Mehr als 16 000 Fahrzeuge nerven täglich "Nur eine Umgehung kann entlasten"

Mehr als 16 000 Fahrzeuge nerven täglich "Nur eine Umgehung kann entlasten"

Wehrden. Gut besucht war die zweite Bürgerversammlung binnen weniger Stunden am Montag. Nach dem Termin in Luisenthal (die SZ berichtete) stellten Bürgermeister Jochen Dahm in der Kulturhalle Wehrden sowie Ute Lehnertz vom Umwelt-Campus Birkenfeld mit Vertretern der Verwaltung und des Umweltministeriums einen Maßnahmenkatalog für die Lärmaktionsplanung 2008 vor

Wehrden. Gut besucht war die zweite Bürgerversammlung binnen weniger Stunden am Montag. Nach dem Termin in Luisenthal (die SZ berichtete) stellten Bürgermeister Jochen Dahm in der Kulturhalle Wehrden sowie Ute Lehnertz vom Umwelt-Campus Birkenfeld mit Vertretern der Verwaltung und des Umweltministeriums einen Maßnahmenkatalog für die Lärmaktionsplanung 2008 vor. Vor allem Anlieger der Ludweiler Straße waren es, die sich von dieser "Lärmbekämpfungsinitiative" Besserung versprachen, ist doch gerade die Ludweiler Straße, also die L 165 mit mehr als 16 000 Fahrzeugen am Tag vom Brückenkopf Wehrden bis zum Rotweg immens durch Lärm und das Verkehrsaufkommen belastet. Die Erwartungen dämpfte Bürgermeister Dahm schon zu Beginn, die beabsichtigten Maßnahmen könnten in nächster Zeit keinesfalls konkret umgesetzt werden. Bedrückend dennoch die erstellten Lärmkarten, nach denen etwa an der Autobahn 620 im Tagesdurchschnitt 1563 Menschen einer Dezibel-Belastung zwischen 55 und 60 ausgesetzt sind und in der Nacht immerhin noch 276 Anlieger der Stadtautobahn durch denselben Geräuschpegel oft um den Schlaf gebracht werden. Noch gravierender ist die Situation auf dem 2420 Meter langen Teilstück der L 165, wo im Tagesdurchschnitt mit 70 bis 75 Dezibel 279 Bürgerinnen und Bürger Dauerlärm ausgesetzt sind und auch die Nachtmessung mit 60 bis 65 Dezibel noch 255 Menschen in ihrer Lebensqualität erheblich beeinträchtigt. Hier bestehe, so Ute Lehnertz, kurzfristiger Handlungsbedarf ebenso wie an der B 51 in Luisenthal. Als mögliche Maßnahmen wurde eine Beschränkung der Höchstgeschwindigkeit auf 30 Kilometer pro Stunde in Verbindung mit einer stärkeren Kontrolle des bestehenden generellen LKW-Fahrverbotes (außer dem Anliegerverkehr) vorgeschlagen. Dies hätte, so ergeben Untersuchungen, eine Reduzierung des Spitzenlärmpegels zur Folge und gilt auch für die B 51 im Bereich der Südtangente, wo eine Reduzierung der Höchstgeschwindigkeit von 60 auf 50 Kilometer pro Stunde vorgeschlagen wurde. Eine nachhaltige Verringerung der Lärmbelastung lasse sich nur durch den Bau beziehungsweise Ausbau einer Entlastungsstraße (Raffineriestraße) erreichen, die den Verkehr aus dem Bereich Warndt/Frankreich in Richtung Saarbrücken aufnehmen könne und damit die Ludweiler Straße entlaste. Geprüft werde derzeit auch durch den Landesbetrieb für Straßenbau, welche Lärmschutzmaßnahmen an der Autobahn 620 im Bereich Wehrden/Geislautern realisierbar seien. Sonstige Maßnahmen könnten eine "Grüne Welle" bei Ampelschaltungen oder der ordnungsgemäße Zustand der Straßenoberflächen sein. Relativ gering dürften die Kosten der Kommunen für die Beschilderung und die Überwachung der Fahrverbote sein, steige doch im selben Zug der Wohn- und Mietwert der Häuser an der Ludweiler Straße bei weniger Lärm. Wehrden. Ganz praktische Vorschläge machten die Bürgerinnen und Bürger bei der anschließenden Fragestunde: Ein Ärgernis war nicht nur für Manfred Görgen die aufwendige Ampelregelung am Brückenkopf Wehrden. Hier wäre ein Verkehrskreis zwar zunächst teurer, würde aber nicht nur den Lärm reduzieren, sondern auch die stetigen Staus vom Haller, der Wehrdener Brücke oder der Schaffhauser Straße vermeiden helfen. Ins selbe Horn stieß Reinhold Lavall, der Verkehrskreise nicht nur hier, sondern auch an der Einfahrt zu den Einkaufsmärkten in Geislautern oder am Rotweg favorisierte. Geteilter Meinung waren die Bürger bei der vorgesehenen Geschwindigkeitsreduzierung: Weniger Lärm und größere Sicherheit für Fußgänger könnten höhere Abgaswerte nach sich ziehen. Widerspruch ernteten die Vortragenden auch bei der Feststellung, gerade mal sieben Personen seien mit Dezibelzahlen zwischen 70 und 75: Zumindest subjektiv sehen sich weit mehr Bürger durch 24-stündigem Lärm ohne Lärmschutzwand genervt. Franz-Josef Petry beklagte, den Lärm an der Ludweiler Straße schon seit 35 Jahren ertragen zu müssen. Er war sich mit Brunhilde Folz einig, dass nur eine anständige Umgehung vom Haller bis zum Rotweg Geislautern entlasten könne. Bürgermeister Dahm, selbst Geislauterner Bürger, belegte, dass die Umgehung über die Raffineriestraße massiv betrieben werde. Problematisch seien jedoch die Anbindung an die Autobahn 620 an der Stangenmühle im Bereich Fenne sowie Widerstände aus Klarenthal, deren Verkehrsplaner sich über diese neuen Verkehrsflüsse nicht freuen würden. kkl "Maßnahmen können in nächster Zeit keinesfalls konkret umgesetzt werden." Jochen Dahm, VölklingerBürgermeister

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