die Polizei sucht den Unfallverursacher. FOTO: picture alliance/dpa / Polizei Zweibrücken/dpa
Homburg/Zweibrücken. Nach dem tödlichen Unfall auf der A8 geht die Zweibrücker Polizei 100 Hinweisen nach. Der Fall ist am 22. August auch Thema im ZDF. Von Eric Kolling

Wer hat am 1. Juli auf der A 8 einen 13-Jährigen auf der Autobahn zwischen Zweibrücken und Homburg totgefahren? Die Ermittler bitten die Bevölkerung auch per Fernsehen um Mithilfe. 20 neue Hinweise aus dem ganzen Bundesgebiet sind nach der Sendung „Kriminalreport Südwest“, den das SWR Fernsehen vor einer Woche ausgestrahlt hat, eingegangen. Aber nach wie vor fehlt der Zweibrücker Polizei eine heiße Spur.


Was war passiert? Kurz nach Paletten Gölz in Fahrtrichtung Homburg-Einöd war damals gegen 14.50 Uhr ein weißer Wagen auf eine Harley Davidson aufgefahren und dann geflüchtet. Das Motorrad war gegen die Mittelleitplanke geprallt und zurück auf die Überholspur geschlittert, bevor es Feuer fing. Der 37-jährige Motorradfahrer wurde schwer verletzt, sein 13-jähriger Adoptivsohn starb noch an der Unfallstelle.

Bis jetzt habe sich kein Zeuge gefunden, der mittels einer Dashcam den Unfall gefilmt hat, erklärt Matthias Mahl, der Chef der Zweibrücker Polizei, auf Anfrage unserer Zeitung. Die Polizei hatte gehofft, dass jemand zwischen 14.30 und 15.10 Uhr auf der A8 – Richtung Einöd oder auch Pirmasens – die Kamera laufen ließ. Mit den (aus Datenschutzgründen umstrittenen) Dash­cams filmen manche Autofahrer den kompletten Fahrtverlauf, auch um bei einem Unfall abgesichert zu sein.



Auch wenn sich niemand das genaue Kennzeichen des Fluchtautos merken konnte, geht die Polizei nun insgesamt hundert Hinweisen nach. Mahl: „Das Hinweisaufkommen ist in der Tat hoch.“ Wie viele Beamte in der Sache ermitteln, richte sich „immer nach der Anzahl der gerade erforderlichen Ermittlungshandlungen“. Es habe im Laufe der mehrwöchigen Ermittlungen auch Phasen gegeben, in denen keine neuen Ermittlungsansätze bekannt wurden und die „alten“ bereits abgearbeitet oder als Ermittlungsaufträge an andere Polizeidienststellen versandt worden waren. Doch seit der SWR-Sendung sei das Hinweisaufkommen deutlich gestiegen. „Dieser Trend hält bis heute an und scheint sich aufgrund der breiten Berichterstattung in zahlreichen Medien auch fortzusetzen.“ Dem zuständigen Sachbearbeiter würden weitere Beamte zur Seite gestellt.

Einer der neuen Hinweise stammt aus Norddeutschland. Eine Frau hat laut Mahl angegeben, vor kurzem einen weißen Mercedes E-Klasse mit einem Frontschaden gekauft zu haben. Der Verkäufer soll es recht eilig gehabt und versucht haben, den Wagen schnell loszuwerden. Die norddeutschen Kollegen sollen nun den Vorbesitzer vernehmen, mittels Gutachten soll ermittelt werden, ob sich der Frontschaden an dem Mercedes mit mit Unfallhergang deckt. Zu weiteren Details der Ermittlungen will Mahl „keine detaillierten Angaben machen“. Weitere Hinweise soll ein erneuter medialer Auftritt bringen: Am morgigen Mittwoch, 20.15 Uhr, tritt Polizeichef Mahl live in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY... ungelöst“ auf.

Der Sender sei auf die Zweibrücker Polizei zunächst per E-Mail, dann telefonisch zugekommen. Sechs Stunden vorher finde im Münchner Studio die Probe statt. Dauern soll Mahls Auftritt einige Minuten. Anders als im SWR soll es aber keinen Filmbeitrag mit einer Nachstellung des Unfalls geben. Mahl: „Es werden Fotos von der Unfallstelle gezeigt, ebenso ein Passfoto oder ein Freizeitfoto des verstorbenen Jungen – das alles unterlegt mit Aussagen eines Sprechers. Dazwischen wird mir der Moderator einige Fragen stellen.“ Durch die Aufnahme in der Sendung verspreche man sich weitere Zeugenaussagen, im besten Falle sogar, dass sich der Unfallverursacher zu erkennen gebe, sagte Mahl weiter.

Ob der Adoptivvater bei der Aufklärung des tödlichen Unfalls mithelfen könnte? Der SWR berichtet, er liege noch immer schwer verletzt im Krankenhaus. Auch mehrere Wochen nach dem Unfall könne er noch nicht vernommen werden.

Die Polizei nimmt jederzeit weitere Hinweise entgegen, die zur Auflösung des Falles führen: Polizei Zweibrücken,
Tel. (06332) 9760, Kripo Pirmasens,
Tel. (06331) 5200.