Plädoyers im Kusel-Prozess Verteidigung von Andreas S. vor Gericht: Es war „kein Mord, maximal Körperverletzung mit Todesfolge“

Update | Kaiserslautern · Im Prozess um die beiden getöteten Polizisten bei Kusel haben die Staatsanwaltschaft und die Verteidigung heute ihre Plädoyers gehalten. Die Staatsanwaltschaft sieht eine Tat mit „Hinrichtungscharakter“. Die Verteidigung verzichtet auf eine konkrete Forderung. Aber das letzte Wort hatte der Hauptangeklagte Andreas S.

 Kaiserslautern: Der Hauptangeklagte kommt in den Verhandlungssaal des Landgerichts, rechts steht sein Verteidiger.

Kaiserslautern: Der Hauptangeklagte kommt in den Verhandlungssaal des Landgerichts, rechts steht sein Verteidiger.

Foto: dpa/Uwe Anspach

Im Prozess um die zwei bei Kusel getöteten Polizisten hat die Staatsanwaltschaft eine lebenslange Freiheitsstrafe für den Hauptangeklagten gefordert. Der Mann habe sich des zweifachen Mordes schuldig gemacht, sagte Oberstaatsanwalt Stefan Orthen am Dienstag in seinem Plädoyer vor dem Landgericht Kaiserslautern. Bei der Tat seien mehrere Mordmerkmale erfüllt und die Tat habe „Hinrichtungscharakter“ gehabt - daher liege eine besondere Schwere der Schuld vor, sagte Orthen.

Rund fünf Monate nach Prozessbeginn haben sich für den Oberstaatsanwalt die Vorwürfe der Anklage bestätigt: Der 39-Jährige habe Ende Januar eine junge Polizistin (24) und ihren Kollegen (29) bei einer nächtlichen Verkehrskontrolle an einer Kreisstraße in der Westpfalz mit Schüssen in den Kopf getötet.

Bilder aus dem Gericht - Saarländer wegen Mordes an zwei Polizisten angeklagt
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Saarländer wegen Mordes an zwei Polizisten angeklagt – Bilder aus dem Gerichtssaal

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Oberstaatsanwalt: Mordmerkmal der Habgier erfüllt

„Die Tötung der Polizisten diente der Verdeckung der gewerbsmäßigen Jagdwilderei“, sagte Orthen. Zudem sei das Mordmerkmal der Habgier erfüllt: „Ohne die Tat hätte er das erlegte Wild nicht mehr gewinnbringend verkaufen können“, sagte der Oberstaatsanwalt. Die Gewalttat sorgte bundesweit für Entsetzen.

Der Nebenangeklagte habe sich wie auch der Hauptangeklagte der gewerbsmäßigen Jagdwilderei schuldig gemacht. Von einer Strafe sei aber abzusehen, weil der 33-Jährige wesentlich zur Aufklärung beigetragen habe, sagte Orthen.

Was die Verteidigung von Andreas S. fordert

Die Verteidigung von Andreas S. forderte am Dienstag vor Gericht derweil „ein gerechtes Urteil“. Auf eine konkrete Forderung verzichte man, sagte Verteidiger Lars Nozar in seinem Plädoyer vor dem Landgericht Kaiserslautern. Sein Kollege Leonhard Kaiser fügte hinzu: „Wir wissen einfach nach wie vor viele Sachen nicht.“

Der Hauptangeklagte hatte im Prozess eingeräumt, auf den Polizisten in Notwehr geschossen zu haben. Für den Tod der Polizistin hatte er den Nebenangeklagten verantwortlich gemacht, was dieser stets bestritten hatte. „Wir haben hier zwei verschiedene Versionen, die nicht widerlegt werden konnten“, sagte Kaiser. Aus Sicht der Verteidigung sei es „kein Mord, maximal Körperverletzung mit Todesfolge“.

Das letzte Wort hatte Andreas S.

Die Nebenklage schloss sich laut der Nachrichtenagentur AFP der Staatsanwaltschaft überwiegend an. Die Anwälte der Angehörigen forderten neben der Feststellung der besonderen Schwere der Schuld eine anschließende Sicherheitsverwahrung. Für den Nebenangeklagten V. forderten sie eine Bewährungsstrafe.

In seinen letzten Worten vor Gericht machte der Hauptangeklagte Andreas S. V. erneut schweren Vorwürfe. Laut AFP sagte er, dass er verantworten müsse, dass ein „offensichtlich Drogenabhängiger“ eine Schusswaffe führen konnte und die Lage eskalierte. S. entschuldigte sich außerdem bei den Angehörigen der beiden Beamten. Der Tod der beiden sei einer Notwehrsituation geschuldet gewesen – die von V. verursacht worden sei.

Kusel-Prozess läuft seit Mitte Juni

Am 31. Januar waren ein 29 Jahre alter Polizeikommissar und eine 24 Jahre alte Polizeianwärterin bei einer nächtlichen Verkehrskontrolle an einer Kreisstraße nahe Kusel erschossen worden. Im Kastenwagen, mit dem sie am Tatort unterwegs waren, sollen 22 geschossene Rehe und Hirsche gelegen haben.

Als mutmaßlicher Schütze steht seit Mitte Juni der 39-Jährige wegen zweifachen Mordes vor Gericht. Er soll die beiden Polizisten getötet haben, um Jagdwilderei zu verdecken. Der Nebenangeklagte war als Helfer bei der Wilderei dabei.

Die Staatsanwaltschaft hatte zuvor wegen zweifachen Mordes eine lebenslange Freiheitsstrafe für den Hauptangeklagten gefordert. Zudem sprach sie sich für die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld aus. Die Nebenkläger schlossen sich im Wesentlichen den Forderungen an. Das Urteil soll am 30. November fallen.

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