Er schoss mit den Waffen seiner Frau Strafbefehl gegen Ehefrau von Polizistenmörder Andreas S. erlassen

Am 31. Januar 2022 erschoss Andreas S. bei Kusel zwei Polizisten. Waffen besitzen durfte er zu diesem Zeitpunkt nicht mehr. Die Tatwaffen überließ ihm seine Ehefrau. Jetzt hat die Tat auch rechtliche Konsequenzen für sie.

Kusel-Morde: Strafbefehl gegen Ehefrau von Polizistenmörder Andreas S.
Foto: dpa/Uwe Anspach

Die Polizistenmorde vom 31. Januar 2022 werden die Justiz noch eine Weile beschäftigen. Erst Ende Februar wurde bekannt, dass der Nebenangeklagte Florian V. eine Haftentschädigung von rund 2000 Euro erhält. Er hatte seit dem Tag der Tat bis Anfang März 2022 in Untersuchungshaft gesessen. Andreas S. selbst wurde diese Woche in einem weiteren Prozess wegen Jagdwilderei und versuchter gefährlicher Körperverletzung freigesprochen. Jetzt muss auch die Ehefrau des verurteilten Täters von Kusel mit rechtlichen Konsequenzen rechnen.

Prozess nach tödlichen Schüssen auf Polizisten bei Kusel - Eine Chronik
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Tödliche Schüsse auf zwei Polizisten in Kusel: Eine Chronik

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Kusel-Morde: Ehefrau erwarb Tatwaffen

Grund dafür sind die Tatwaffen, mit denen die beiden Polizisten umgebracht wurden. Denn die durfte Andreas S. eigentlich gar nicht benutzen. Der verurteilte Polizistenmörder besaß einen Jagdschein – dieser wurde allerdings samt der Waffenbesitzkarte aufgrund des Verlustes der „Zuverlässigkeit“ eingezogen. Schon 2008 musste Andreas S. die Scheine abgeben, bekam sie allerdings nach fünf Jahren wieder. 2020 verlor er sie erneut, ein neuerlicher Antrag von ihm wird abgelehnt.

Aber: Auch seine Ehefrau besaß Waffenbesitzkarte, Jagdschein und Waffen. Die Schrotflinte, die Andreas S. bei den Morden einsetzte, hatte er nach Informationen unserer Zeitung selbst noch erworben und dann an eine Privatperson verkauft. Mitte 2021 erwarb die Ehefrau die Waffe zurück. Das Jagdgewehr – die zweite Tatwaffe von Kusel – kaufte die Ehefrau selbst in einem Waffengeschäft im Saarland. Wegen Beihilfe zur Wilderei und Verstößen gegen das Waffengesetz hat die Ehefrau von Andreas S. deshalb jetzt einen Strafbefehl über zehn Monate Haft auf Bewährung erhalten. Das berichtet die „Rheinpfalz“ unter Berufung auf das Amtsgericht Kusel.

Andreas S. hätte keinen Zugriff auf die Waffen haben dürfen

Laut dem Bericht soll Andreas S. einen Großteil seiner Waffen nach dem Verlust des eigenen Jagdscheines 2020 an seine Frau übergeben haben. Nachdem die Polizei das Haus, in dem die beiden mit ihren vier Kindern wohnten, am Tattag durchsucht hatten, sprach die Polizei von einem „Waffenarsenal“ im Haus. Aus Sicherheitskreisen hieß es, dass fünf Kurzwaffen, ein Repetiergewehr, zehn weitere Langwaffen, eine Armbrust sowie einen Schalldämpfer und Munition vorgefunden wurden. Laut Gesetz hätte nur die Ehefrau von Andreas S. noch Zugriff auf die Waffen haben dürfen. Er nutzte sie allerdings offenbar weiterhin für seine Wilderei.

Der Ehefrau wird deshalb jetzt „Beihilfe zur gewerbsmäßigen Jagdwilderei“ und „Überlassung von Schusswaffen an eine nichtberechtigte Person“ vorgeworfen. Waffen, die sich noch in ihrem Besitz befanden, sind eingezogen worden. Der Strafbefehl ist noch nicht rechtskräftig, die Frau kann noch Einspruch einlegen.

Urteil im Kusel-Prozess ist noch nicht rechtskräftig

Andreas S. wurde für den Doppelmord bei Kusel zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig. In einem weiteren Prozess wurde Andreas S. im März 2023 jetzt freigesprochen. Hier ging es um Jagdwilderei und versuchte gefährliche Körperverletzung. Der Vorfall von 2017 sei „schlicht nicht mehr aufklärbar“ begründete der Vorsitzende Richter die Entscheidung. Andreas S. soll damals bei der Jagdwilderei erwischt worden sein. Danach soll er mit seinem Auto auf den Zeugen der Tat zugefahren sein ohne zu bremsen.

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